Boerse.bz: Direct Downloads verletzen Urheberrechte

Autor: , verfasst am 24.11.2014, 08:24| Jetzt kommentieren

Direct downloads von urheberrechtlich geschützten Daten über Filehoster und Sharehoster wie uploaded.net oder share-online.biz verletzen Urheberrechte und können zur Abmahnung führen.

Download (© VRD- Fotolia.com)
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Die Durchsuchungen bei den Betreibern von boerse.bz und etwa 100 weiteren mit boerse.bz in Verbindung stehenden Personen ist ein weiterer Schritt im Kampf gegen Raubkopierer. Der Niedergang der peer-to-peer Netzwerke führte zu einer vermehrten Nutzung sogannter File- bzw. Sharehoster – auch One-Click-Hoster genannt. Der Unterschied zu den peer-to-peer Netzwerken besteht darin, dass Dateien durch die Zurverfügungstellung von sogenannte Direct-Download-Links (DDLs) direkt von den Servern der One-Click-Hoster heruntergeladen werden können. Während bei peer-to-peer Netzwerken zwangsläufig auch immer zumindest ein Bruchteil der Dateien des Nutzers gleichzeitig zum Download angeboten wurde (daher der Begriff „Tauschbörse“), findet bei One-Click-Hostern ein Dateitransfer lediglich in eine Richtung statt – vom Server des Hosters auf den Computer des Nutzers. Meist sind die Daten in mehrere Archivdateien unterteilt, die nach dem Download auf dem Rechner des Nutzers entpackt werden müssen um an die eigentliche Datei zu kommen. Websites wie boerse.bz fungieren als Sammelstelle für die DDLs. Sie bieten daher nicht direkt urheberrechtlich geschützte Werke zum Download von ihren Servern an, sondern linken zu den entsprechenden One-Click-Hostern.

Strafbarkeit des Uploaders

Eine Urheberrechtsverletzung begeht nach § 106 des Urheberrechtsgesetzes (UrhG) derjenige, der außerhalb der gesetzlich zugelassenen Fälle ohne Einwilligung des Berechtigten ein Werk oder eine Bearbeitung oder Umgestaltung eines Werkes vervielfältigt, verbreitet oder öffentlich wiedergibt. Zulässig sind nach § 53 Abs. 1 S. 1 UrhG einzelne Vervielfältigungen eines Werkes durch eine natürliche Person zum privaten Gebrauch auf beliebigen Trägern, sofern sie weder unmittelbar noch mittelbar Erwerbszwecken dienen, soweit nicht zur Vervielfältigung eine offensichtlich rechtswidrig hergestellte oder öffentlich zugänglich gemachte Vorlage verwendet wird. Unproblematisch wird davon derjenige erfasst, der urheberrechtlich geschützte Werke bei One-Click-Hostern hochlädt, damit diese dann öffentlich zum Download durch Dritte bereit stehen. Diese sogenannten Uploader erhalten oftmals durch spezielle Bonus-Programme eine Art Provision je bereit gestelltem Upload.

Strafbarkeit des Downloaders

Aber auch Nutzer, die diese Daten herunterladen, verletzen Urheberrechte wenn es für einen billig und gerecht Denkenden offensichtlich ist, dass die öffentliche Vorlage (das Angebot auf den Servern des One-Click-Hosters) ohne Genehmigung des eigentlichen Rechteinhabers erfolgt. Dies ist jedenfalls dann der Fall, wenn z. B. ein Film noch vor Kinostart angeboten wird. Jedoch dürfte auch nach Kinostart die Offensichtlichkeit gegeben sein, da niemand erwarten kann, dass eine Film-Produktionsfirma ihre Filme kostenlos auf Servern von One-Click-Hostern bereitstellt.

Probleme bei der Verfolgung

Dennoch sind bisher Ermittlungen lediglich gegen Uploader und die Betreiber von solchen Websites bekannt geworden, auf denen die Verlinkung stattfindet. Dies begründet sich zum einen in der Intention der Ermittlungsbehörden, das Problem bei der Wurzel zu packen und die Zurverfügungstellung der Daten an sich zu bekämpfen. Zum anderen besteht das Problem, dass die One-Click-Hoster und deren Server nicht in Deutschland sitzen. Nur über diese Server könnte man an die IP-Adressen oder die Identität der Nutzer kommen, die von diesen Servern Daten heruntergeladen haben.

Zivilrechtliche Ansprüche und Abmahnungen

Abmahnungen dagegen finden ihren Ursprung nicht im Strafrecht, sondern im Zivilrecht, d. h. die Rechtsinhaber versuchen auf zivilrechtlichem Wege ihre Rechte und Werke zu schützen. Ist nachweisbar, dass eine Urheberrechtsverletzung vorliegt, so kann der Rechteinhaber Schadensersatz verlangen, etwa für entgangenen Einnahmen aus dem Verkauf eines Liedes oder eines Kinotickets. Gerade der Download über One-Click-Hoster macht einen Nachweis der Urheberrechtsverletzung jedoch aufgrund der bereits erwähnten Schwierigkeiten der Identifikation des Downloaders außerordentlich schwer. Die Unternehmen möchten einen aufwendigen Zivilprozess umgehen und bevorzugen daher eine außergerichtliche Abmahnung durch eigens dafür beauftragte Anwaltskanzleien. Bevor auf eine solche Abmahnung mit der Zahlung einer geforderten Summe und der Unterzeichnung einer zumeist geforderten Unterlassungserklärung reagiert wird, sollte ein Rechtsanwalt hinzugezogen werden, um zu prüfen, ob tatsächlich eine relevante Urheberrechtsverletzung vorliegt und wie auf die Abmahnung sinnvoller Weise zu reagieren ist.

Schlagwörter: One-Click-Hoster Direct Download Urheberrechtsverletzung UrhG Sharehoster Filehoster Download Upload boerse.bz


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