Ankaufsuntersuchung beim Pferd - wer trägt die Kosten?

Autor: , verfasst am 10.07.2017, 11:05| Jetzt kommentieren

Ist das Traumpferd erst einmal gefunden, wurde besucht und Probe geritten, steht dem Kauf prinzipiell nichts mehr im Wege. Was jedoch in jedem Fall noch erledigt werden sollte, ist die sogenannte Ankaufsuntersuchung (AKU), gerne auch als „Pferde-TÜV“ bezeichnet. Es handelt sich hierbei um eine tierärztliche Untersuchung, um den Gesundheitszustands des Tieres zu beurteilen. Schließlich möchte man auch bei einem Pferd nicht die Katze im Sack kaufen. Zudem kann es auch immer sein, dass selbst der Verkäufer etwaige gesundheitliche Probleme gar nicht kennt. Daher ist der Wunsch nach einer AKU auch kein Ausdruck von Misstrauen, sondern nur das Bestreben danach, sich Klarheit über den Gesundheitszustand des Tieres zu verschaffen. Wer die Kosten für die Ankaufsuntersuchung trägt, das ist reine Verhandlungssache.

Tierärztin mit Pferd (© Budimir Jevtic - Fotolia)
Tierärztin mit Pferd
(© Budimir Jevtic - Fotolia)

 

Eine professionell durchgeführte AKU ist unverzichtbar

Auch als großer Pferdeliebhaber wird man in den meisten Fällen dennoch ein medizinischer Laie sein. Daher wird es dem Käufer im Allgemeinen nicht möglich sein, selbst zu beurteilen, ob das Pferd wirklich zu 100 Prozent gesund ist. Während man ein Lahmen noch selbst feststellen kann, sieht es beispielsweise bei der Herz- und Lungenfunktion schon anders aus. Damit man nicht später feststellt, dass man ein krankes Tier erworben hat, für das hohe Tierarztkosten fällig werden, sollte man in Sachen Gesundheits-Check nichts dem Zufall überlassen und einen Tierarzt hinzuziehen, der eine professionelle Ankaufsuntersuchung durchführt.

Eine Ankaufsuntersuchung ist für beide Seiten gleichermaßen sinnvoll. Während der Käufer sich natürlich davor schützen will, ein krankes Tier zu kaufen und für dessen Behandlung aufzukommen, ist der Verkäufer, gerade auch, wenn es sich um einen Züchter handelt, natürlich an seinem guten Ruf interessiert. Mit einer AKU hat der Verkäufer die Sicherheit beweisen zu können, dass er ein gesundes Pferd übergeben hat. Eine AKU ist zudem bei Pferden jeder Preisklasse sinnvoll. Denn auch ein günstiges Pferd kann sich im Nachhinein als sehr teure Investition entpuppen, wenn horrende Tierarztrechnungen folgen.

Tipp: Die Aussagekraft einer AKU steht und fällt mit der Qualität des Tierarztes. In der Praxis kommt es häufiger vor, dass kranke Pferde nicht richtig beurteilt und dementsprechend als unbedenklich eingestuft wurden. Seinen Tierarzt für die AKU sollte man daher mit Bedacht wählen. Gerne kann man hier auch auf die Erfahrungen anderer Pferdefreunde zurückgreifen. Im besten Fall sind später bei der Untersuchung Käufer und Verkäufer anwesend. So gewinnt man einen guten Eindruck, wie sorgfältig der Tierarzt arbeitet, oder ob er beispielsweise nur oberflächliche Abtastungen vornimmt.

 

Die kleine und die große Ankaufsuntersuchung

In der Praxis werden zwei unterschiedliche Arten von Ankaufsuntersuchungen angeboten. Zum einen die kleine Ankaufsuntersuchung, bei der es sich auch um die günstigere Variante handelt. Die Kosten hierfür belaufen sich auf etwa 100 bis 250 Euro. Zur kleinen AKU gehören:

  • Beurteilung des Allgemeinzustandes des Tieres
  • Abhören von Herz und Lunge
  • Kontrolle von Fell, Augen, Haut und Zähnen
  • Messung von Temperatur, Puls und Atemfrequenz
  • Untersuchung von Nervensystem und Kot
  • Abtasten von Rücken und Beinen
  • Überprüfung des Gangs des Pferdes
  • Beugeprobe
Tipp: Unter den Händlern und Züchtern tummeln sich leider auch schwarze Schafe, die auch Geld für verletzte und kranke Tiere bekommen wollen. Damit das Tier dann die Beurteilung durch den Tierarzt besteht, wird es fit gespritzt mit Medikamenten und Schmerzmitteln. Möchte man ganz sichergehen, sollte der Tierarzt daher auch eine Blutuntersuchung durchführen. Schon die Erwähnung einer Blutuntersuchung gegenüber dem Verkäufer zeigt schnell, ob er damit kein Problem hat oder sich in Ausreden versucht.

