Verluste aus Anleihen und Darlehensforderungen steuerlich geltend machen

Autor: , verfasst am 11.01.2018, 13:08| Jetzt kommentieren

Anleger mussten es immer wieder erleben, dass ihre Investitionen in Anleihen floppten. Der finanzielle Schaden ist gewaltig. Damit war es aber noch nicht getan. Denn die Verluste konnten vielfach noch nicht einmal steuerlich geltend gemacht werden. Doch zumindest hier gibt es nach einer aktuellen Entscheidung des Bundesfinanzhofs erfreuliche Nachrichten (Az.: VIII R 13/15).

Der BFH stellte fest, dass der endgültige Ausfall einer Kapitalforderung ein steuerlich anzuerkennender Verlust sei. Bislang war es so, dass Anleger, die ihre Anteile nicht verkauft hatten, sondern noch auf Ausgleichszahlungen warteten, ihre Verluste steuerlich nicht geltend machen konnten. „Die Entscheidung des BFH ist nach der Einführung der Abgeltungssteuer nur folgerichtig und für die geschädigten Anleger sicher erfreulich. Der Teufel steckt aber im Detail. Denn der BFH stellte auch fest, dass von einem Forderungsausfall erst dann auszugehen sei, wenn endgültig feststeht, dass keine weiteren Rückzahlungen mehr erfolgen werden. Die bloße Eröffnung eines Insolvenzverfahrens über den Schuldner reiche dafür in der Regel aber nicht aus. Das wird in der Praxis zu Schwierigkeiten führen“, sagt Rechtsanwalt Markus Jansen, Fachanwalt für Bank- und Kapitalmarktrecht und Partner der Kanzlei AJT in Neuss.

In dem zu Grunde liegenden Fall hatte ein Ehepaar ein Darlehen gewährt. Über das Vermögen des Darlehensnehmers wurde schließlich das Insolvenzverfahren eröffnet. Das Ehepaar meldete seine ausstehende Forderung zur Insolvenztabelle an und wollte den Verlust bei der Einkommensteuererklärung steuerlich geltend machen. Der Verlust wurde von dem zuständigen Finanzamt allerdings nicht berücksichtigt. Einspruch und Klage gegen diese Entscheidung blieben zunächst erfolglos. Der BFH hat die Entscheidung mit Urteil vom 24. Oktober 2017 jedoch aufgehoben und die Sache an das zuständige Finanzgericht zurückverwiesen.

Nach dem Urteil des BFH liegt ein steuerbarer Verlust aufgrund eines Forderungsausfalls vor, wenn feststeht, dass keine weiteren Rückzahlungen zu erwarten sind. Das ist z.B. dann der Fall, wenn die Eröffnung des Insolvenzverfahrens mangels Masse abgelehnt wird.

Bei Unternehmensanleihen, Nachrangdarlehen oder ähnlichen Kapitalanlagen gewähren die Anleger den Unternehmen Darlehen. Im Insolvenzfall gehen sie oft leer aus oder erhalten nur eine geringe Insolvenzquote. Den Verlust können sie nun immerhin steuerlich geltend machen und bei Ablehnung des Finanzamtes es wieder versuchen. „Das ist aber nur der steuerliche Aspekt. Denn fallen Anleihen oder Nachrangdarlehen aus oder erleiden Anleger Verluste mit ihrer Kapitalanlage, besteht häufig die Möglichkeit, Ansprüche auf Schadensersatz geltend zu machen“, so Rechtsanwalt Jansen.

Mehr Informationen: https://www.ajt-partner.de/kapitalanlagerecht

 

Schlagwörter: BFH VIII R 13/15, Anleihen, Darlehen

Sie wünschen Rechtsberatung zu dem Thema des Artikels?
Nutzen Sie dieses Formular zum Kontakt mit Markus Jansen:


Sicherheitsfrage:

Datenschutzerklärung gelesen und einverstanden

Nachrichten zum Thema
  • BildVerluste durch Ferienhausvermietungen leichter absetzbar (02.02.2016, 15:51)
    Köln (jur). Vermieter eines Ferienhauses können Verluste auch dann steuermindernd geltend machen, wenn ein Gewinn füber längere Zeit nicht zu erwarten ist. Nach einem am Dienstag, 2. Februar 2016, bekanntgegebenen Urteil des Finanzgerichts Köln...
  • BildKeine Klage in Deutschland wegen Umschuldung griechischer Anleihen (18.05.2015, 09:28)
    Osnabrück (jur). Inhaber griechischer Staatsanleihen können nicht in Deutschland Griechenland wegen umschuldungsbedingter Verluste verklagen. Denn den deutschen Gerichten ist es verwehrt, die Rechtmäßigkeit ausländischer Hoheitsakte zu überprüfen,...
  • BildDGAP-News: EXchange Investors N.V.: Dubai World Anleihen (03.12.2009, 10:30)
    EXchange Investors N.V. / Zwischenbericht/Rechtssache03.12.2009 Veröffentlichung einer Corporate News, übermittelt durch die DGAP - ein Unternehmen der EquityStory AG. Für den Inhalt der Mitteilung ist der Emittent / Herausgeber...
  • BildBFH: Besteuerung von sog. Finanzinnovationen: Down-Rating-Anleihen (11.04.2007, 17:36)
    Der für Kapitaleinkünfte zuständige VIII. Senat des Bundesfinanzhofs (BFH) hat seine Rechtsprechung zu sog. Finanzinnovationen weiterentwickelt und mit Urteil vom 13. Dezember 2006 entschieden, dass Veräußerungsgewinne aus dem Verkauf von...
  • BildBGH: Zur wirksamen Abtretung von Darlehensforderungen (27.02.2007, 17:07)
    Bankgeheimnis und Bundesdatenschutzgesetz hindern nicht die wirksame Abtretung von Darlehensforderungen Der für das Bank- und Börsenrecht zuständige XI. Zivilsenat des Bundesgerichtshofes hatte über die Wirksamkeit der Abtretung einer...
  • BildBGH: Besteuerung von sog. Finanzinnovationen: Argentinien-Anleihen (08.02.2007, 14:15)
    Der für Kapitaleinkünfte zuständige VIII. Senat des Bundesfinanzhofs (BFH) hat mit Urteil vom 13. Dezember 2006 die Steuerbarkeit von Verlusten aus sog. Argentinien-Anleihen geklärt (Az. VIII R 62/04): Veräußerungsverluste aus argentinischen...





Autor des Artikels

Rechtsanwalt
AJT Jansen Treppner Schwarz & Schulte-Bromby

Logo
Schorlemer Straße 125
41464 Neuss (Pomona)
Deutschland

Termin: Terminanfrage



Weitere Steuerrecht-Ratgeber

Passende Rechtsanwälte:

JuraForum-Suche

Durchsuchen Sie hier JuraForum.de nach bestimmten Begriffen:

© 2003-2018 JuraForum.de — Alle Rechte vorbehalten. Keine Vervielfältigung, Verbreitung oder Nutzung für kommerzielle Zwecke.