Arbeitszimmer von Steuer absetzen - Wann ist das möglich?

Autor: , verfasst am 24.08.2016, 14:50| Jetzt kommentieren

Die jährliche Steuererklärung ist ein notwendiges Übel – ansonsten gibt es Ärger mit dem Finanzamt. Dabei kann die Steuererklärung steuerlich auch einige Vorteile bringen: Wer seine Steuererklärung nämlich ordentlich abgibt, hat durchaus die Möglichkeit, anstelle eines Bescheides über eine Nachzahlung, einen Bescheid über eine Steuererstattung zu erhalten. Denn vieles lässt sich von der Steuer absetzen, wie auch das Arbeitszimmer. Wann dies genau möglich ist und was es dabei sonst noch zu wissen gibt, erfahren Sie hier:
 

Arbeitszimmer von Steuer absetzen - Wann ist das möglich? (© Downer - Fotolia.com)
Arbeitszimmer von Steuer absetzen - Wann ist das möglich?
(© Downer - Fotolia.com)

Was genau ist unter einem Arbeitszimmer zu verstehen?

Ein Arbeitszimmer ist nach allgemeiner Ansicht ein Arbeitsraum, in dem vorwiegend gedankliche, schriftliche oder verwaltungstechnische bzw. -organisatorische Arbeiten erledigt werden. Ein Arbeitszimmer dient demnach nicht nur verschiedenen Büroarbeiten, sondern auch geistigen, künstlerischen oder schriftstellerischen Betätigungen. Erforderlich ist allein, dass das Arbeitszimmer entsprechend ausgestattet ist.
Ein Arbeitszimmer ist außerhäuslich, wenn es nicht in die Privatwohnung integriert ist.
Ein Arbeitszimmer ist häuslich, wenn es ein Teil der Privatwohnung darstellt, wobei auch ein Zubehörraum, wie bspw. ein Abstell-, Keller- oder Speicherraum, als Teil der Wohnung anzusehen ist, selbst wenn diese Räume nicht unmittelbar in die Privatwohnung integriert sind.
 

Macht es einen Unterschied, ob das Arbeitszimmer außerhäuslich oder häuslich ist?

Es macht durchaus einen Unterschied, ob das Arbeitszimmer außerhäuslich oder häuslich ist:

  • Bei einem außerhäuslichen Arbeitszimmer wird nicht geprüft, inwieweit ein Tätigkeitsmittelpunkt vorhanden ist. In diesem Fall sind die gesamten Raumkosten ohne weiteres absetzbar.
  • Bei einem häuslichen Arbeitszimmer erfolgt hingegen stets eine genaue Prüfung, ob es sich bei dem Zimmer um ein Tätigkeitsmittelpunkt handelt. Darüber hinaus können die Kosten auch nur anteilig abgesetzt werden.
     

Welche Anforderungen werden genau an ein häusliches Arbeitszimmer gestellt?

Bei einem häuslichen Arbeitszimmer muss es sich um einen Tätigkeitsmittelpunkt handeln. Dies kann nur dann angenommen werden, wenn folgende Kriterien vorliegen:

  • Das Arbeitszimmer wird fast ausschließlich beruflich genutzt.
    Ein Arbeitszimmer wird dann fast ausschließlich beruflich genutzt, wenn die private Mitbenutzung nicht mehr als 10 % der gesamten Nutzung ausmacht. Selbstverständlich ist die berufliche und private Nutzungsdauer nur in den seltensten Fällen exakt messbar, weshalb die jeweiligen Umstände bei der Prüfung herangezogen werden, etwa ob und wenn ja, welche privaten Tätigkeiten in dem Arbeitszimmer ausgeführt werden.
    Der Bundesfinanzhof [BFH] hat dazu in seinen Grundsatzentscheidungen vom 27.07.2015 (Az.: GrS 1/14) und vom 16.02.2016 (Az.: IX R 23/12) entschieden, dass, sollte ein Arbeitszimmer in der eigenen Wohnung bzw. im eigenen Haus nicht so gut wie ausschließlich beruflich genutzt werden, auch nicht anteilig von der Einkommenssteuer abgesetzt werden kann. Darüber hinaus hat der BFH mit Urteil vom 17.02.2016 (Az.: X R 26/13) in einem anderen Fall klar entschieden, dass Kosten für gemischt genutzte Nebenräume (etwa Flur, Küche und Toilette) überhaupt nicht absetzbar sind, sobald die private Mitbenutzung die „Unerheblichkeitsschwelle“ überschreitet.
     
  • Das Arbeitszimmer ist wie ein Arbeitsraum eingerichtet.
    Das Arbeitszimmer muss zusätzlich wie ein Arbeitsraum eingerichtet sein. Auch hier gilt, dass nicht mehr als 10 % an privaten Gegenständen im Raum vorhanden sein darf.
    Folgende Gegenstände dürfen sich im Arbeitszimmer befinden:
    • Lampen, Gardinen, Teppiche, Bilder sowie andere Kunstgegenstände, Blumen etc.
    • (Ein) Sessel o.ä., soweit sie zum Lesen von Fachliteratur, für Diktate o.ä. benutzt werden
    • (Eine) Liege o.ä., soweit sie für Ruhepausen benutzt wird
    • (Eine) Sitzecke mit mehreren Sesseln o.ä., soweit aus beruflichen Gründen Besucher empfangen werden
    • Radio bzw. eine kleine Stereoanlage o.ä.

