Was bedeutet die Zugewinngemeinschaft bei einer Scheidung?

Autor: , verfasst am 09.04.2015, 12:53| Jetzt kommentieren

Als Zugewinngemeinschaft wird jeder gesetzliche Güterstand einer Ehe bezeichnet, der heutzutage am meisten Anwendung findet. Dies liegt überwiegend daran, dass in Fällen, in denen die Eheleute keine Vereinbarungen bezüglich ihres Güterstands getroffen haben, automatisch die Zugewinngemeinschaft eintritt. Während der Ehezeit bleiben die Güter der Ehepartner getrennt; doch was bedeutet die Zugewinngemeinschaft bei einer Scheidung?

Zugewinn (© fotomek - Fotolia.com)
Zugewinn
(© fotomek - Fotolia.com)

Was ist die Zugewinngemeinschaft?

Alle Ehepaare, die nicht per Ehevertrag eine andere Art des Güterstands vereinbart haben, leben im gesetzlichen Güterstand der Zugewinngemeinschaft gemäß § 1363 BGB. Gemäß diesem besteht grundsätzlich kein gemeinsamen Vermögen der Eheleute, sondern jeder bleibt alleiniger Eigentümer seiner Sachen, also jener Gegenstände, die er mit in die Ehe gebracht oder in deren Verlauf erworben hat. Ausnahmen bestehen lediglich in jenen Fällen, in denen sich ein Vermögen auf Wohneigentum bezieht. Kommt es jedoch zu einer Scheidung, so wird jenes Vermögen, welches während der Ehezeit hinzugewonnen worden ist, zu gleichen Teilen auf beide Ehegatten aufgeteilt. Dieses Vermögen wird als „Zugewinn“ bezeichnet.

Zu beachten ist, dass ein derartiger Zugewinnausgleich auch durchgeführt wird, wenn einer der Eheleute stirbt, da die Hälfte des Zugewinns erbschaftssteuerfrei ist.

Vermögensverwaltung in einer Zugewinngemeinschaft

Eheleute, die im Güterstand der Zugewinngemeinschaft leben, verwalten ihr Vermögen gemäß § 1364 BGB jeder für sich alleine. Dabei bestehen allerdings einige gesetzliche Verfügungsverbote, die in den §§ 1365 und 1369 BGB definiert werden. So kann beispielsweise ein Ehegatte über Haushaltsgegenstände, die ihm gehören, nur dann verfügen, wenn der andere Ehepartner einwilligt.

Zugewinnausgleich bei einer Scheidung

Im Falle einer Scheidung kann ein Ehepartner, der mit seinem Ehegatten in einer Zugewinngemeinschaft gelebt hat, die Hälfte des von diesem während der Ehezeit erwirtschafteten Vermögens verlangen. Zu beachten ist, dass nur dieses Vermögen beansprucht werden darf, nicht jedoch jenes, welches bereits bei der Eheschließung vorhanden gewesen ist. Zu dem abzufindenden Vermögen zählen nicht nur Sparguthaben, sondern auch Abfindungen sowie Leistungen aus einer privaten Unfallversicherung.

Der Zugewinnausgleich wird nur auf Antrag durchgeführt. Dieser Antrag muss beim Familiengericht eingereicht werden. Da dies jedoch mit Notar- und Gerichtskosten verbunden ist, ist es ratsam, zu versuchen, ob man den Zugewinnausgleich untereinander regeln kann.

Wenn zwei Ehepartner sich darüber einig sind, dass sie keinen Zugewinnausgleich durchführen möchten, so müssen sie dies nicht tun.

Was ist der Zugewinn? Wie wird er berechnet?

Als Zugewinn wird die Differenz zwischen dem Endvermögen eines Ehepartners bei der Scheidung und dem Anfangsvermögen bei der Heirat bezeichnet. Er kann sich nicht nur darauf beziehen, dass während der Ehezeit Werte angeschafft worden sind, sondern auch, dass Schulden abbezahlt wurden. Hatte der Ehemann zum Zeitpunkt der Hochzeit 1.000,- € Schulden und bei der Trennung 1.000,- € auf dem Sparbuch, so hat er einen Zugewinn von 2.000,- € erzielt. Seine Frau hatte 5.000,- € Anfangsvermögen und 10.000,- € Endvermögen; hat also einen Zugewinn in Höhe von 5.000,- € erzielt.

Gemeinsam haben also die Ehepartner einen Zugewinn von 7.000,- € erzielt, was bedeutet, das jedem von ihnen die Hälfte dieses Betrages zusteht: 3.500,- €. Demzufolge hat die Frau 1.500,- € an ihren Exmann zu zahlen.

Zu beachten ist, dass sich der Ausgleichsanspruch immer auf eine bestimmte Geldsumme bezieht und nicht auf Vermögensgegenstände. Wenn ein Ehemann während der Ehezeit ein Haus gekauft hat, so steht seiner Exfrau die Hälfte dessen Wertes zu. Sie kann jedoch nicht verlangen, dass er ihr als Vermögensausgleich das Haus überlässt.

Fazit: Die Zugewinngemeinschaft bei einer Scheidung bewirkt, dass jeder Ehepartner einen Anspruch auf die Hälfte des Vermögens hat, welches der jeweils andere Partner während der Ehezeit erwirtschaftet hat. Im Zuge eines Zugewinnausgleichs wird dieser Vermögenszuwachs errechnet und jenem des Partners gegenübergestellt.

 

Schlagwörter: Scheidung, Ehevertrag, Zugewinn, Zugewinnausgleich


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