Daneben gibt es auch noch die große Ankaufsuntersuchung, auch als röntgenologische Ankaufsuntersuchung bezeichnet. Die Kosten fallen entsprechend höher aus und können bei bis zu 1500 Euro liegen. Es ist letztlich die große Ankaufsuntersuchung, die erst eine völlige Sicherheit darüber geben kann, dass man tatsächlich ein gesundes Pferd kauft. Letztlich liegt es jedoch im Ermessen des Käufers, welche Untersuchung er für notwendig hält. Zur großen Ankaufsuntersuchung gehören:

  • Standarduntersuchung
  • Anfertigung von 10 Röntgenaufnahmen von Hufen, Sprunggelenk und Fesselgelenk
  • Zusätzliche Optionen mit weiteren Untersuchungen sind gegen Aufpreis möglich

Die angefertigten Röntgenbilder werden dann durch den Tierarzt beurteilt. Der Röntgenleitfaden wird herangezogen, um die Befunde in vier Klassen zu unterteilen. Klasse I bedeutet dabei, dass keine Auffälligkeiten festgestellt werden konnten. Sehr häufig geht man jedoch von Klasse II aus, da es kaum ein Pferd gibt, bei dem nicht leichte Abweichungen von der Norm festgestellt werden. Erst bei Befunden der Klasse III und IV erfolgt jedoch meist ein Beratungsgespräch mit dem Tierarzt, um sich letztlich für oder gegen den Kauf zu entscheiden.

In welchem Maße Befunde in Kauf genommen werden können und sollten, hängt vor allem auch damit zusammen, zu welchem Zweck man sich das Pferd zulegen möchteSportpferde sollten topfit sein. Wer ein Freizeitpferd sucht, um damit nur im Gelände auszureiten, wird auch mit einem Pferd mit kleineren Befunden glücklich werden können. Wichtig ist allein zu wissen, was das Pferd hat, ob mit Folgeerkrankungen zu rechnen ist und ob Behandlungen nötig sind.

 

Wer zahlt nun die Ankaufsuntersuchung?

Eine wichtige Frage ist natürlich für den Käufer, wer denn nun für die AKU aufzukommen hat. Dies ist letztlich reine Verhandlungssache. Möglich sind viele verschiedene Konstellationen:

  • Der Verkäufer zahlt die Untersuchung komplett
  • Der Käufer zahlt die Untersuchung komplett
  • Käufer und Verkäufer teilen sich die Kosten
  • Der Verkäufer zahlt die Standarduntersuchung, der Käufer übernimmt die Kosten für alles Weitere
  • Der Verkäufer zahlt, wenn das Pferd krank ist / Der Käufer zahlt bei gesundem Pferd

 

Tipps zur Wahl des richtigen Tierarztes

Wie bereits erwähnt, ist es wichtig, einen vertrauensvollen und erfahrenen Tierarzt für die Ankaufsuntersuchung zu wählen. Im besten Fall ist dieser auf die Behandlung von Pferden spezialisiert und hat bereits häufiger entsprechende Ankaufsuntersuchungen durchgeführt. Es sollte ein ordentliches Protokoll angefertigt werden, Kopien der Röntgenbilder sind beizulegen.

Den Auftrag für die AKU sollte der Käufer geben. Dann ist er in der Position, den Tierarzt selbst bestimmen zu können. Es ist davon abzuraten, den Tierarzt zu wählen, mit dem der Verkäufer schon lange zusammenarbeitet, da dieser in seiner Objektivität eingeschränkt sein könnte.

Hat man selbst einen Tierarzt seines Vertrauens, kann dieser hinzugezogen werden. Es ist auch nicht unüblich, sollte das Tier weiter weg stehen, den Tierarzt zu beauftragen, den Weg auf sich zu nehmen, um dann eine Untersuchung vor Ort vorzunehmen.

Tipp: Der Tierarzt sollte die Haftung für falsche Ergebnisse bei der AKU nicht ausschließen.

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