Wohngemeinschaft: WG aus rechtlicher Sicht

Autor: , verfasst am 19.05.2014, 09:42| Jetzt kommentieren

Besonders für Studenten und Ledige ist die Wohngemeinschaft eine gute Alternative zur Ein-Zimmer-Wohnung, denn neben der Kostenersparnis hat man die Möglichkeit, sich mit seinen Mitbewohnern auszutauschen. Für viele junge Leute, die zum Beginn ihres Studiums in eine neue Stadt kommen, ist die WG daher eine gute Möglichkeit schnell Fuß zu fassen. Allerdings sind bei einer WG einige rechtlichen Besonderheiten zu beachten, die nachfolgend aufgezeigt werden.

Wohngemeinschaft (© Heidi Mehl - Fotolia.com)
Wohngemeinschaft
(© Heidi Mehl - Fotolia.com)

1. Mieterwechsel innerhalb der WG

In fast jeder WG kommt es einmal vor, dass einer der Bewohner die Wohnung verlässt und ein neuer Mitbewohner hinzuziehen möchte. Unterschieden werden muss bei der rechtlichen Einordnung des Mieterwechsels, welche Art von Mietverhältnis zwischen Mieter und Vermieter vorliegt. Hierzu sind drei Szenarien denkbar:

Der einzelne Hauptmieter

Erste Möglichkeit ist, dass eine Person ausschließlich der Hauptmieter ist. Dieser tritt vor dem Vermieter als Vertragspartei auf und ist im Mietvertrag genannt. Der Hauptmieter vermietet sodann die anderen Zimmer der Wohnung an die Mitbewohner mithilfe eines Untermietvertrages weiter.

Mieterwechsel: Da bei Auszug eines Untermieters das Mietverhältnis zwischen dem Vermieter und  Hauptmieter nicht berührt wird, kann sich der Hauptmieter problemlos einen Nachfolger suchen und einen Untermietvertrag schließen.

Die Zweckgemeinschaft

Bei der Zweckgemeinschaft treten die Mieter dem Vermieter gemeinschaftlich gegenüber. Dies geschieht durch Gründung einer Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR). Bei der Zweckgemeinschaft stehen alle Mieter gemeinsam als Vertragspartner des Vermieters im Vertrag.

Mieterwechsel: Da bei Auszug eines Mitbewohners auch die Zweckgemeinschaft, also die GbR, zerbricht, muss der Mietvertrag auf den WG-Nachfolger geändert werden. Dazu ist jedoch die Zustimmung des Vermieters erforderlich.

Die einzelnen Mieter

Zuletzt ist ein Modell denkbar, bei dem jeder der einzelnen WG-Bewohner einen eigenen Mietvertrag mit dem Vermieter eingeht. Hier wird jeder separat Vertragspartner des Wohnungseigentümers.

Mieterwechsel: Hier ist jeder einzelne WG-Bewohner zum Vertragspartner des Vermieters geworden. Damit muss ein neuer Bewohner ebenfalls einen solchen Vertrag mit dem Vermieter aufsetzen, was wiederum dessen Zustimmung bedarf.

2. Haftung der Wohngemeinschaft

Sollte der Fall eintreten, dass Mietzahlungen oder Nebenkostennachzahlungen nicht gezahlt werden, gelten für die drei Modelle ebenfalls unterschiedliche Regelungen.

Der einzelne Hauptmieter

Der Hauptmieter haftet für sämtliche Verbindlichkeiten, die aus dem Mietverhältnis resultieren. Dabei spielt es keine Rolle, ob diese vom Untervermieter verursacht wurden. Allerdings hat der Hauptmieter einen Ausgleichsanspruch gegenüber seinen Untermietern.

Die Zweckgemeinschaft

Da die Bewohner hier zusammen in dem Mietvertrag festgehalten sind, sind sie auch gemeinsam für die Begleichung der Mietzahlungen verantwortlich. Jeder einzelne hat dafür Sorge zu tragen, dass der Vermieter seine Miete erhält. Kann einer der WG-Bewohner die ausstehende Summe nicht aufbringen, sind die anderen zur Zahlung verpflichtet.

Die einzelnen Mieter

Da hier jeder WG-Bewohner seinen eigenen Mietvertrag abgeschlossen hat, ist er auch nur für das verpflichtet, was hier schriftlich festgehalten wurde.

3. Wer muss für die Mietkaution innerhalb einer WG aufkommen?

Der Vermieter besitzt gem. § 551 Abs. 1 BGB das Recht insgesamt bis zu drei Monatsmieten Mietkaution vom Mieter zu verlangen. Fraglich ist jedoch, wer diese Mietkaution innerhalb einer WG zahlen muss. Dies richtet sich nach dem einzelnen Vertragsverhältnis mit dem Vermieter.

Der einzelne Hauptmieter

In dieser Konstellation muss der Vermieter als Einzelmieter eigenständig die vollständige Mietkaution bezahlen. Im Verhältnis zu seinen Untermieter der Mieter jedoch die Möglichkeit, sich ebenfalls eine Mietkaution als Sicherheit zahlen zu lassen.

Die Zweckgemeinschaft

Da die Mieter in einer Zweckgemeinschaft dem Vermieter gemeinschaftlich gegenübertreten,  müssen sie auch gemeinschaftlich für die Mietkaution aufkommen. Sollte ein Mieterdie Kaution nicht zahlen können, so haften die weiteren Mieter gemeinschaftlich für die gesamte Kaution.

Die einzelnen Mieter

Da jeder Mieter mit dem Vermieter einen eigenständigen Mietvertrag besitzt, kann der Vermieter von jedem Mieter die jeweils anteilige Mietkaution verlangen. Sollte ein Mieter die Kaution nicht begleichen ist eine Haftung der anderen Mieter ausgeschlossen.

Weitere Informationen zur Mietkaution finden Sie unter www.immowelt.de.

 

 

Schlagwörter: WG, Mieterwechsel WG, Haftung WG

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