Kann man Kosten für Arbeitskleidung von der Steuer absetzen?

Autor: , verfasst am 23.11.2016, 12:11| Jetzt kommentieren

Die jährliche Steuererklärung ist ein notwendiges Übel. Sie nimmt regelmäßig viel Zeit in Anspruch, macht man sie nicht, riskiert man Ärger mit dem Finanzamt. Die Steuererklärung kann aber auch einige steuerliche Vorteile bringen: Wer seine Steuererklärung nämlich ordentlich abgibt, hat durchaus die Möglichkeit, anstelle eines Bescheides über eine Nachzahlung, einen Bescheid über eine Steuererstattung zu erhalten. Denn vieles lässt sich von der Steuer absetzen, etwa die Arbeitskleidung oder das Arbeitszimmer. Welche Voraussetzungen für das Absetzen der Kosten für Arbeitskleidung von der Steuer vorliegen müssen sowie Steuertipps, erfahren Sie hier:

Kann man Kosten für Arbeitskleidung von der Steuer absetzen? (© Sandra Knopp - Fotolia.com)
Kann man Kosten für Arbeitskleidung von der Steuer absetzen?
(© Sandra Knopp - Fotolia.com)

Lesen Sie zum Thema Arbeitszimmer folgenden Ratgeber bzw. Steuertipp: „Arbeitszimmer von Steuer absetzen - Wann ist das möglich?

Was genau ist unter Arbeitskleidung zu verstehen?

Arzt, Richter, Soldat, Polizist, Pfarrer, Koch oder Künstler – es gibt eine Vielzahl an Berufen, die eine Berufskleidung voraussetzen. In einigen Fällen entstehen deshalb dem Arbeitnehmer zusätzliche Kosten, da er sich selbst um Anschaffung, Pflege etc. der Kleidung kümmern muss. Doch wann zählt die Kleidung als Arbeitskleidung im rechtlichen Sinn und ist mithin steuerlich absetzbar?

Im Allgemeinen gilt: Arbeitskleidung ist die Kleidung, die ausschließlich in der Arbeitszeit getragen wird. Dementsprechend zählen zur steuerlich absetzbaren solche Klamotten nicht, die auch privat getragen werden könnten. Dabei ist es grundsätzlich auch irrelevant, ob diese Kleidung tatsächlich auch privat getragen wird.

Die Rechtsprechung hat deshalb bei folgender Berufskleidung das Absetzen der Kosten von der Steuer als zulässig erachtet:

  • Dienstklamotten (Hemden, Hosen, Pullover, Anorak und Einsatzanzug) mit dem Emblem der Polizei, Bundeswehr etc.
  • Sportbekleidung für die dienstliche Teilnahme am Sport (Polizei, Bundeswehr, Feuerwehr, Sportlehrer [vgl. Bundesfinanzhof [BFH] mit Urteil vom 23.02.1990, Az.: VI R 149/87] etc.)
  • Blaumann
  • Kleidung vom Schornsteinfeger
  • Bühnenkostüme für Künstler
  • Sicherheitsschuhe und Warnweste
  • Ausnahmsweise auch Anzug bzw. Kostüm in folgenden Sachlagen:
    • Schwarzer Anzug für einen katholischen Geistlichen [so BFH mit Urteil vom 10.11.1989, Az.: VI R 159/86]
    • Schwarzer Anzug bei einem Leichen­bestatter [so BFH mit Urteil vom 30.09.1970, Az.: BFH, Az. I R 33/69]
    • Schwarzer Anzug bei einem Oberkellner [so BFH mit Urteil vom 09.03.1979, Az. VI R 171/77]
    • Dunkelblaue Anzüge und Kostüme, die eine Luftverkehrsgesellschaft ihren Arbeitnehmern zur Verfügung stellt, selbst wenn das Emblem des Arbeitgebers abnehmbar ist

Demgegenüber ist die folgende Arbeitskleidung nicht von der Steuer absetzbar:

  • Die zum Anzug bzw. Kostüm getragenen Schuhe, Socken, Strumpfhosen, Funktionsunterwäsche etc.
  • Schlichte weiße Hosen, Hemden bzw. T-Shirts etc. eines Arztes
  • Aufwendungen für Brillen und Ersatzbrillen sowie auch Bildschirmbrillen
  • Kleidung eines Fotomodells, Schauspielers oder TV-Moderators [vgl. nur BFH mit Urteil vom 06.07.1989, Az. IV R 91-92/87]
  • Abendkleid und Folklorebekleidung einer Sängerin oder einer Instrumentalistin
  • Skikleidung eines nebenberuflichen Skilehrers

 

Welche Kosten rund um die Arbeitskleidung sind tatsächlich absetzbar?

