Reitlehrer - Welche Ausbildung braucht man und wie lange dauert diese?

Autor: , verfasst am 10.07.2017, 11:02| Jetzt kommentieren

Wer seine Leidenschaft für Pferde entdeckt hat, denkt früher oder später meist einmal darüber nach, vielleicht selbst eine Karriere als Reitlehrer anzustreben. Ein Reitlehrer vereint theoretisches mit praktischem Wissen, er kann das Verhalten der Pferde beurteilen und auch die Fähigkeiten seiner Reitschüler einschätzen. Er hat ein feines Gespür für Pferd und Reiter und kann sowohl Anfängerstunden abhalten, wie auch Dressurunterricht geben.

Schild 223 - Reitschule (© Thomas Reimer  - Fotolia)
Schild 223 - Reitschule
(© Thomas Reimer - Fotolia)

 

Reitlehrer als Ausbildungsberuf

Die Deutsche Reiterliche Vereinigung regelt die Ausbildung zum Reitlehrer. Hierfür gibt es auch eine Ausbildungs- und Prüfungsordnung. Eine bestimmte Schulbildung wird nicht vorausgesetzt. Was zu den Zugangskriterien gehört, sind:

  • Mitgliedschaft in einem Reiterverein
  • Nachweis über einen Erste-Hilfe-Kurs
  • Reiterpass
  • Reitabzeichen

Als Zulassungskriterium kann zudem der Besuch eines Vorbereitungskurses verlangt werden, abhängig vom Ausbildungsniveau auch die Zulassung und Ausbildertätigkeit als Trainer. Vorzulegen ist oft auch ein polizeiliches Führungszeugnis.

Prinzipiell gibt es zwei Möglichkeiten, wie man Reitlehrer werden kann:

  • Indem zuvor eine Ausbildung zum Pferdewirt erworben wird
  • Indem ein entsprechender Trainerschein gemacht wird

Wichtig: Anders als der Pferdewirt, handelt es sich bei der Trainerausbildung nicht um einen anerkannten Ausbildungsberuf.

Daneben sollten natürlich auch bestimmte persönliche Eigenschaften gegeben sein. Hierzu gehören u.a. Geduld, Beobachtungsgabe und der Spaß am Unterrichten unterschiedlichster Reitschüler, ob Anfänger oder fortgeschrittener Reiter. Hierzu gehört auch das nötige Einfühlungsvermögen. Die Liebe zum Pferd sollte selbstverständlich sein. Reitlehrer müssen Gefahrensituationen frühzeitig erkennen können und die Lernfortschritte der Schüler beurteilen.

Wichtig: Um ein guter Reitlehrer zu sein genügt es allein nicht, selbst gut reiten zu können. Man muss auch in der Lage sein, dieses Wissen zu vermitteln, und das immer entsprechend des jeweiligen Niveaus des Reitschülers.

Bei dem Beruf des Reitlehrers handelt es sich um einen Aus- bzw. Weiterbildungsberuf.

Reitlehrer können in Reitställen, Reitvereinen oder Reitschulen arbeiten.

Wichtig: Während der Dauer der Aus- bzw. Weiterbildung wird keine Vergütung gezahlt. Es kann sogar sein, dass zusätzliche Kosten anfallen, zum Beispiel in Form von Prüfungsgebühren.

 

Ausbildung zum Pferdewirt oder Besuch von Kursen

Um sich das Wissen für den Job als Reitlehrer anzueignen, kann eine dreijährige Lehre zum Pferdewirt absolviert werden. Im Rahmen der Ausbildung kann ein individueller Schwerpunkt gewählt werden, z.B. „Pferdezucht und Haltung“ oder auch “Reiten“. Dem Schwerpunkt „Reiten“ zugehörig ist auch die Ausbildung zum Reitlehrer.

Es besteht aber auch die Möglichkeit, statt der dreijährigen Lehre mehrwöchige Kurse zu absolvieren, um sich zum Reitlehrer ausbilden zu lassen.

 

Die Trainerscheine

Während der Ausbildung zum Reitlehrer müssen verschiedene Stufen durchlaufen und Trainingsscheine erworben werden. Ziel ist es, dass die Stufen aufeinander aufbauen und die Fähigkeiten als Reitlehrer so immer weiter verbessert werden.

Einstiegsebene – Trainer C

Aufbauende Ebene – Trainer B

Obere Ebene – Trainer A

Die Lehrgänge zum Erwerb der Trainerscheine werden regelmäßig durch die Deutsche Reiterliche Vereinigung (FN) angeboten. Der Lehrgang dauert 3 Wochen und setzt sich aus 120 Leistungseinheiten zusammen, die jeweils 45 Minuten dauern. Den Abschluss bilden eine theoretische sowie eine praktische Prüfung.

