Auto folieren: Ist Car Wrapping in Chrome oder Schwarz erlaubt?

Autor: , verfasst am 19.09.2017, 10:49| Jetzt kommentieren

Autotuning und Co sind nicht erst seit „Pimp my ride“ oder der „Fast and Furious“-Reihe beliebt. Die getunten Pkws müssen aber nicht nur ordentlich etwas unter der Haube haben, sondern auch das Aussehen muss entsprechend „fetzen“. Deshalb erfreut sich auch das sogenannte Car Wrapping einer besonderen Beliebtheit. Dabei wird das Auto mit einer speziellen Folie beklebt. Die Farbenvielfalt bei diesen Folien ist enorm. Doch ist dies ohne weiteres erlaubt? Was gilt es zu beachten? Welche rechtlichen Konsequenzen können drohen?
 

Auto folieren: Ist Car Wrapping in Chrome oder Schwarz erlaubt? (© Mickey Marrero - Fotolia.com)
Auto folieren: Ist Car Wrapping in Chrome oder Schwarz erlaubt?
(© Mickey Marrero - Fotolia.com)

Was genau ist Car Wrapping eigentlich?

Beim Car Wrapping wird das Auto mit einer besonders widerstandsfähige Spezialfolie beklebt. Die Klebefolie kommt in verschiedenen farblichen Ausführungen, zum Beispiel Chrome Silber oder Schwarz. Sie kann außerdem individuell bedruckt werden. Daneben gibt es eine Sprühfolie für einzelne Teile, etwa Türgriffe oder Felgen.

Darüber hinaus gibt es außerdem getönte Autofolien für die Autoscheiben, die nicht nur einen hohen UV-Schutz bieten, sondern auch vor Glasbruch oder starker Hitzebildung schützen.

 

Wie sieht die rechtliche Situation aus?

Car Wrapping ist in Deutschland nicht per se verboten. Allerdings ist dabei einiges zu beachten: ein foliertes Fahrzeug kann eine Gefahr für andere Verkehrsteilnehmer i.S.d. § 1 StVO [Straßenverkehrsordnung] darstellen und damit dem Rücksichtnahmegebot widersprechen. Die Feststellung, ob tatsächlich eine Gefährdung vorliegt, hängt jedoch von dem Ermessen der Behörden ab. Daher kann es unter Umständen nicht nur Probleme mit der Polizei geben, sondern etwa auch mit dem TÜV oder der Kfz-Versicherung. Dies gilt insbesondere für die Chrome Silber Folierung, da hierdurch eher andere Verkehrsteilnehmer geblendet werden als bei den anderen farbigen Chromefolien.

Daneben schreibt § 40 Absatz 1 StVO vor, dass sämtliche Glasscheiben, die im Fahrersichtfeld liegen, nicht nur klar, sondern auch lichtdurchlässig und verzerrungsfrei sein müssen. Deshalb müssen zumindest die vorderen Seitenscheiben sowie die Windschutzscheibe unfoliert bleiben, um die Sicherheit der Fahrzeuginsassen sowie der anderen Verkehrsteilnehmer nicht zu gefährden. Gleiches gilt im Übrigen auch für das einfache Tönen der Frontscheibe.

 

Welche rechtlichen Konsequenzen können drohen?

Im Falle einer Einschätzung der Polizei und / oder der Versicherung, dass die gewählte Folierung eine Gefährdung für andere Verkehrsteilnehmer darstellt, würde dies zum Erlöschen der Betriebserlaubnis und / oder des Versicherungsschutzes führen.

Im Übrigen ist bei Missachtung der Vorschriften der Straßenverkehrsordnung mit den folgenden Konsequenzen zu rechnen:

Verstoß

Bußgeld

Punkte

Fahren mit eingeschränkter Sicht bei getönten Autoscheiben

10 Euro

 

Bauartengenehmigung wurde nicht mitgeführt bzw. vorgelegt

10 Euro

 

kein vorschriftsmäßiges ausgerüstetes Fahrzeug in Betrieb genommen

- mit Beeinträchtigung der Verkehrssicherheit

25 Euro

90 Euro

 

1

Scheinwerfer mit Folie verdeckt

- andere Verkehrsteilnehmer gefährdet

- mit Sachschaden

20 Euro

25 Euro

35 Euro

 

ohne Betriebserlaubnis gefahren 

- Verkehrssicherheit gefährdet

50 Euro

90 Euro

 

1

 

Fazit: Car Wrapping ist zwar nicht per se verboten, die Grenze zwischen noch zulässiger und bereits unzulässiger Folierung ist jedoch schwammig und liegt im Ermessen der Polizei sowie der Versicherung.
Es empfiehlt sich daher, bei Interesse einer Fahrzeugvollfolierung mit farbigem Chrome bereits im Vorfeld mit dem Versicherer darüber zu sprechen. Wenn dieser ‚grünes Licht‘ gibt, ist in aller Regel auch keine entgegenstehende Auffassung der Polizei zu befürchten.

Quelle: Sebastian Klingenberg, ref. iur.

Schlagwörter: Auto, Kfz, Kraftwagen, folieren, Folie, Car Wrapping, chrome, schwarz, silber, verboten, strafbar, erlaubt, legal, Verstoß, Polizei, Versicherung, Fahrerlaubnis, Ermessen


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