Die von der Steuer absetzbaren Kosten umfassen nicht nur den Kaufpreis (soweit er inklusive Mehrwertsteuer einen Betrag von 487,90 Euro nicht übersteigt), sondern auch Reinigungs- und Instandhaltungs­kosten (etwa Nähen oder Stopfen).

Arbeitnehmer setzen die Kosten für den Kaufpreis sowie die Aufwendungen für Reinigung und Instandhaltung werden als Werbungskosten ab. Addieren Sie dazu alle Beträge und tragen Sie diese in der Anlage N als Arbeitsmitteln ein.

Selbstständige geben die Kosten hingegen als Betriebsausgaben an.

Denken Sie in beiden Fällen auch an die Quittungen. Sollten Sie die Belege nicht aufgehoben haben, so können Sie in Ihrer Steuererklärung pauschal für Arbeitsmittel einen Betrag von 110 Euro angeben, selbstverständlich soweit die o.g. Voraussetzungen dennoch gegeben sind.

Die Reinigungskosten werden hingegen lediglich geschätzt. Dies hat der Bundesfinanzhof am 29.06.1993 (Az.: VI R 53/92) mit seinem Grundsatzurteil entschieden. Daraufhin hat die Verbraucherzentrale Bundesverband e. V. die Gesamtkosten  für die Wäschepflege in unterschiedlichen Haushaltsgrößen wie folgt errechnet:

 

1 Person

2 Personen

3 Personen

4 Personen

Wäsche waschen

 

 

 

 

Kochwäsche 90 Grad

0,77 Euro/kg

0,50 Euro/kg

0,43 Euro/kg

0,37 Euro/kg

Buntwäsche 60 Grad

0,76 Euro/kg

0,48 Euro/kg

0,41 Euro/kg

0,35 Euro/kg

Pflegeleichte Wäsche

0,88 Euro/kg

0,60 Euro/kg

0,53 Euro/kg

0,47 Euro/kg

Wäsche trocknen

 

 

 

 

Ablufttrockner

0,41 Euro/kg

0,26 Euro/kg

0,23 Euro/kg

0,19 Euro/kg

Kondenstrockner

0,55 Euro/kg

0,34 Euro/kg

0,29 Euro/kg

0,24 Euro/kg

Bügeln mit Dampfbügeleisen

0,07 Euro/kg

0,05 Euro/kg

0,05 Euro/kg

0,05 Euro/kg


Damit ergibt sich beispielsweise folgende Rechnung:

Es werden wöchentlich 3 kg Berufskleidung bei 60 Grad sowie 3 kg im Schonwaschgang gewaschen. Diese 6 kg an Arbeitskleidung kommen sodann in den Kondenstrockner. Im Anschluss werden die Klamotten noch gebügelt. Abzüglich von Urlaub beträgt die jährliche Arbeitszeit 46 Wochen.

Damit lässt sich die vorliegende Aufwendung wie folgt berechnen:

   46 Wochen   x   0,48 Euro   x   3 kg   [Buntwäsche 60 Grad]

+ 46 Wochen   x   0,60 Euro   x   3 kg   [Pflegeleichte Wäsche]

+ 46 Wochen   x   0,34 Euro   x   6 kg   [Kondenstrockner]

+ 46 Wochen   x   0,05 Euro   x   6 kg   [Bügeln mit Dampfbügeleisen]

= 256,68 Euro, die von der Steuer abgesetzt werden dürfen

 

Fazit

Man kann diverse Kosten für Arbeitskleidung von der Steuer absetzen, nämlich Kaufpreis sowie Reinigungs- und Instandhaltungskosten. Bei der Kleidung muss es sich aber um Berufskleidung handeln, d.h. sie wird ausschließlich während der Arbeit getragen.

Arbeitnehmer setzen diese Kosten als Werbekosten ab, Selbststände als Betriebsausgaben.

Heben Sie stets die Quittungen für die Anschaffung auf. Reinigungskosten können Sie hingegen abschätzen.
 

Quelle: Sebastian Klingenberg, ref. iur.

Schlagwörter: Arbeitskleidung, Berufskleidung, Klamotten, Steuer, absetzen, absetzbar, Steuererklärung, Kosten, Aufwendung, Reinigung, Instandhaltung, Quittung, Werbekosten, Betriebsausgaben, Steuertipp, steuerlich, Finanzamt


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