Einvernehmliche Scheidung ohne Anwalts- und Gerichtskosten möglich?

Autor: , verfasst am 15.07.2016, 12:16| Jetzt kommentieren

Eine Scheidung an sich ist in aller Regel bereits eine unschöne Angelegenheit. Ein Scheidungsverfahren kann darüber hinaus aber auch sehr teuer werden, insbesondere wenn ein Scheidungsstreit herrscht. Möchten sich die Ehegatten aber einvernehmlich scheiden lassen, stellt sich schnell die Frage, ob dies auch ohne (hohe) Anwalts- und Gerichtskosten möglich ist. Wie man diese Scheidungskosten niedrig halten kann und was es des Weiteren zur Scheidung zu wissen gibt, erfahren Sie hier:
 

Einvernehmliche Scheidung ohne Scheidungskosten möglich? (© Gina Sander - Fotolia.com)
Einvernehmliche Scheidung ohne Scheidungskosten möglich?
(© Gina Sander - Fotolia.com)

Wann ist eine Scheidung überhaupt möglich?

Eine Scheidung ist gem. § 1565 Absatz 1 BGB [Bürgerliches Gesetzbuch] nur dann möglich, wenn die Ehe gescheitert ist. Die Ehe ist gescheitert, wenn die Lebensgemeinschaft der Ehegatten nicht mehr besteht und nicht erwartet werden kann, dass die Ehegatten sie wiederherstellen. Nach § 1566 BGB wird ein Scheitern aber dann unwiderlegbar vermutet, wenn die Ehegatten entweder seit einem Jahr getrennt leben und beide Ehegatten die Scheidung beantragen oder der Antragsgegner der Scheidung zustimmt oder die Ehegatten seit drei Jahren getrennt leben. Nach § 1567 Absatz 1 BGB leben die Ehegatten dann getrennt, wenn zwischen ihnen keine häusliche Gemeinschaft besteht und ein Ehegatte sie erkennbar nicht herstellen will, weil er die eheliche Lebensgemeinschaft ablehnt. Die häusliche Gemeinschaft besteht aber auch dann nicht mehr, wenn die Ehegatten innerhalb der ehelichen Wohnung getrennt leben.
 

Wann ist eine einvernehmliche Scheidung möglich?

Eine einvernehmliche Scheidung ist gem. §§ 1565 Absatz 1, 1566 Absatz 1 BGB dann möglich, wenn eine einjährige Trennungszeit gegeben ist. Der Scheidungsantrag beim Familiengericht kann aber auch erst kurz vor Ablauf des Trennungsjahres eingereicht werden.
Weitere Voraussetzungen für eine einvernehmliche Scheidung sind, dass die Ehegatten die folgenden Punkte einvernehmlich geregelt haben:

Die Ehegatten müssen gem. § 133 FamFG [Gesetz über das Verfahren in Familiensachen und in den Angelegenheiten der freiwilligen Gerichtsbarkeit] im Scheidungsantrag lediglich erklären, dass diese Punkte geregelt sind. Das Gericht muss also hier nicht gesondert prüfen. Etwas anderes gilt nur dann, wenn die Scheidung nicht einvernehmlich ist. In diesen Fällen kann das Familiengericht Zeugen vernehmen oder andere Beweismittel heranziehen.
 

Welche Kosten sind zu erwarten?

Eine Scheidung ist gem. § 1564 BGB nur durch richterliche Entscheidung möglich und gem. § 114 FamFG ohne Anwalt nicht möglich, selbst wenn die Scheidung einvernehmlich ist. Dennoch sind die Verfahrenskosten bei einer einverständlichen Scheidung stets günstiger als bei einer streitiger Scheidung:

  • Anwaltskosten:
    Reicht der von einem Ehegatten beauftrage Rechtsanwalt die Scheidung ein, braucht der andere Ehegatte dem Scheidungsantrag lediglich zuzustimmen. Dafür wird ein Anwalt gem. § 114 Absatz 4 Nr. 3 FamFG nicht benötigt. Folglich entfallen die entsprechenden Kosten für einen zweiten Rechtsanwalt und die die scheidungswilligen Eheleute können sich die Kosten für den benötigten Anwalt teilen.
     
  • Gerichtskosten:
    Darüber hinaus fallen die Gerichtskosten geringer aus, wenn das Gericht weder Gutachter bestellen noch Zeugen vernehmen muss. Dies fördert zusätzlich die Schnelligkeit des Prozesses und ist damit ein weiterer Vorteil einer einvernehmlichen Scheidung.


