Einkommensteuer & Rente: wie hoch ist der Grundfreibetrag?

Autor: , verfasst am 10.02.2015, 07:24| 1 Kommentar

So manch ein Rentner ist der Meinung, mit Beendigung seines Berufslebens endet auch die Pflicht zur Abgabe einer Steuererklärung. Dies ist nicht der Fall. Seit dem Inkrafttreten des Alterseinkünftegesetzes zum 01.01.2005 (= Neuregelung zur Besteuerung der Renten und Pensionen) sind sie auch nach dem Rentenbeginn dazu verpflichtet. Diese Regelung findet selbst in jenen Fällen Anwendung, in denen das Finanzamt dem betroffenen Rentner vor dem Jahre 2005 mitgeteilt hat, dass er keine Steuererklärung mehr abgeben muss [FG Rheinland-Pfalz, 24.07.2013, 4 V 1522/13]. Doch nicht alle Rentner sind von den Steuerzahlungen betroffen: ob im individuellen Fall Steuerabgaben fällig sind oder nicht, hängt zum einem vom Datum des Renteneintritts, zum anderen von dem jeweiligen Einkommen ab. Gegebenenfalls fällt der Betroffene unter den gesetzlich vorgegebenen Grundfreibetrag, welcher als Existenzminimum angesehen wird.

Grundfreibetrag (© Falko matte-Fotolia)
Grundfreibetrag
(© Falko matte-Fotolia)

Dieser Grundfreibetrag wurde zum 01.01.2014 angehoben. Seit dem liegt er bei

  8.354,-  € für Alleinstehende und

16.708,- € für Ehepaare.

Zu beachten ist, dass nicht nur die Rente an sich als Einkommen angerechnet wird, sondern auch sämtliche andere Einkünfte, wie beispielsweise Mieteinnahmen. Liegen nun die Einkünfte eines Rentners über diesem Grundfreibetrag, so ist er zur Abgabe einer Einkommensteuererklärung verpflichtet. Ist dies nicht der Fall, so bleibt er von dieser Pflicht befreit. Der Grund hierfür ist leicht zu finden: Einkommen, die unter diesen Freibetrag fallen, werden als das Minimum angesehen, welches eine Person zum Leben benötigt. Müssten von diesem Betrag noch Steuern gezahlt werden, würde dieses Existenzminimum in Gefahr geraten.

Wie bereits erwähnt, ist auch der Zeitpunkt des Renteneintritts von Bedeutung: je eher dieser erfolgte, desto geringer ist der prozentuale Besteuerungsanteil. Der Steuerfreibetrag wird für Neurentner

immer geringer, da der Besteuerungsanteil für jeden neuen Rentnerjahrgang ansteigt. Lag er 2011 noch bei 62%, so stieg er 2014 bereits auf 68% an. Bei Renteneintritt in 2015 liegt er bereits bei 70%.

Bis zum Jahre 2039 wird sich diese Beteuerungsanteil kontinuierlich

erhöhen, bis er schließlich bei 100% liegt: Rentner, die ab 2040 in den

Ruhestand gehen und deren Einkommen über dem Grundfreibetrag

liegen, müssen für ihre komplette Rente Steuern zahlen.

                                                                                               Jahr des Rentenbeginns         
                                                            

 

 

2011

2012

2013

2014

Höchste Jahresbruttorente 2014, die steuerunbelastet bleibt

15.850 €

15.400 €

15.073 €

14.705 €

ergibt Monatsbruttorente

1.321 €

1.283 €

1.256 €

1.225 €

Besteuerungsanteil

62 %

64 %

66 %

68 %

betragsmäßig festgeschriebener steuerfreier Teil der Rente

5.733 €

5.329 €

5.036 €

4.706 €

der Besteuerung unterliegender Anteil der Rente

10.117 €

10.070 €

10.037 €

9.999 €

abzüglich Werbungskostenpauschbetrag

102 €

102 €

102 €

102 €

abzüglich Sonderausgabenpauschbetrag

36 €

36 €

36 €

36 €

abzugsfähige Vorsorgeaufwendungen

1.625 €

1.578 €

1.545 €

1.507 €

zu versteuerndes Einkommen (entspricht dem Grundfreibetrag)

8.354 €

8.354 €

8.354 €

8.354 €

 (Quelle: Bundesministerium für Finanzen)

 

Im Klartext bedeutet dies, dass Renten, welche erstmals im Jahre 2014 gezahlt werden, zu 68% besteuert werden, während die restlichen 32% unberührt bleiben. Die Berechnung erfolgt dahingehend, dass ein bestimmter prozentualer Anteil der gesetzlichen Rente steuerpflichtig sind, beispielsweise 68% im Jahre 2014. Von diesem wird zum einen ein Werbungskosten-Pauschbetrag in Höhe von 102,- €, zum anderen die üblichen steuerlich abzugsfähigen Ausgaben abgezogen (Pauschbetrag für Sonderausgaben in Höhe von 36,- €, Beiträge zur gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung). Kann der Rentner jedoch nachweisen, dass er diesbezüglich mehr Ausgaben gehabt hat, so muss er diese in seiner Steuererklärung belegen.

Schlagwörter: Grundfreibetrag


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Bisherige Kommentare zum Ratgeber (1)

wuwu  (20.01.2016 07:32 Uhr):
Ich beziehe seit Febr. 2013 Rente. Für 2014 habe ich einen Steuerbescheid bekommen, 66 % der Rente sind zu versteuern. Der Grundfreibetrag von 8.354,00 € ist nicht berücksichtigt worden. Soll ich Einspruch einlegen?





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