Ab wann spricht man von einer Raubkopie?

Autor: , verfasst am 05.08.2014, 06:33| Jetzt kommentieren

In der Vorschau bei einem Kinobesuch wird man jedes Mal mit dem Begriff der Raubkopie konfrontiert. Das Anfertigen von Raubkopien ist strafrechtlich relevant und kann sogar zu einer Freiheitsstrafe führen. Raubkopien bedeuten für die Musik- und Filmbranche teils erhebliche wirtschaftliche Schäden. So gingen im Jahr 2012 der Musik- und Filmbranche in Deutschland schätzungsweise über 680 Millionen Euro verloren (Studie Medienboard Berlin-Brandenburg).

Raubkopie (© VRD - Fotolia.com)
Raubkopie
(© VRD - Fotolia.com)

Was genau versteht sich unter Raubkopie, ist jede Kopie eines Musikstücks oder Films gleich illegal und wie sieht es mit digitalen Inhalten wie E-Books aus?

Der Begriff der Raubkopie wird nicht erst seit den Möglichkeiten des Computers, CDs zu brennen, verwendet sondern fiel schon für das Überspielen von Schallplatte auf Kassette. Das Raubkopieren hat jedoch mittlerweile durch Internet-Tauschbörsen, mp3 und DVD-Brenner eine neue Qualität erlangt. Jedoch ist nicht jede angefertigte Kopie strafrechtlich relevant. Geregelt wird die Zulässigkeit bzw. das Verbot von Raubkopien, auch Schwarzkopien genannt, im Urheberrechtsgesetz (UrhG).

Raubkopie meint das unzulässige Überspielen eines urheberrechtlich geschützten Werkes von einem Medium auf ein anderes, um hiervon eine weitere Kopie zu erhalten, obwohl hierfür an sich ein Entgelt, beispielsweise eine Lizenzgebühr, anfallen würde. Hierfür drohen dem Täter bis zu drei Jahre Haft, in gewerblichen Fällen sogar bis zu fünf Jahre (§§ 106, 108 UrhG).

Privatkopien

Unter bestimmten Voraussetzungen ist es rechtlich möglich, ein Werk auf ein anderes Medium zu kopieren. Man spricht in diesem Fall von der Privatkopie. Sie sind nach § 53 UrhG „zum privaten und sonstigen eigenen Gebrauch“ rechtmäßig. Das Gesetz nennt hierfür zwei Bedingungen. Zum einen darf nicht von einem Datenträger kopiert werden, der selbst offensichtlich rechtswidrig hergestellt wurde. Zum anderen dürfen keine öffentlich zugänglich gemachten Vorlagen für die Kopie verwendet werden. Die Privatkopie muss übrigens nicht vom Eigentümer des Originals selbst angefertigt werden, wie § 53 Abs. 1 UrhG deutlich macht. Solange die Vervielfältigung unentgeltlich passiert, kann er sich auch eines Dritten bedienen.


Privatkopien sind zudem erst dann zulässig, wenn sie

  • dem eigenen wissenschaftlichen Gebrauch dienen

  • in ein eigenes Archiv aufgenommen werden soll (unter weiteren Voraussetzungen)

  • der eigenen Unterrichtung über Tagesfragen über ein durch Funk gesendetes Werk dient

  • im Original seit mindestens zwei Jahren vergriffen sind

  • kleine Teile eines erschienenen Werkes bzw. einzelne Beiträge aus Zeitungen darstellen

     

Schlagwörter: Kopie, Raubkopie, Privatkopie

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