Steuerpflicht bei Verkauf auf dem Flohmarkt?

Autor: , verfasst am 22.07.2014, 06:48| 1 Kommentar

Der Flohmarkt ist per se schon ein grauer Fleck im Rechtsraum Deutschland. Es wird ausschließlich mit Bargeld hantiert, Händler reihen sich neben Familien und so richtig koscher kommt einem der Verkauf mancher Waren nicht vor. Dem rechtschaffenen Bürger stellt sich dann schnell die Frage: Muss ich die Erlöse aus einem einmaligen Verkauf steuerrechtlich angeben? Ab wann Verkaufe ich auf einem Flohmarkt gewerblich?

Flohmarkt (© Kuznecovag - Fotolia.com)
Flohmarkt
(© Kuznecovag - Fotolia.com)

In der Regel müssen Flohmarkterlöse nicht steuerlich als Einnahmen angegeben werden. Steuerlich angegeben werden muss der Verkauf lediglich dann, wenn der Verkauf innerhalb der gesetzlichen Frist geschieht und ein Gewinn erzielt wird. Für ein solches privates Veräußerungsgeschäfts fällt die Steuer als dann an, wenn der Gegenstand innerhalb von einem Jahr (Spekulationsfrist) nach Anschaffung veräußert wird. Diese Steuerpflicht gilt nur dann, wenn mit dem verkauften Gegenstand ein Gewinn erzielt wurde.

Darüber hinaus gilt es die Freigrenze von 512,00 € einzuhalten: Liegt die Gewinne über dieser Grenze sind sie vollumfänglich steuerpflichtig. Zu beachten ist allerdings, dass Alltagsgegenstände des täglichen Gebrauchs nicht berücksichtigt werden, da es ihnen an einem Wertsteigerungspotential fehlt. Auch Kosten und Gebühren für den Flohmarktstand können vom Gewinn abgezogen werden.

Das übliche Szenario: Verkauf von alten Gegenständen des täglichen Gebrauchs weit unter Einkaufspreis

Für den gewöhnlichen Flohmarktbesucher kommt eine Steuerpflicht natürlich nicht zum tragen. Üblicherweise werden alte Gegenstände verkauft zu Preisen, die teilweise weit unter dem originalem Einkaufspreis liegen. Steuerlich gesehen, besteht somit kein Gewinn sondern ein Verlust. Haben sie den damaligen Einkauf steuerlich nicht geltend gemacht, müssen sie auch den Erlös (also die Verlustminimierung durch den Verkauf auf dem Flohmarkt) steuerlich nicht geltend machen. Besteht noch eine Rechnung über den wiederverkauften TV könnte theoretisch ein Veräußerungsverlust geltend gemacht werden.

Gewerbliche Tätigkeit

Ein anderer Sachverhalt liegt vor, wenn Waren eingekauft werden, um sie auf dem Flohmarkt weiterzuverkaufen. Eine gewerbliche Tätigkeit liegt vor, wenn der Verkauf nachhaltig mit der Absicht zur Gewinnerzielung betrieben wird. Eine Nachhaltigkeit liegt vor, wenn wiederholt mit dem gleichen Warenangebot auf einem Flohmarkt verkauft wird. Die Gewinnerzielungsabsicht liegt vor, wenn sie bestrebt sind einen Gewinn zu erzielen (Verkauf über dem wirklichen Einkaufspreis).

Bei Vorliegen dieser Tatsachen sollte ein Gewerbe angemeldet werden und die steuerlichen Vorschriften bzgl. eines Gewerbes sowie des Einkommens eingehalten werden. Zunächst einmal unterliegen sie keiner Umsatzsteuerpflicht, wenn der Umsatz unter 17.500,00 € im Jahr liegt. Die Einkommenssteuergrenze liegt bei 8.130,00 € jährlich. Erwirtschaften sie durch das Gewerbe mehr als 8.130,00 € Gewinn für sich selbst, muss die Einkommenssteuer gezahlt werden.

Fazit:

Für den normalen Flohmarktverkauf besteht faktisch keine Steuerpflicht. Lediglich bei Verkäufen innerhalb eines Jahres nach Anschaffung mit Gewinn oder anderweitig großartigen Gewinnen (welche in der Regel nicht vorliegen) besteht eine Steuerpflicht. Bei wiederholtem Verkauf des gleichen Warenangebots kann eine gewerbliche Tätigkeit vorliegen.

Schlagwörter: Flohmarkt Steuer, Flohmarkt gewerbliche Tätigkeit,


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Bisherige Kommentare zum Ratgeber (1)

secondhandboerse  (31.05.2016 14:36 Uhr):
mal angenommen, die Hausfrau verkauft Kinderkleidung auf dem Flohmarkt und mietet hierfür einen stand. Muss sie Mehrwertsteuer bezahlen? muss der Veranstalter Mehrwertsteuer bezahlen auch wenn er keine einnimmt? was meint ihr dazu?





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