Trainer C:

Bei der Trainer C-Ausbildung handelt es sich um die erste Stufe der Ausbildung. Sie umfasst die Grundausbildung und die Hinführung zum Turnier- und Wettkampfsport. Dabei kann der angehende Trainer durchaus auch eigene Schwerpunkte wählen. Möglich ist die Ausbildung zum Trainer C Basissport oder Trainer C Leistungssport. Auch beide Schwerpunkte können gewählt werden. Damit überhaupt erst mit dem Trainerschein C begonnen werden kann, sollte eine Mitgliedschaft in einem der FN zugehörigen Pferdesportvereine gegeben sein. Zudem wird von den Bewerbern verlangt, dass sie mindestens 18 Jahre alt sind und ein polizeiliches Führungszeugnis sowie den Nachweis über einen Erste-Hilfe-Kurs vorlegen können. Weiterhin müssen ein Reitabzeichen der Klasse 4 und der deutsche Reitpass vorliegen, zudem muss ein Vorbereitungsseminar bei der FN absolviert werden.

Trainer B:

Nachdem der Trainer C erfolgreich abgelegt wurde, kommt der Trainer B als nächste Stufe. Hier wird auf die Kenntnisse des Trainers C aufgebaut. Die bisher gewonnenen Fähigkeiten, Fertigkeiten und Kenntnisse werden vertieft, und zwar entweder allgemein oder in einem gewählten Schwerpunkt.

Trainer A:

Trainer A bildet schließlich die dritte Lizenzstufe. Sie baut auf den Fähigkeiten, Fertigkeiten und Kenntnissen auf, die in den beiden ersten Lizenzstufen gewonnen wurden. Hier erfährt der angehende Trainer u.a., wie sich passende Unterrichts- und Trainingskonzepte erstellen lassen, oder wie Ausbildungs- und Trainingsangebote entwickelt, gesteuert und gestaltet werden.

Tipp: Es können Trainerscheine in verschiedenen Bereichen erworben werden, zum Beispiel Distanzreiten, Voltigieren, Westernreiten oder Fahren.

Innerhalb jeder Stufe gibt es zudem nochmals die Unterteilung in Basis- und Leistungssport.

Wichtig: Der Beruf des Reitlehrers ist nicht geschützt. Das heißt, dass prinzipiell jeder als Reitlehrer arbeiten kann, ob mit oder ohne Ausbildung. Auch ungelernte Kräfte können in der Lage sein, Reitschülern ihr Wissen gut zu vermitteln. Wie wohl man sich letztlich mit seinem Reitlehrer fühlt, ob man das Gefühl hat, dieser geht auf die eigenen Bedürfnisse als Reitschüler ein und hat zugleich einen guten Draht zu seinen Pferden, muss jeder Reitschüler für sich selbst herausfinden bei einem persönlichen Treffen oder einer Probestunde.

Es ist aber für angehende Reitlehrer dennoch wichtig, sich um entsprechende Qualifikationsnachweise zu kümmern. Denn gerade größere Reiteinrichtungen möchten die Qualität ihres Unterrichts sicherstellen und sind daher vor allem an entsprechend ausgebildetem Personal interessiert. Zudem wirken sich entsprechende Qualifikationsnachweise auch positiv auf die Höhe des Gehalts aus.

 

Weiterführende Aufgaben eines Reitlehrers

Hauptsächlich ist es Aufgabe des Reitlehrers Anfängerkurse sowie Kurse für Fortgeschrittene zu geben. Darüber hinaus sind sie auch an der Organisation und der Leitung des Reit- und Schulbetriebs beteiligt, sie kümmern sich um die Durchführung von Ausritten und begleiten auch Teilnehmer zu Reitturnieren. Der Arbeitsalltag von Reitlehrern findet also gleichermaßen in der Reithalle, im Stall, auf dem Dressur- und Reitplatz im Freien und im Gelände statt. Einige der Tätigkeiten werden zudem im Büro verrichtet. Dazu gehören administrative Aufgaben wie das Buchen von Veranstaltungsorten.

Reitlehrer benötigen ein gutes Auge. Beim Beobachten von Reitschülern müssen sie die Fehler und Probleme bei den Reittechniken erkennen können. Zudem ist es ihre Aufgabe, auch die Ausrüstung und Vorräte zu inspizieren und auf ihre Funktionstüchtigkeit hin zu überprüfen. Reitlehrer beteiligen sich auch an den Aufgaben im Stall, beispielsweise das Füttern und Säubern oder beaufsichtigen die Durchführung dieser Aufgaben. Auch Assistenzlehrer werden durch erfahrene Reitlehrer unterrichtet.


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