Reitunfall - Welche Haftung besteht? Gibt es Versicherung?

Autor: , verfasst am 10.07.2017, 11:20| Jetzt kommentieren

Bekanntlich liegt ja das Glück dieser Erde auf dem Rücken der Pferde. Dennoch sind Pferde immer noch Tiere, und noch dazu Fluchttiere, die auch einen unberechenbaren Instinkt besitzen. Scheut oder buckelt das Pferd, weil es sich beispielsweise erschreckt, kann aus einem schönen Reitausflug schnell ein unangenehmes Erlebnis werden. Die Frage ist dann oft, wie es um die Haftung bei Reitunfällen bestimmt ist, bei denen sich der Reiter verletzt. Zudem ist der Reiter auch nicht immer der Halter des Pferdes. Wer ein Pferd besitzt, dieses selbst reitet oder es beispielsweise im Rahmen einer Reitbeteiligung auch anderen zur Verfügung stellt, sollte sich daher im Vorfeld auch ein wenig mit den Haftungsfragen auseinandersetzen.

Versicherungspolice - Tierhaftpflicht (© Pixelot - Fotolia)
Versicherungspolice - Tierhaftpflicht
(© Pixelot - Fotolia)

Die Tierhalterhaftung

Ein wichtiger Paragraph, der die Tierhalterhaftung und damit auch die Haftung eines Pferdehalters konkretisiert, ist im Bürgerlichen Gesetzbuch zu finden. Dort heißt es in § 833:

„Wird durch ein Tier ein Mensch getötet oder der Körper oder die Gesundheit eines Menschen verletzt oder eine Sache beschädigt, so ist derjenige, welcher das Tier hält, verpflichtet, dem Verletzten den daraus entstehenden Schaden zu ersetzen.“

Nun sollte vorab einmal geklärt werden, wer denn nun eigentlich der Tierhalter ist. Da gibt es zum einen den Eigentümer. Dieser kümmert sich aber vielleicht gar nicht selbst täglich um das Tier, sondern lässt es in der Obhut eines Reitstallbetreibers. Dort wiederum gibt es die Reitbeteiligung, die sich mehrmals die Woche um das Tier kümmert. Es können also durchaus mehrere Personen als Tierhalter in Frage kommen. Gesetzlich findet sich keine konkrete Definition des Begriffes. Als Tierhalter gilt aber derjenige, „der im eigenen Interesse die Sorge für das Pferd übernommen hat, an seinem Wohlergehen interessiert ist und das wirtschaftliche Risiko seines Verlustes trägt.“ In den meisten Fällen wird dies also der Halter des Pferdes sein. In einigen Fällen kann aber auch die Reitbeteiligung als Tierhalter in Frage kommen. Hier wäre zu klären, inwieweit diese frei über das Pferd verfügen kann. Weitere Ausnahmen, bei denen nicht der Eigentümer des Pferdes sondern ein anderer als Tierhalter gilt, sind ebenso denkbar, etwa, wenn es einen Aufzüchter gibt oder Reitvereine vereinseigene Pferde besitzen. Letztlich wird es vom Einzelfall abhängig sein, wer genau als Tierhalter anzusehen ist.

Es muss sich eine tierspezifische Gefahr realisieren

Laut Gesetz muss der Schaden „durch“ das Tier entstanden sein, damit eine Haftung eintreten kann. Dies ist beispielsweise der Fall, wenn das Tier bockt, scheut, tritt oder ausschlägt; sprich, sich eben ein unberechenbares, tierisches Verhalten äußert.

Verhält sich das Pferd aber beispielsweise korrekt so wie der Reiter es möchte und der Reiter fällt herunter, weil er etwa das Gleichgewicht nicht halten kann, basiert der Schaden hier eben gerade nicht auf einem unberechenbaren, tierischen Verhalten.

Das Pferd wird als Luxustier angesehen. Die Haftung des Pferdehalters ist deshalb so verzwickt, weil es überhaupt nicht auf ein eigenes Verschulden ankommt. Es spielt allein eine Rolle, dass das Tier einen Schaden verursacht hat. Man selbst als Halter müsste also nicht einmal selbst vor Ort sein, um dennoch für einen Schaden haftbar gemacht werden zu können.

