Kündigung vom Fitnessstudio: Wann ist eine außerordentliche Kündigung möglich?

Autor: , verfasst am 25.03.2014, 14:16| Jetzt kommentieren

Verträge mit Fitnessstudios laufen bei vielen Bürgern einfach so nebenher: Irgendwann stellt sich für jeden die Frage nach der Kündigungsfrist mit der bitteren Erkenntnis, dass diese noch in monatelanger Ferne liegt. Just in diesem Moment gegen die eigene Recherche bei Google los: Kündigung bei Fitnessstudioverträgen.

Fitnessstudioverträge außerordentlich kündigen. (© Kzenom - Fotolia.com (Symbolbild))
Fitnessstudioverträge außerordentlich kündigen.
(© Kzenom - Fotolia.com (Symbolbild))

Im Jahr 2012 bestätigte der Bundesgerichtshof (BGH, Az.: XII ZR 42/10) ein Sonderkündigungsrecht bei Verträgen mit einem Fitnessstudio. Danach sind Klauseln, welche einen vorzeitigen Austritt aus dem Vertrag aus wichtigen Grund ausschließen, nun nach höchstrichterlicher Rechtsprechung unwirksam.

Dieses Urteil kann somit von Mitgliedern eines Fitnessstudios als Begründung vorgetragen werden, wenn das Studio die Kündigung aus wichtigen Grund verweigert.

Außerordentliche Kündigung vom Fitnesstudio - Wichtiger Grund erforderlich!

Zum wichtigen Grund gab es auch schon vor dem Urteil des BGH im Jahr 2012 diverse Rechtsprechung. Auch wenn der Betreiber des Fitnessstudios bei vorzeitiger Kündigung das Vorlegen eines Attests verlangen kann, ist eine Erkrankung, welche die Benutzung des Fitnessstudios dauerhaft ausschließt, als wichtiger Grund von der Rechtsprechung anerkannt (Amtsgericht Hamburg, Az.: 13b C 96/90). Dies gilt auch für eine Schwangerschaft (Amtsgericht München, Az.: 251 C 26718/09) und für den Umzug in eine Stadt außerhalb des Einzugsgebietes des Studios (Amtsgericht München, Az.:212 C 15699/08). Als Faustregel für das Einzugsgebiet gilt eine Entfernung von 20km, in welcher ein wichtiger wichtiger Grund auch bei Umzug nicht gegeben ist.

Wie sollte vorgegangen werden?

Liegt einer der oben genannten Gründe vor, kann mit den jeweiligen Gerichtsurteilen argumentiert werden. Etablierte Studios sind auch über die Rechtslage hinreichend informiert, selbst wenn sie im ersten Schritt eine außerordentliche Kündigung ablehnen. Die Kündigung sollte schriftlich und einer kurzen Frist eingereicht werden. Auch die Begründung sollte ausführlich und mit Verweis auf die Rechtsprechung erklärt werden. Bitten sie den Betreiber um eine schriftliche Bestätigung.

In aller Regel sollte die außerordentliche Kündigung damit angenommen werden sollen. Lenkt der Betreiber des Fitnessstudios nicht ein, kontaktieren sie einen Anwalt, wenn sie sicher des Vorliegens eines wichtigen Grundes sicher sind. Dieser kann dann alle weiteren Schritte einleiten und holt auch zu Unrecht eingezogene Beträge zurück, welche nach ihrer wirksamen außerordentlichen Kündigung einzogen wurden.

Kündigung des Fitnessstudios ohne wichtigen Grund?

Ein Widerruf innerhalb der ersten 14-Tage nach Vertragsschluss ist bei Verträgen mit Fitnessstudios in aller Regel nicht möglich, da diese nicht im Wege des Fernabsatzes oder Haustürwiderrufsrechts geschlossen werden. Nach § 309 BGB ist eine Vertragslaufzeit länger als zwei Jahre nicht wirksam. Liegt das vor, ist der Vertrag von vorne herein unwirksam und kann außerordentlich gekündigt werden. Das Amtsgericht in Gießen urteilte hier interessant: Ein Vertrag der Monate vor dem Trainingsbeginn über eine Laufzeit von 24 Monaten geschlossen wurde, ist unwirksam, denn entscheidend ist der Tag der Vertragsunterzeichnung und nicht der Tag des Trainingsbeginns. Wendet man diese Rechtsprechung an können in der Praxis viele Verträge direkt unwirksam sein, denn oftmals wird ein Vertrag vor offiziellen Trainingsbeginn unterzeichnet und gilt dann in der Regel länger als 24 Monate.

Es lohnt sich die Verträge mit Fitnessstudios auf einer dieser Lücken zu überprüfen, wenn man unbedingt vorzeitig aus dem Vertrag ausscheiden möchte.

Quelle: JuraForum.de

Schlagwörter: Kündigung Fitnessstudio, Fitnessstudiovertrag, wichtiger Grund, außerordentliche Kündigung


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