Wie gründet man einen Reitverein?

Autor: , verfasst am 10.07.2017, 11:10| Jetzt kommentieren

Für viele Reiter stellt sich früher oder später die Frage, Mitglied in einem Reitverein zu werden. Hier kann man Teil einer Gemeinschaft werden und auf viele Gleichgesinnte treffen, die die Leidenschaft für Pferd und Reiten teilen. Manch einer geht sogar so weit zu überlegen, ob nicht vielleicht sogar ein eigener Reitverein gegründet werden kann. Schließlich hat man beste Freunde, die meist ebenso reitbegeistert sind wie man selbst. Da würde es doch nahe liegen, einfach gemeinsam einen Reitverein auf die Beine zu stellen. Was dabei zu beachten ist, soll hier erklärt werden.

Verein (© thomas-reimer - Fotolia)
Verein
(© thomas-reimer - Fotolia)

 

Was bringt ein Reitverein?

Unter einem Reitverein versteht man den auf Dauer angelegten Zusammenschluss mehrerer Personen (mindestens sieben, wenn der Verein ins Vereinsregister eingetragen werden soll). Der Zusammenschluss beruht auf dem Zwecke, die gemeinsamen Interessen am Pferde- und Reitsport zu pflegen. Der Reitverein sollte zudem über eine eigene Satzung verfügen.

Wer Mitglied in einem Reitverein werden möchte, muss hierzu üblicherweise einen Aufnahmeantrag stellen. Der Reitverein erhebt von seinen Mitgliedern einen jährlichen Beitrag. Kinder und Jugendliche kommen dabei meist besonders günstig weg. Der Vereinsbetrag wird zur Deckung der Verwaltungskosten genutzt und liegt daher meist im niedrigen zweistelligen Bereich.

Wichtig: Wer im Verein noch Reitunterricht, Voltigierstunden oder andere Angebote in Anspruch nehmen möchte, muss diese extra bezahlen. Reitstunden sind also im Mitgliedsbeitrag nicht enthalten! Mitglieder des Reitvereins genießen jedoch in diesem Fall üblicherweise günstigere Vorzugspreise.

Mitglied in einem Reitverein zu werden hat jedoch nicht nur den Vorteil, unter Gleichgesinnten zu sein. Viele Reitturniere, die mit der Deutschen Reiterlichen Vereinigung organisiert werden, setzen von ihren Teilnehmer eine Mitgliedschaft in einem Reitverein voraus. Für Turnierreiter ab Kategorie B wird eine Stamm-Mitgliedschaft in einem Reitverein als Pflicht vorausgesetzt. Je nach Reitverein, kann es weitere Vorzüge für die Mitglieder geben, zum Beispiel bestimmte Weiterbildungsmöglichkeiten oder Kursangebote.

Gut zu wissen: Deutschlandweit gelten einheitliche Turnierstandards, da die Reitvereine hierzulande ihrerseits Mitglied der Deutschen Reiterlichen Vereinigung sind und sich somit alle an die gleichen Vorgaben halten.

 

Einen eigenen Reitverein gründen

Wer nun beabsichtigt, selbst einen Reitverein zu gründen, dem ist dies prinzipiell möglich. Denn Art. 9 Absatz 1 GG besagt eindeutig: „Alle Deutschen haben das Recht, Vereine und Gesellschaften zu bilden.“ Entsprechende Regelungen rund um den Verein, sind in den §§ 21 bis 79 BGB zu finden.

 

So läuft die Gründung eines Reitvereins ab

Wer einen eingetragenen Verein (e.V.) gründen will, braucht mindestens sieben Mitglieder. Dies gibt § 56 BGB vor, dort heißt es: „Die Eintragung soll nur erfolgen, wenn die Zahl der Mitglieder mindestens sieben beträgt.“

Zunächst muss eine Satzung erstellt werden, welche die wichtigsten Regelungen für die Zusammenarbeit im Verein enthält.

Tipp: Es ist davon abzuraten, Vereinssatzungen einfach aus dem Netz zu kopieren und sie von anderen Vereinen zu übernehmen. Eine Vereinssatzung sollte nicht nur alle wesentlichen Regelungspunkte umfassen, sondern auch auf die individuellen Besonderheiten eines jeden Vereins eingehen. Wer seine Satzung aus verschiedenen Vorlagen zusammensetzt, riskiert auch, dass diese am Ende widersprüchlich ist.

Die Satzung umfasst u.a. folgende Punkte: Vereinsname, Vereinssitz, Vereinszweck, Aus- und Eintritt von Mitgliedern, Mitgliedsbeiträge, oder auch Bildung des Vorstands.