Es muss ein selbstständiges Verhalten des Pferdes vorliegen, das der Reiter nicht beeinflussen kann und das als unberechenbar gilt. Ist das der Fall, hat sich eine spezifische Tiergefahr realisiert und die Haftung des Tierhalters ist zu bejahen.

Wer von seinem eigenen Pferd fällt

Bei Schäden, die sich der Tierhalter durch sein eigenes Pferd zuzieht, hat er selbst aufzukommen. Ausnahmen können bestehen, wenn ein Dritter in den Unfall verwickelt war, den die Schuld trifft. Dies ist zum Beispiel der Fall, wenn Hundehalter ihre Hunde frei herumlaufen lassen, diese bellend auf das Pferd zulaufen, dieses sich erschreckt und den Reiter abwirft.

Reitet der Halter sein eigenes Pferd und es kommt zu einem Unfall, bei dem ein Dritter geschädigt wird, tritt eine Haftung ein, wenn sich das Pferd unberechenbar verhalten hat.

Wer vom fremden Pferd fällt

Hier hat die Rechtsprechung eine Unterscheidung getroffen. Zum einen gibt es die selbstständige Reitbeteiligung, zum anderen Personen, die gelegentlich und unentgeltlich auf dem Pferd reiten.

Bei Dritten, die das Pferd hin und wieder unentgeltlich reiten, muss sich durch ein unberechenbares tierisches Verhalten eine tierspezifische Gefahr realisiert haben, um die Haftung des Tierhalters zu bejahen.

Tipp: Der Pferdehalter kann eine Tierhaftpflichtversicherung mit Fremdreiterrisiko abschließen.

Handelt es sich um eine selbstständige Reitbeteiligung gegen Kostenbeteiligung, wird der Reitbeteiligung in vielen Fällen eine selbstständige Mithaltereigenschaft zugesprochen. Die Reitbeteiligung sollte kostenlos in den Tierhalterhaftpflichtversichungsvertrag aufgenommen werden, damit durch die Reitbeteiligung keine eigenen Schäden geltend gemacht werden können.

Wann wird die Haftung des Tierhalters eingeschränkt?

Es kann durchaus auch Fälle geben, in denen die Haftung des Tierhalters nicht vollends greift. Dies ist u.a. dann der Fall, wenn der Reiter auf eigene Gefahr handelt, er also weiß, dass er sich in eine Gefahrensituation begibt. Oder auch, wenn ein Mitverschulden des Geschädigten zu bejahen ist.

Die Versicherung für Reiter und Pferd

Kommt es zu einem Reitunfall, kann dieser allein schon aufgrund der Fallhöhe nicht unerhebliche Schäden nach sich ziehen. Prellungen sind hier noch das geringste Übel. Im ungünstigsten Fall ist der Geschädigte so schwer verletzt, dass ein Krankenhausaufenthalt nötig wird, eine Reha ansteht und der Geschädigte vorübergehend seiner Erwerbstätigkeit nicht mehr nachgehen kann.

Jeder sollte sich vor Augen halten: Auch beim besten Reiter kann es zu einem Sturz kommen. Daher ist es unverzichtbar, für jedes Pferd eine Tierhalterhaftpflichtversicherung abzuschließen. In dieser kann das Fremdreiterrisiko mitversichert werden.

Hinweis: Der Versicherungsnehmer selbst hat keine Ansprüche aus seiner Versicherung.

Sinnvoll kann es auch sein, eine Unfallversicherung abzuschließen, die auch weitreichende Unfallfolgen abdeckt. Auf eine entsprechende Höhe der Versicherungssumme ist dabei zu achten. Bei Unfällen durch ein Pferd, die beispielsweise Invalidität nach sich ziehen, können nämlich schnell sehr hohe Summen zusammenkommen.

Reiter bzw. Pferdehalter sollten sich vor Abschluss der Versicherungen immer genau alle Details durchlesen und in jedem Fall bei Unklarheiten auch nachfragen! Wie steht es beispielsweise um das Reiten ohne Sattel? Ist dieses auch mitversichert? Und was, wenn der Reiter keinen Helm trägt? Kann er dann dennoch einen Schaden geltend machen? Je besser man im Vorfeld informiert ist, umso einfacher behält man den Überblick, sollte es tatsächlich zu einem Schadensfall kommen.


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