Ist eine Ohrfeige strafbar?

Autor: , verfasst am 03.03.2015, 07:46| 4 Kommentare

Im zwischenmenschlichen Bereich kann es immer wieder zu Streitigkeiten kommen. Eigentlich kein Problem. Unangenehm wird es nur, wenn einem der Beteiligten die Hand ausrutscht und er dem andren eine Ohrfeige verpasst. Davon abgesehen, dass sich mit Gewalt keine Dispute lösen lassen, stellt sich die Frage: Ist eine Ohrfeige strafbar?

Strafrecht  (© p365.de - Fotolia.com)
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Ohrfeige ist eine Körperverletzung!

Auch, wenn Ohrfeigen gerne bagatellisiert werden: es handelt sich dabei um eine Körperverletzung, welche gemäß § 223 StGB strafbar ist: „Wer eine andere Person körperlich misshandelt oder an der Gesundheit schädigt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.“ Schon anhand des recht hohen Strafmaßes lässt sich unschwer erkennen, dass es sich bei einer Ohrfeige keineswegs um eine Bagatelle handelt. Oft wird die Strafe zwar zur Bewährung ausgesetzt, jedoch sollten sich insbesondere Wiederholungstäter nicht darauf verlassen.

Ohrfeige von Eltern gestattet?

Kinder früherer Generationen werden sich noch allzu gut dran erinnern, wie oft sie von Mama oder Papa eine Ohrfeige erhalten haben. Ob man dieses Verhalten gut findet oder nicht: geschadet hat es niemandem, und gesetzlich was es auch nicht verboten, seine Kinder mit einer Ohrfeige oder einem Klaps auf den Po zu züchtigen. Seit dem Jahre 2000 ist dies jedoch anders: der § 1631 BGB besagt, dass Kinder ein recht auf eine gewaltfreie Erziehung haben. Dies führt dazu, dass körperliche Züchtigungen und Misshandlungen, zu denen auch das Erteilen einer Ohrfeige zählt, unzulässig sind. Im Klartext bedeutet dies, dass Eltern, die ihren Kindern eine Ohrfeige geben, sich strafbar machen.

Ohrfeige kann Kündigungsgrund sein

Auch kann eine Ohrfeige dazu führen, dass derjenige, der sie austeilt, seinen Arbeitsplatz verliert – und zwar fristlos. So erging es einem Krankenpfleger, der einen Bewohner eines psychiatrischen Krankenhauses mit einer Watschen züchtigen wollte. Obwohl der betreffende Pfleger bereits seit über 30 Jahren in besagtem Krankenhaus tätig war, kündigte ihm sein Arbeitgeber mit der Begründung, dass diese Tätlichkeit eine schwere Verletzung im Vertrauensbereich darstellt. Der Krankenpfleger zog daraufhin vor Gericht, verlor jedoch den Rechtsstreit [LAG Schleswig-Holstein, 13.07.2000, 5 Sa 240/00].

Ähnlich erging es einem Arbeitnehmer, der auf einer Weihnachtsfeier seines Betriebes einen Kollegen schlug. Ihm wurde fristlos gekündigt; eine Klage gegen diese Kündigung blieb erfolglos [AG Osnabrück, 08.04.2010, 4 BV 13/08].

Schmerzensgeld nach Ohrfeige?

Bekommt jemand eine Ohrfeige verpasst, hat er häufig das Bedürfnis, Schmerzensgeld von dem Täter zu bekommen. Eine derartige Klage ist jedoch in den allermeisten Fällen erfolglos: eine Ohrfeige ist zwar sowohl eine Straftat als auch eine beschämende Angelegenheit für das Opfer, jedoch werden sowohl dessen Persönlichkeitsrecht als auch sein körperliches Wohlbefinden nur geringfügig verletzt [LG Hanau, 12.12.1990, 4 O 1184/90].

Ausnahmen bestehen lediglich in jenen Fällen, in denen die Ohrfeige derart kräftig gewesen ist, dass sie gesundheitliche Schäden hervorgerufen hat, wie beispielsweise ein geplatztes Trommelfell.

Fazit: Eine Ohrfeige ist eine Straftat, welche demzufolge strafrechtliche Konsequenzen mit sich bringt. Zivilrechtliche Ansprüche wie Schmerzensgeld liegen allerdings in der Regel nicht vor.

Schlagwörter: Ohrfeige, Körperverletzung, Kündigungsgrund, Schmerzensgeld


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Bisherige Kommentare zum Ratgeber (4)

Anne11900  (16.01.2017 16:23 Uhr):
Hierzu habe ich eine Frage. Ich habe einem Mädchen eine Ohrfeige gegeben. Jedoch habe ich sie nur sehr leicht erwischt und es kann unmöglich sein, dass ich sie stark verletzt habe. Jetzt hat sie mich wegen Körperverletzung angezeigt. Wie sieht es da aus?
Pete  (25.03.2016 16:13 Uhr):
Wie sieht es den in sensibleren Verhältnissen aus? Ist eine Ohrfeige vom Lehrer als Grundschüler schadensersatzfähig? eine Ohrfeige hat noch niemandem geschadet Dieser Satz ist sehr unpassend.
sam land  (24.08.2015 09:44 Uhr):
ich habe jemanden eine ohrfeige gegeben (WEIBLICH WIR BEIDE) es kamm aus einem verbalen streit herraus jetzt hat sie mich angezeigt und eine einzweilige verfügen gemacht weil sie angst jetzt vor mir hat und ne straffe von 1000 euro ist das gerecht
KaTe  (08.05.2015 10:55 Uhr):
Ich glaube, es hackt!? "eine Ohrfeige hat noch niemandem geschadet" - diese Aussage unreflektiert auf dieser Seite zu finden irritiert sehr und macht sehr nachdenklich.





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