Vorgehen bei Flugverspätungen

Autor: , verfasst am 29.07.2014, 07:04| Jetzt kommentieren

Der Flug kommt zu spät, der Anschlussflug wird verpasst: Flugverspätungen haben häufig weitreichende Folgen. Gerade für Personen, die häufig geschäftlich unterwegs sind und an feste Termine gebunden sind, kann die Verspätung eines Fluges den Unmut der Beteiligten deutlich erhöhen. Geltendes EU-Recht verspricht den Betroffenen zumindest finanziellen Trost in Form von Entschädigungen.

Flugverspätung (© Andreas Imhof-Fotolia.com)
Flugverspätung
(© Andreas Imhof-Fotolia.com)

Die EU-Verordnung 261/2004 reguliert die Fluggastrechte und im Detail, wann und unter welchen Umständen ein Anspruch auf Entschädigung greift.

Die Pflichten der Airline nach der EU-Verordnung

Die EU-Verordnung für Fluggastrechte gilt seit 2005 und ist einschlägig für alle Passagiere, deren Airline innerhalb der EU startet oder landet. Dabei gilt dieses Recht auch für Flüge aus Drittstaaten, wenn die Airline innerhalb der EU einen Sitz hat.

Verpflichtet wird die Airline, den betroffenen Kunden kostenlose Getränke und Snacks zur Verfügung zu stellen und bei längerer Wartezeit auch ein Hotel sowie den Transfer zu organisieren und zu bezahlen.

Ab wann kann eine Entschädigung geltend gemacht werden?

Rechtlich wird eine Verspätung ab drei Stunden mit einem Flugausfall gleichgesetzt. In diesem Fall können Passagiere einen Anspruch auf finanzielle Entschädigung geltend machen. Natürlich setzt eine Geltendmachung des Anspruches auf Entschädigung bei einer Flugverspätung voraus, dass sie als Passagier vorher rechtzeitig am Gate erschienen sind und auch ein gültiges Ticket für den ausgefallenen Flug besitzen.

Neben den Voraussetzungen des Erfüllens der eigenen Pflicht müssen noch andere Umstände vorliegen damit das Recht auf Entschädigung greift: Grundsätzlich muss die Airline die Verspätung des Fluges zu vertreten haben. Dabei gilt, dass die Airline für technische Defekte, Überbuchungen oder anderen selbstverursachten Verspätung immer selbst die Verantwortung trägt. Dem gegenüber liegt bei politischen Ereignissen wie z.B. Streiks oder unvorhersehbaren Wetterereignissen wie z.B. der Ausbruch eines Vulkans kein Verschulden der Airline vor, wodurch ein Anspruch auf Entschädigung im Regelfall nicht greift.

Schlechte Witterungsverhältnisse aufgrund der Jahreszeit (z.B. Wintereinbruch) führen nicht automatisch dazu, dass ein Anspruch nicht einschlägig ist: So lange die Airline sich mit vernünftiger Vorbereitung darauf einstellen konnte, kann auch in diesen Fällen ein Anspruch auf Entschädigung geltend gemacht werden.

Geltendmachung durch Ausfüllen eines Formulars der EU

Suchen sie direkt im Internet nach dem EU-Formular für Entschädigungen bei Flugverspätungen und füllen sie dieses aus. Nachdem sie eine Kopie davon gemacht haben, sollten sie es direkt an die Airline versenden. Durch die einheitliche Regulierung sollten sie ihre Entschädigung zügig erhalten, ansonsten sollten sie sich an die Verbraucherzentralen oder an einen Anwalt wenden.

Höhe der Entschädigung bei Flugverspätung

Als Berechnungsgrundlage gilt die Länge der Flugstrecke, hier gilt der gesamte Flug inkl. evtl. nicht erreichter Anschlussflüge.

  • Flug bis 1.500 km, maximale Entschädigung: 250,00 €

  • Flug zwischen 1.500 km und 3.000 km, maximale Entschädigung: 400,00 €

  • Flug mit einer Flugstrecke von über 3.500 km, maximale Entschädigung: 600,00 €

    Bei einer Flugverspätung von mehr als fünf Stunden kann ggf. ein Teil des Ticketpreises zurückverlangt werden. Auch der Rücktritt vom Kaufvertrag wurde durch ein Gericht in einem solchen Fall schon bejaht, wodurch der Fluggast den vollen Preis ersetzt bekam.

Schlagwörter: Flugverspätung, Entschädigung Flugverspätung


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