Erbschaft erhalten – was passiert damit bei Scheidung?

Autor: , verfasst am 02.04.2015, 08:11| 1 Kommentar

Treffen Eheleute keine anderweitigen Vereinbarungen, so leben sie während der Ehezeit im gesetzlichen Güterstand der Zugewinngemeinschaft. Gemäß diesem behält jeder Ehepartner Eigentümer seines Vermögens. Kommt es jedoch zur Scheidung, wird gemäß dem Familienrecht ein sogenannter Zugewinnausgleich durchgeführt. Bei diesem wird das Endvermögen, welches ein Ehegatte zum Zeitpunkt der Scheidung hatte, dem Vermögen zu Beginn der Ehe gegenübergestellt. Die daraus resultierend Differenz ergibt den Zugewinn. Danach werden die Zugewinne beider Eheleute einander gegenübergestellt, und derjenige, der mehr Gewinn erzielt hat, muss die Hälfte dessen an seinen Expartner abgeben. Zu diesen Vermögenswerten zählen nicht nur Bankguthaben, sondern auch Einnahmen durch Lottogewinne, Unfallversicherungen und ähnliches.

Erbschaft (© motorradcbr - Fotolia.com)
Erbschaft
(© motorradcbr - Fotolia.com)

Doch was ist in Fällen, in denen einer der Ehepartner während des Bestehens der Ehe eine Erbschaft erhalten hat? Was passiert damit bei der Scheidung?

Einnahmen durch Erbschaft

Hat jetzt einer der Ehepartner während der Ehezeit eine Erbschaft gemacht, so ist seinerseits zu befürchten, dass dieses ebenfalls zum Endvermögen hinzugezählt wird, so dass sich ein Zugewinn ergeben wird, der geteilt werden muss. Für Erbschaften sieht das Gesetz Sonderregelungen vor: gemäß § 1374 Abs. 2 BGB sollen Vermögenswerte, die einem Ehepartner von einem Dritten aus persönlichen Gründen zugewendet worden sind, nicht in den Zugewinnausgleich einbezogen werden. Damit dies technisch umgesetzt werden kann, werden die geerbten Vermögenswerte einfach dem Anfangsvermögen des betreffenden Ehegatten zugeordnet.

Derartige Regelungen werden als „privilegierter Erwerb“ bezeichnet und gelten für sämtliche Vermögenswerte, die ein Ehepartner durch ein Testament, aufgrund der gesetzlichen Erbfolge oder als Pflichtteil im Erbrecht hinterlassen worden sind.

Was ist bei Erbschaften im Zuge der Scheidung zu beachten?

Indirekt kann es jedoch dennoch dazu kommen, dass ein Ehegatte etwas von der Erbschaft seines Ehepartners abbekommt: wenn jemand aus einem geerbten Vermögensgegenstand Einnahmen oder Gewinne erzielt, so zählen diese wiederum als Vermögen, welches relevant für den Zugewinnausgleich ist. Hat also jemand ein Haus geerbt und lässt dieses leer stehen, so wird der Vermögenswert des Hauses zu dem Anfangsbestand des Vermögens des Erben hinzugerechnet. Einnahmen werden nicht erzielt, so dass die Erbschaft irrelevant für den Zugewinn ist. Ist dieses Haus jedoch vermietet, so werden die Mieteinnahmen zum Endvermögen des erbenden Ehegatten hinzugerechnet.

Dasselbe gilt in jenen Fällen, in denen ein Ehegatte einen Geldbetrag erbt und dieses zinsbringend anlegt: das Geld selbst bleibt unberührt, jedoch die daraus resultierenden Zinseinkünfte werden als Zugewinn angesehen. Demzufolge hat der andere Ehegatte im Zuge des Zugewinnausgleichs einen Anspruch auf die Hälfte dieser Einkünfte.

Fazit: Im Gegensatz zu anderen Einkünften während der Ehezeit unterliegen Erbschaften, die währenddessen gemacht worden sind, nicht dem Zugewinnausgleich. Es kann jedoch möglich sein, dass der andere Ehepartner zwar keinen Anspruch auf das Erbe, jedoch aus daraus resultierenden Gewinnen beziehungsweise Einnahmen haben kann. Diese wiederum sind ausgleichspflichtig.

Schlagwörter: scheidung, erbschaft

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Bisherige Kommentare zum Ratgeber (1)

dave_o  (06.09.2016 07:21 Uhr):
Bezüglich des erhaltenen Erbes hätte ich eine Frage: Wenn das Erbe erhalten wurde VOR der Eheschließung und zum Zwecke einer Hausanschaffung genutzt wurde, das Haus jedoch auf beide Ehepartner geschrieben ist. Wie wird dann bei Eheschließung NACH dem Hauskauf der Anfangswert festgesetzt für den Erben festgesetzt? Inklusive des Erbes oder Exklusive da es in das Haus eingeflossen ist, welches beiden Ehepartnern zu 50% gehört? Besten Dank vorab für eure Hilfe




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