Darf ich in Deutschland einen Schlagring legal kaufen oder besitzen?

Autor: , verfasst am 15.01.2018, 13:14| Jetzt kommentieren

Was zählt als Schlagring und ist die Anschaffung legal? Darf er mitgenommen werden zur Selbstverteidigung im Rahmen der Notwehr? Welche Strafen drohen? Dies erfahren Sie in diesem Ratgeber.

Rechtslage zum Schlagring in Deutschland (© Markus Mohr - Fotolia.com)
Rechtslage zum Schlagring in Deutschland
(© Markus Mohr - Fotolia.com)

 

Was einen Schlagring auszeichnet

Manche Zeitgenossen möchten sich einen Schlagring kaufen. Hierbei handelt es sich um eine Handwaffe. Dies besteht aus einem Griff, durch die der Finger der Faust gesteckt werden. Von der Einordnung gehören sie zu den Schlagwaffen. Das kommt daher, weil sie nicht in den Körper eindringen. Anders ist dies, wenn sie als Sonderausfertigungen, mit längeren Stacheln oder Klingen versehen sind. In diesem Fall sind sie als Hiebwaffen anzusehen. Ein Schlagring zeichnet sich dadurch aus, dass er dem Gegenüber erhebliche Verletzungen zuführt. Von daher ist die Verwendung gefährlich.

 

Kauf eines Schlagrings legal?

Fraglich ist bereits, ob der Kauf eines Schlagrings rechtlich zulässig ist. Dies richtet sich nach den Bestimmungen des Waffengesetzes. Hiernach ist der Umgang mit einem Schlagring illegal. Dies ergibt sich aus Anlage 2 zu § 2 Absatz 2 bis 4 des Deutschen Waffengesetzes (dort unter Abschnitt 1. Nr.1.3.2.) Umgang mit einer Waffe hat nach § 1 Abs. 3 WaffG unter anderem, wer diese erwirbt, Daraus ergibt sich, dass bereits der Kauf eines Schlagrings illegal ist.

Das gilt auch, wenn man ihn nicht mitführen, sondern als Waffenlieber lediglich zu Hause in eine Vitrine im Wohnzimmer ausstellen oder unauffällig in einer Schublade verwahren möchte. Dabei spielt keine Rolle, ob der Schlagring in einem deutschen Geschäft gekauft oder in dem Onlineshop eines ausländischen Betreibers (z.B. mit Sitz in Tschechien oder der Türkei) erworben wird.

 

Schlagring als Geschenk/Schlagring schmuggeln nach Deutschland?

Wer aber nun glaubt, dass er sich einen Schlagring schenken lassen kann, der irrt sich. Denn bereits der bloße Besitz einer solchen Waffe ist unzulässig. Denn hierin liegt ebenfalls ein Umgang im Sinne von § 1 Abs. 3 WaffG. Vom Schmuggeln eines Schlagrings nach Deutschlandsollte man ebenfalls absehen, weil bei der Einreise mit der Beschlagnahme dieser illegalen Waffe durch den Zoll gerechnet werden muss.

 

Schlagring mit Waffenbesitzschein/Waffenkarte erlaubt?

Der Besitz eines Schlagrings kann auch nicht dadurch legitimiert werden, dass man zuvor einen Waffenschein oder eine Waffenbesitzkarte erwirbt. Selbst wenn die Voraussetzungen hierfür vorliegen, so darf hiermit längst nicht jede Waffe besessen beziehungsweise mit sich geführt werden. Verboten sind unter anderen Kriegswaffen, Pump-Guns sowie Schlagringe. Dies ergibt sich aus § 2 Abs. 3 WaffG in Verbindung mit Anlage 2 Abschnitt 1 des Waffengesetzes.

Dies ergibt sich daraus, dass es sich bei einem Schlagring nach dem Waffenrecht um eine nicht genehmigungsfähige illegale Waffe handelt.

Aus diesem Grunde dürfen Schlagringe auch nicht mitgeführt werden, um sie Freunden zu zeigen oder sich zu verteidigen.

 

Strafe bei Besitz oder mit sich führen von Schlagring

Wer hiergegen verstößt, begeht allein durch den Besitz des Schlagrings nicht nur eine Ordnungswidrigkeit nach § 53 Abs. 1 Nr. 1 WaffG, sondern sogar eine Straftat. Dies ergibt sich aus § 52 Abs. 2 WaffG. Er muss bei einem vorsätzlichen Verstoß neben einer Geldstrafe mit einer Freiheitsstrafe bis zu 5 Jahren rechnen. Dies gilt erst Recht, wenn er den Schlagring mit sich führt und dabei von der Polizei erwischt wird.

In einem besonders schweren Fall ist sogar eine Freiheitsstrafe bis maximal 10 Jahren möglich. Ein besonders schwerer Fall liegt in der Regel vor, wenn der Täter gewerbsmäßig oder als Mitglied einer Bande, die sich zur fortgesetzten Begehung solcher Straftaten verbunden hat, unter Mitwirkung eines anderen Bandenmitgliedes handelt.