Die Höhe der Scheidungskosten kann jedoch nicht pauschal angegeben werden, da sich diese Kosten nach dem Streitwert bzw. Gegenstandswert der Scheidung richten. Der Streitwert einer Scheidung ergibt sich in aller Regel aus folgenden Faktoren:

  • Anzahl der unterhaltsberechtigten Kinder
  • Nettoeinkommen der Ehepartner
  • Vermögen der Ehegatten
  • Versorgungsausgleich

Die einzelnen Scheidungskosten können sodann mithilfe des Streit- bzw. Gegenstandswertes aus den entsprechenden Gebührentabellen abgelesen werden: § 34 GKG [Gerichtskostengesetz] für die Gerichtskosten und § 13 RVG [Rechtsanwaltsvergütungsgesetz] für die Anwaltskosten. In der Regel gilt jedoch ein Mindestgegenstandswert i.H.v. 2.000 Euro.
 

Kann eine (einvernehmliche) Scheidung ausnahmsweise nicht aber doch kostenlos sein?

Es gibt einen Ausnahmefall, in dem die gesamte (einvernehmliche) Scheidung kostenlos sein kann. Steht nämlich einem Ehegatten aufgrund seiner geringen Vermögensverhältnisse ein Anspruch auf Verfahrenskostenhilfe zu und beauftragt dieser Ehegatten den Anwalt, so werden die Anwaltsgebühren (und auch die Gerichtskosten) grundsätzlich vollständig vom Staat übernommen.


Quelle: Sebastian Klingenberg, ref. iur.

Schlagwörter: Scheidung, einvernehmlich, Anwaltskosten, Gerichtskosten, Scheidungsverfahrenskosten, Scheidungskosten, Trennung, gescheiterte Ehe, Getrenntleben, Verfahrenskostenhilfe


Nachrichten zum Thema
  • BildVerjährungspanne eines Anwalts verjährt nicht sofort (24.10.2012, 15:07)
    Bremen (jur). Ein Rechtsanwalt, der einen Mandanten pflichtwidrig nicht auf drohende Verjährung hingewiesen hat, kann sich später nicht einfach seinerseits auf Verjährung berufen. Für Regressforderungen des Mandanten beginnt die dreijährige...
  • BildScheidung im Universum (09.05.2012, 16:10)
    Astrophysiker berechnen, wie Doppelsterne ihre Partner verlieren und zu Einzelsternen werdenNicht alle Sterne sind Einzelgänger - viele sind in Sternhaufen durch die Anziehungskraft aneinander gebunden. Ein Großteil der Sterne führt einen Partner...
  • BildWINHELLER Rechtsanwälte in internationales Anwalts-Netzwerk aufgenommen (13.07.2010, 15:34)
    Frankfurt am Main, 12.07.2010. Die Kanzlei WINHELLER Rechtsanwälte ist neues Mitglied der International Society of Primerus Law Firms, einer weltweiten Allianz unabhängiger mittelständischer Top-Anwaltskanzleien. The International Society of...
  • Bild„Scheidung light“ muss kommen (05.07.2007, 20:33)
    Bundesrat verhandelt morgen über die FGG-/Familienverfahrensreform Der Bundesrat verhandelt morgen über den Antrag Berlins, künftig Scheidungsverfahren einfacher, flexibler und kostengünstiger auszugestalten. Der bisher unter dem Stichwort...
  • BildBVerfG: Verfassungsbeschwerde des Anwalts von El Masri gegen Telefonüberwachung ... (17.05.2007, 16:32)
    Verfassungsbeschwerde des Anwalts von El Masri gegen Telefonüberwachung erfolgreich Der Beschwerdeführer ist anwaltlicher Vertreter des von Dezember 2003 bis Mai 2004 – mutmaßlich von Geheimdienstkreisen – entführten Khaled El Masri. Im Januar...
  • BildNach der Scheidung krankenversichert? (05.11.2004, 18:21)
    Es ist immer wieder festzustellen, dass in Scheidungsauseinandersetzungen die Beteiligten über die wichtigen rechtlichen Konsequenzen nicht im Bilde sind. Ein zu wenig beachteter, aber immens wichtiger Bereich ist der der Krankenversicherung....

Kommentar schreiben

53 - Ei. ns =

Bisherige Kommentare zum Ratgeber (0)

(Keine Kommentare vorhanden)





Weitere Scheidung-Ratgeber


Anwalt für Scheidung

Weitere Orte finden Sie unter

JuraForum-Suche

Durchsuchen Sie hier JuraForum.de nach bestimmten Begriffen:

© 2003-2017 JuraForum.de — Alle Rechte vorbehalten. Keine Vervielfältigung, Verbreitung oder Nutzung für kommerzielle Zwecke.