Kleine Kinder führen Hund an der Leine: ist das erlaubt?

Autor: , verfasst am 10.04.2016, 08:00| 2 Kommentare

Kleine Kinder, die große Hunde an der Leine führen, derartige Situationen sind durchaus zu beobachten. Nachdem es offensichtlich erscheint, dass kleine Kinder nicht über die nötige Körperkraft verfügen, um den Hund in einer gefährlichen Situation zu kontrollieren, stellt sich hier die Frage nach der Rechtslage: Grundsätzlich sind zur Klärung dieser Frage Regelungen aus der Hundehalterverordnung heranzuziehen. So heißt es in § 1 HundehV:

Kinder sollten keine großen Hunde ausführen. (© vvvita - Fotolia.com)
Kinder sollten keine großen Hunde ausführen.
(© vvvita - Fotolia.com)

„Wer Hunde außerhalb des eingefriedeten Besitztums führt, muss körperlich und geistig die Gewähr dafür bieten, jederzeit den Hund so beaufsichtigen zu können, dass Menschen, Tiere oder Sachen nicht gefährdet werden“

Damit wird deutlich, dass es kleinen Kindern grundsätzlich zu untersagen ist, Hunde außerhalb des eigenen Gartens an der Leine zu führen. Denn zumeist fehlt es Kindern an der nötigen Kraft, einen Hund wirklich zurückzuhalten. Hinzu kommt, dass sich Hunde oft wie kleine Kinder verhalten, nämlich völlig unvorhersehbar. Kindern ist es damit kaum möglich, das Verhalten des Hundes abzuschätzen. Kinder sollten daher erst dann mit einem Hund alleine spazieren gehen dürfen, wenn sie in der Lage sind, mit diesem entsprechend umzugehen. Dies kann nicht unbedingt am Alter des Kindes festgemacht werden. Ein 8 Jahre altes Kind kann mit dem nötigen Handlungsbewusstsein ebenso geeignet sein, wie ein 15-jähriges. Selbstverständlich spielt auch die Größe des Hundes eine entscheidende Rolle. Denn ein kleineres Kind hat mit Sicherheit mit einem Hund in der Größe eines Yorkshires keine großen Probleme, mit einem Neufundländer hingegen schon.

Kinder bei der Hundeerziehung integrieren

Um Kinder an den Umgang mit dem Hund zu gewöhnen, und somit auch an das richtige Führen des Hundes an der Leine, ist es angebracht, diese bereits bei der Hundeerziehung mit zu integrieren. Bevor Kinder allein mit einem Hund spazieren gehen dürfen, sollte sichergestellt werden, dass der Hund auf durch die Kinder erteilte Befehle hört und die Kinder fähig sind, in gefährlichen Situationen adäquat zu reagieren. Denn kommt es zu einem Schadensfall, dann können Eltern aufgrund der Verletzung ihrer Aufsichtspflicht  belangt werden.


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Bisherige Kommentare zum Ratgeber (2)

G. W.  (15.02.2015 19:04 Uhr):
Für ein besseres und schöneres Miteinander zwischen Hunde- und Nichthundehalter heißt eigentlich die einfachste Regel, Verstand und Rücksichtsnahme einzusetzen. Jeder befolge doch die Hunde-Knigge-Regeln!!!
wellenros  (11.02.2015 13:55 Uhr):
was ist, wenn : ein großes 15 jähriges Kind geht mit dem Hund, der an der Leine ist, und mit seiner kl. Schwester (8 J.) spazieren. Dann ist die kl.Schwester zu der Katze gegangen, die sich in der Zeit neben der Haustür auf der Fensterbank vom Nachbargrundstück befand. Sie wollte die Katze streicheln, hat sie aber nicht angefasst. Die große Schwester ist aber ohne anzuhalten mit dem Hund weiter gegangen, der die Katze gesehen hatte, sich aber nicht für sie Interessierte. Plötzlich rannte der Hund zurück und riss der gr. Schwester die Leine aus der Hand. Die Katze wurde dabei stark beschädigt. Die Hundeversicherung will nicht zahlen und behauptet, dass die kl. Schwester mitschuldig ist, weil sie das fremde Grundstück betreten hat, obwohl die Katze neben der Haustür auf der Fensterbank lag und soweit ich weiß, darf man den Weg bis zur Klingel das Grundstück betreten.




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