Folgende Gegenstände dürfen sich im Arbeitszimmer nicht befinden:

  • Fernseher, soweit es der einzige in der Wohnung ist
  • private Bücher sowie Schallplatten- und / oder CD-Sammlungen
  • Kühlschrank, Kleiderschrank etc., wenn sich diese Gegenstände nur im Arbeitszimmer und nicht in der Wohnung befinden
     
  • Das Arbeitszimmer ist von den übrigen Wohnräumen abgetrennt.
    Das Arbeitszimmer muss ein separater Raum sein, der von den übrigen Wohnräumen abgetrennt ist. Das Arbeitszimmer darf aber auch ein Durchgangszimmer sein, etwa wenn man durch das Arbeitszimmer muss, um ins Bad oder ins Schlafzimmer etc. zu gelangen.
     
  • Die Wohnung ist für den Wohnbedarf ausreichend groß
    Darüber hinaus darf das Arbeitszimmer nicht so groß sein, dass nicht mehr genügend Wohnraum bleibt. Ob dies im vorliegend der Fall ist, wird immer anhand des Einzelfalls entschieden. In den folgenden Fällen war die Wohnung ausreichend groß für ein Arbeitszimmer:
    • Alleinstehende/r:
      • Ein Arbeitszimmer: 12 m2
      • Wohnung insgesamt: 42 m2 (2 Zimmer)
    • Ehepaar ohne Kinder:
      • Zwei Arbeitszimmer: 7,5 m2 und 9 m2
      • Wohnung insgesamt: 115 m2
    • Ehepaar mit zwei Kindern:
      • Ein Arbeitszimmer: 14,4 m2
      • Wohnung insgesamt: 88 m2  (3 Zimmer)

In den folgenden Fällen war die Wohnung nicht ausreichend groß für ein Arbeitszimmer:

  • Alleinstehende/r:
    • Ein Arbeitszimmer: 30 m2
    • Wohnung insgesamt: 47,7 m2 (2 Zimmer)
  • Ein Arbeitszimmer von 25 m2 in einer Wohnung mit insgesamt 70 m2 (3 Zimmer)
     

Welche Kosten sind bei einem häuslichen Arbeitszimmer überhaupt (anteilig) absetzbar?

Es sind unter anderen folgenden Kosten anteilig nach dem Verhältnis der Fläche des Arbeitszimmers zur gesamten Wohnfläche einschließlich des Arbeitszimmers absetzbar:

  • Miete
  • Wasser- und Energiekosten
  • Reinigungskosten
  • Nebenkosten, wie Grundsteuer, Müllabfuhrgebühren, Schornsteinfegergebühren, Gebäudeversicherungen
  • Renovierungskosten

Darüber hinaus können auch Aufwendungen für die Ausstattung des Zimmers abgesetzt werden, wie beispielsweise Tapeten, Teppiche, Gardinen und Lampen.

Arbeitnehmer geben diese Aufwendungen als Werbungskosten an. Allerdings werden nur die wenigsten Arbeitnehmer tatsächlich Kosten für ein häusliches Arbeitszimmer absetzen können, da in der Regel ein Tätigkeitsmittelpunkt zu verneinen ist. Darüber hinaus können im Jahr Werbungskosten lediglich bis zu 1.250 Euro geltend gemacht werden.
Selbstständige geben diese Aufwendungen hingegen als Betriebsausgaben an. In der Regel sind hier alle Kosten abzugsfähig, wenn das häusliche Arbeitszimmer der Mittelpunkt ihrer beruflichen oder betrieblichen Tätigkeit ist.
 

Fazit

Ein Arbeitszimmer lässt sich von der Steuer absetzen, unabhängig davon, ob es sich um ein außerhäusliches oder ein häusliches Arbeitszimmer handelt. Bei einem außerhäuslichen Arbeitszimmer wird allerdings nicht geprüft, inwieweit ein Tätigkeitsmittelpunkt vorhanden ist; anders jedoch bei dem häuslichen Arbeitszimmer. Dabei ist ein solcher Tätigkeitsmittelpunkt in der Regel immer dann gegeben, wenn das Arbeitszimmer wird fast ausschließlich beruflich – also zu mindestens 90 % - benutzt wird, entsprechend eingerichtet sowie von den übrigen Wohnräumen abgetrennt ist und der Wohnbedarf ausreichend groß ist, trotz des Arbeitszimmers. Darüber hinaus ist bei einem häuslichen Arbeitszimmer zu beachten, dass es nur anteilig von den Steuern abgesetzt werden kann, wobei Kosten für gemischt genutzte Nebenräume (etwa Flur, Küche und Toilette) nicht absetzbar sind.


Quelle: Sebastian Klingenberg, ref. iur.

Schlagwörter: Arbeitszimmer, Arbeitsraum, Steuer, absetzen, absetzbar, Steuererklärung, häuslich, außerhäuslich, Kosten, Tätigkeitsmittelpunkt, anteilig, Steuertipp, steuerlich, Finanzamt, Bescheid, Steuererstattung, Nachzahlung


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