Steinschlag durch Rasenmäher – Anspruch auf Schadensersatz?

Autor: , verfasst am 13.05.2014, 10:27| Jetzt kommentieren

Der Sommer rückt in großen Schritten näher und die Gartenarbeit wird wieder mehr. Rasenmähen gehört für jeden Gartenbesitzer zu den regelmäßigen Aufgaben. Woran man während des Betriebs des Rasenmähers wohl seltener denkt sind mögliche Schäden die hierbei entstehen können. Schnell wird durch eine kleine Unachtsamkeit der Gartenschlauch übergemäht und beschädigt. Auch denkbar sind im Rasen versteckte kleine Steine, die aufgewirbelt werden und herumstehende Gegenstände treffen können. Geht es um den Lack von Nachbars Pkw spricht man sogar von nicht unerheblichen Summen.

Rasenmäher (© PhotographyByMK - Fotolia.com)
Rasenmäher
(© PhotographyByMK - Fotolia.com)

Müssen Lackschäden, die durch aufgewirbelte Steine beim Rasenmähen angerichtet werden beseitigt werden?

Frage nach der Verkehrssicherungspflicht

Grundsätzlich möchte man meinen, dass derjenige, der einen Schaden verursacht, und sei es durch das Rasenmähen, diesen zu begleichen hat. In der Praxis würde dies aber weitreichende Konsequenzen nach sich ziehen. Denn ein Schadensersatzanspruch entsteht konkret erst dann, wenn den Schädiger ein Verschulden trifft. Verschulden meint im bürgerlichen Recht entweder das vorsätzliche oder das fahrlässige Begehen der Verletzungshandlung.

Geht man davon aus, dass die rasenmähende Person es nicht böswillig auf den Lack des Pkws abgesehen hat, muss also zumindest Fahrlässigkeit angenommen werden können. Fahrlässig handelt, wer die im Verkehr erforderliche Sorgfalt außer Acht lässt.

Und hier ist der Knackpunkt: Wer ohne böse Absichten seine Rasenfläche auf eine angenehme Länge stutzen will, denkt nicht an möglicherweise herumliegende Steine, die er beim Überfahren aufwirbeln könnte. Kann hierin bereits ein außer-Acht-lassen der Sorgfaltspflicht gesehen werden? Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass man vor dem Rasenmähen die Rasenfläche nach flugfähigen Objekten wie Steinen absuchen müsste.

Mit dieser simplen aber im Alltag möglicherweise doch so relevanten Frage hatte sich jetzt das Amtsgericht Hamburg-Harburg auseinanderzusetzen. Im vor Gericht streitigen Sachverhalt ging es um die Beschädigung eines Pkw auf dem Gelände eines Campingplatzes durch einen Hobbygärtner.

Verkehrssicherungspflicht - Pflicht zur Kontrolle der Rasenfläche?

Im angesprochenen Fall stand dem Pkw-Besitzer kein Anspruch auf Schadensersatz zu. Dem Beklagten konnte nämlich keine Verletzung einer Verkehrssicherungspflicht vorgeworfen werden. Das Gericht war lediglich der Ansicht dass der Hobbygärtner zwar die Rasenfläche auf Steine und sonstige gefährliche Gegenstände absuchen muss. Dieser war der Beklagte in diesem Fall jedoch auch nachgekommen. Aus dem Urteil geht hervor, dass ein zumindest oberflächliches Absuchen ausreichen muss, um sich nicht schadensersatzpflichtig zu machen. Jeden Quadratzentimeter haarklein auf Steine abzusuchen ist aber wohl nicht notwendig und kann zumindest von einem Hobbygärtner nicht verlangt werden.

Schlagwörter: Steinschlag, Steinschlag Schadensersatz, Rasenmäher Schadensersatz


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