Financial Fairplay im Fußball

Autor: , verfasst am 10.06.2014, 09:02| Jetzt kommentieren

Erst kürzlich mussten Manchester City und Paris St. Germain jeweils eine Strafe in Höhe von jeweils 60 Millionen zahlen. Beide Vereine habe gegen das „Financial Fairplay“ der UEFA verstoßen. Warum ist die UEFA ermächtigt Fußballvereine zu solch hohen Geldstrafen zu verurteilen?

Financial Fairplay (© Bilderstoeckchen - Fotolia)
Financial Fairplay
(© Bilderstoeckchen - Fotolia)

Das Ziel von Financial Fairplay (FFP) ist es, dass die europäischen Vereine nicht mehr über ihre Verhältnisse leben und sich dadurch Wettbewerbsvorteile verschaffen. Gewährleistet wird der Grundsatz durch sportliche, infrastrukturelle, rechtliche und finanzielle Kriterien, die von den verschiedenen Klubs erfüllt werden müssen.

Das FFP-Reglement gibt es schon seit 2010 und ist der Nachfolger des vorherigen Klublinzensierungsverfahren 1.0 und 2.0. Das neue Reglement enthält insbesondere neue finanzielle Grundsätze, was hinsichtlich der steigenden Verschuldung der Vereine nötig wurde.

Finanzielle Grundregel

Die Klubs müssen darauf achten, dass sie in den letzten drei Jahren ein Gleichgewicht zwischen relevanten Einnahmen und Ausgaben einhalten. Mehrausgaben bis 45 Millionen Euro dürfen momentan als Übergang durch private Geldgeber oder Investoren ausgeglichen werden.

Ein Verstoß gegen diese Regel wird von der UEFA sanktioniert, welche vorher von den dem Verband zugehörigen Vereinen legitimiert wurde.

Verstoß von Paris und ManCity

ManCity und Paris verstießen beide durch ihre extrem hohen Transferausgaben gegen die Grundsätze der UEFA. Die Vorgaben der UEFA hinsichtlich der Bilanz der letzten drei Jahre wurde nicht eingehalten. Insbesondere Transfers wie Ibrahimovic, Cavani, Silva bei Paris oder Dzeko, Touré und Aguero bei ManCity sprengten die eigentlichen Budgets der Vereine.

Mögliche Strafen, Beurteilung der UEFA

Die UEFA kann bei Verstößen gegen das FFP-Reglement verschiedene Sanktionen verhängen: Geldstrafen, Punktabzug, Beschränkung des Kaders für europäische Wettbewerbe, Ausschluss aus laufenden oder künftigen Wettbewerben und die Aberkennung von Titeln und Auszeichnungen.

In Anbetracht der Strafen sind insbesondere Vereine betroffen, welche durch reiche Privatpersonen finanziell unterstützt werden. Auch Scheinzahlungen bei etwaigen Sponsorenverträgen werden durch die UEFA selbst beurteilt. So ist es beispielsweise kaum mehr möglich 200 Millionen Euro als Reisebüro aus Katar für eine Bandenwerbung zu bezahlen, wenn die marktüblichen Summen anderer Sponsorenverträge dies nicht rechtfertigen.

So stellt sich rechtlich natürlich die Frage, wonach die marktübliche Preise zu beurteilen sind. Die UEFA nimmt sich das Recht alle Ausgaben und Einnahmen hinsichtlich des Reglements selbst zu bewerten und einzuschätzen. Insbesondere bei Schätzungen von Vergleichspreisen, welche zur Beurteilung von Sponsorenverträgen maßgeblich sind, lassen viel Spielraum für beide Seiten.

Wie kann sich gerade deshalb ein Verein dagegen wehren?

Die betroffenen Klubs können beim Schiedsgericht der UEFA Einspruch erheben und eine erneute Prüfung erwirken. Dabei besteht jedoch die Gefahr einer härteren Strafe.

Kometenhafte Aufstiege, bei denen Vereine innerhalb von zwei Saisons von den Abstiegsrängen in das Finale der Champions League „aufsteigen“, wird es in der Zukunft weniger zu sehen geben. Darüber hinaus werden auch die Populärtransfers zu Vereinen wie Monaco schwieriger zu verschleiern sein: Der Plan des Financial Fairplay ist es, die sportliche Entwicklung der Vereine in den Vordergrund zu stellen.

Schlagwörter: Financial Fairplay, UEFA Sanktionen


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