Mittels Vereinsordnungen können auch noch Detailregelungen niedergeschrieben werden.

Im Anschluss muss eine Gründungsversammlung einberufen werden, in deren Rahmen Vereinsgründung und Satzung beschlossen werden und der Vorstand gewählt wird. Für die Gründungsversammlung muss ein Protokoll erstellt werden.

Wird der Verein beim Vereinsregister des Amtsgerichts angemeldet, ist hierfür oftmals eine notarielle Beglaubigung erforderlich.

 

Der Name des Reitvereins

Für den Reitverein kann ein passender Name gewählt werden. Dieser darf anderen Vereinsnamen im Registerbezirk nicht zu ähnlich sein und auch nicht gegen geltendes Namens- und Markenrecht verstoßen.

 

Vorstand & Mitgliederversammlung

Durch den Vorstand wird der Verein geleitet und nach außen hin vertreten. Eine entsprechende Regelung hierzu findet sich in § 26 BGB. Denn der Verein ist eine Körperschaft, die selbst nicht handlungsfähig ist. Daher bedarf es einer Person als Vorstand, um eine gesetzliche Vertretung des Vereins zu ermöglichen. Aus der Satzung geht hervor, wie sich der Vorstand zusammensetzt. Er muss aus mindestens einer Person bestehen. Es empfiehlt sich jedoch, den Vorstand mit mehreren Personen zu besetzen. Denn sollte das einzige Vorstandsmitglied etwa krank werden oder zurücktreten, würde der Verein handlungsunfähig werden.

Das Hauptorgan des Reitvereins wird durch die Mitgliederversammlung gebildet. Was per Satzung nicht in den Zuständigkeitsbereich des Vorstands fällt, wird per Mitgliederversammlung beschlossen. Damit eine Mitgliederversammlung beschlussfähig ist, muss per Satzungsbestimmung dazu geladen werden. Die Tagesordnungspunkte sind dabei zu nennen.

 

Muss der Verein Steuern zahlen?

Die Meldung ans Finanzamt erfolgt üblicherweise, wenn der Verein ins Vereinsregister eingetragen wird. Wenn durch den Reitverein wirtschaftliche Einkünfte erzielt werden, sind diese natürlich auch zu versteuern. Steuerfrei sind dabei aber Aufnahmegebühren, Beiträge von Mitgliedern und Umlagen. Wenn aber zum Beispiel Essen und Getränke verkauft oder Eintrittsgelder kassiert werden, sind hierfür entsprechend Steuern zu zahlen.

 

Was kostet es, einen Verein zu gründen?

Die Vereinsgründung geht mit Kosten einher, die jedoch durchaus überschaubar sind. So muss der Notar bezahlt werden, um die Vereinsanmeldung zu beglaubigen. Beim Amtsgericht muss für die Eintragung eine Registergebühr entrichtet werden und auch die Bekanntmachung der Eintragung des e.V. wird in Rechnung gestellt. Alles zusammen genommen, entstehen hierdurch Kosten knapp 100 bis ca. 150 Euro Euro.

 

Nicht eingetragener Verein und e.V.

Sowohl e.V. als auch der nicht eingetragene Verein kann gemeinnützig sein. Beim nicht eingetragenen, also nicht rechtsfähigen Verein, haften die Mitglieder persönlich. Einschränkungen können hier in der Satzung niedergeschrieben werden. Im Gegensatz zum e.V. gibt es beim nicht eingetragenen Verein zudem keine Organhaftung. Wer also rechtsgeschäftlich für den Verein tätig wird, haftet auch.

Besonders häufig ist der e.V. anzutreffen. Durch die Eintragung ins Vereinsregister erlangt der Verein Rechtsfähigkeit. Die Großzahl der eingetragenen Vereine hierzulande verfolgt keinen wirtschaftlichen Zweck. Die Vorteile des e.V. sind u.a., dass die Mitglieder nicht für den Verein haften und dieser eine juristische Person ist. Das heißt, der Verein kann selbst klagen, aber auch verklagt werden. Ein Mindestkapital ist nicht notwendig und der Vorstand wird keinen vertraglichen Haftungsrisiken ausgesetzt.

 

Muss ein Reitverein jeden Mitgliederantrag annehmen?

Nein, es besteht kein Recht auf Aufnahme in den Verein. Gerade auch, wenn der Verein in seiner Mitgliederzahl bewusst klein gehalten werden soll, dient ein Aufnahmeverfahren dazu, auch Mitglieder abzulehnen.


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