 

Strafe bei Verwenden von Schlagring

Wer darüber hinaus den Schlagring gegen andere Menschen einsetzt, muss zunächst mit einer Bestrafung wegen gefährlicher Körperverletzung gem. § 224 StGB rechnen. Denn bei einem Schlagring handelt es sich um eine Waffe im Sinne des Waffengesetzes, so dass der Tatbestand des § 224 Abs. 1 Nr. 2 StGB erfüllt ist. Hier kommt es – anders als beim Tatbestandsmerkmal des anderen gefährlichen Werkzuges nicht darauf an, wie der Schlagring konkret eingesetzt wird.

Der Täter einer gefährlichen Körperverletzung kommt hier nicht mit einer Geldstrafe davon. Vielmehr muss er mit Freiheitsstrafe bis zu 10 Jahren rechnen. Und das aus gutem Grund: Wer eine Körperverletzung mittels eines Schlagrings verübt, begeht kein Kavaliersdelikt, sondern eine schwere Straftat.

Wenn er dadurch erhebliche Verletzungsfolgen herbeiführt – wie ein Verlust des Auges, den Verlust eines wichtigen Gliedes oder eine dauerhafte Entstellung, macht sich überdies wegen schwerer Körperverletzung gem. § 226 StGB strafbar. Hier ist ebenfalls eine Freiheitsstrafe bis maximal 10 Jahren drin. Sofern er diese Folgen absichtlich oder wissentlich herbeiführt, so ist die Strafe gem. § 226 Abs. 2 StGB Freiheitsstrafe nicht unter drei Jahren. Das bedeutet im Klartext, dass hier vom Gericht eine Freiheitsstrafe bis zu 15 Jahren verhängt werden kann. Dies ergibt sich aus § 38 Abs. 2 StGB, wonach das Höchstmaß der zeitige Freiheitsstrafe 15 Jahre beträgt.

 

Schlagring zur Selbstverteidigung/Notwehr erlaubt?

Im Internetforen kommt häufig die Frage gestellt, ob man einen Schlagring zur Selbstverteidigung mitnehmen und bei einem Angriff auf der Straße benutzen darf. Davon kann nur abgeraten werden. Denn es ist zweifelhaft, ob sich der Nutzer auf Notwehr § 32 StGB berufen kann. Dies setzt voraus, dass der Einsatz eines Schlagrings bei einem rechtswidrigen Angriff als erforderliche Verteidigung anzusehen ist. Zwar gilt der Grundsatz der Verhältnismäßigkeit im Notwehrrecht nicht. Das bedeutet, dass das Opfer sich so verteidigen darf, dass ein Angriff auch wirklich gestoppt wird. Bei einem Schlagring ist jedoch zu bedenken, dass es sich um eine Waffe handelt, die nach dem Waffengesetz illegal ist. Der Grund liegt darin, dass Schlagringe häufig zu der Begehung von Straftaten benutzt werden. Infolgedessen muss man auch bei einem massiven Angriff mit der Waffe damit rechnen, dass das Gericht hier nicht von einer erforderlichen Verteidigung ausgeht und die Berufung auf Notwehr nach § 32 StGB verweigert.

Mit anderen Worten: Der Nutzer eines Schlagrings muss auch hier mit einer Bestrafung wegen gefährlicher Körperverletzung gem. § 224 StGB bzw. schwerer Körperverletzung gem. § 226 StGB rechnen. Darüber hinaus ist zu bedenken, dass bereits der vorher erworbene Besitz eines Schlagrings nach dem Waffengesetz strafbar ist (§ 52 Abs. 2 WaffG).

 

Fazit:

Infolge dessen kann von der Anschaffung sowie dem Einsatz eines Schlagrings auch im Rahmen der Selbstverteidigung nur abgeraten werden. Wenn überhaupt sollte man auf legale Waffen oder besser auf eine Trillerpfeife oder einen Schrill-Alarm zurückgegriffen werden. Gerade im letzten Fall geht der Angegriffene nicht das Risiko ein, dass er zumindest zunächst einmal als Täter erscheint und sich der Belastung eines Strafverfahrens aussetzen muss. Darüber hinaus besteht bei der Verwendung eines Schlagrings auch das Risiko, dass die Situation eskaliert beziehungsweise der Angreifer in den Besitz des Schlagrings gelangt.

Als Opfer von Kriminellen Sie sich übrigens ebenfalls einen Rechtsanwalt nehmen, damit dieser im Strafverfahren Ihre rechtlichen Interessen vertritt im Rahmen der sogenannten Nebenklage. Darüber hinaus kann er prüfen, inwieweit Sie den Täter auf Schadensersatz (etwa Verdienstausfall, Behandlungskosten) und Schmerzensgeld in Anspruch nehmen können.

 

Autor: Harald Büring, Ass. jur. (Juraforum-Redaktion)


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