Wer haftet bei Wohnungsschäden durch Hund, Katze & andere Haustiere in einer Mietwohnung?

Autor: , verfasst am 30.06.2016, 10:58| Jetzt kommentieren

Mieter müssen unter Umständen für Schäden aufkommen, die ihre Haustiere in der Mietwohnung angerichtet haben. Wann der Vermieter Schadensersatz verlangen darf, erfahren Sie in dem folgenden Ratgeber.

Haustiere in der Mietwohnung - Hund & Katze beim Trinken (© Monika Wisniewska/ Fotolia.com)
Haustiere in der Mietwohnung - Hund & Katze beim Trinken
(© Monika Wisniewska/ Fotolia.com)

Mieter mit Haustieren müssen aufpassen, ehe sie in eine Mietwohnung ziehen. Zunächst einmal muss geklärt werden, inwieweit Tierhaltung erlaubt ist. Selbst wenn der Vermieter diese ausdrücklich im Mietvertrag gestattet hat, so droht vor allem bei Kündigung des Mietvertrages eine böse Überraschung. Sofern die Mietwohnung Schäden infolge der Tierhaltung erlitten hat, verlangt der Vermieter dafür häufig Schadensersatz.

Keine Haftung bei vertragsgemäßem Gebrauch der Mietwohnung

Ob der Vermieter den Mieter wegen Schäden von seinem Haustier in Anspruch nehmen darf, hängt normalerweise davon ab, ob die damit verbundene Beeinträchtigung der Mietsache etwa durch Kratzspuren oder Beißspuren noch als vertragsgemäßer Gebrauch im Sinne von § 538 BGB anzusehen ist. Denn Vermieter dürfen von ihren Mietern nicht erwarten, dass die Mietwohnung vielleicht noch nach Jahren einen makellosen Eindruck wie frisch renoviert macht. Sie müssen übliche Abnutzungserscheinungen hinnehmen, die gewöhnlich beim Wohnen auftreten. Anders sieht es jedoch aus, wenn durch die Beeinträchtigungen der vertragsgemäße Gebrauch überschritten wird. Hier muss der Mieter mit Schadensersatzforderungen durch seinen Vermieter rechnen.

Vertragswidrige Nutzung einer Mietwohnung durch Kratzer im Parkettboden?

Dass die Abgrenzung von einem vertragsgemäßen Gebrauch zu einer vertragswidrigen Nutzung einer Mietwohnung nicht einfach ist, wird zunächst einmal an dem folgenden Fall deutlich. Ein Mieter war mit seinem Labrador für etwa 11 Monate in eine Mietwohnung gezogen. Der Vermieter war hiermit ausdrücklich einverstanden. Doch nach dem Auszug gab es Ärger. Der Vermieter verlangte Schadensersatz, weil der Parkettboden erhebliche Kratzer aufwies. Diese waren teilweise bis zu 10 cm lang.

Das Amtsgericht Koblenz verneinte mit Urteil vom 20.12.2013 (Az. 162 C 939/13) einen Anspruch auf Schadensersatz des Vermieters. Es begründete das damit, dass die Kratzspuren im Parkettboden durch das normale Laufverhalten des Labradors entstanden sind. Die damit zwangsläufig verbundene Abnutzung, die durch die artgerechte Haltung des Hundes entstanden ist, ist nach Auffassung des Gerichtes als vertragsgemäße Nutzung der Mietsache anzusehen.

Ganz anders sah dies jedoch das Landgericht Koblenz in dem Berufungsverfahren. Es entschied mit Urteil vom 06.05.2014 (Az. 6 S 45/14), dass der Mieter wegen der Kratzspuren im Parkettboden haftet. Die Richter verwiesen darauf, dass der Mieter trotz Erlaubnis des Vermieters zur Haltung des Labradors eine Obhutspflicht gegenüber der Mietwohnung hatte. Im Rahmen dessen müsse er alles ihm Mögliche und Zumutbare unternehmen, um Schäden an der Mietsache zu vermeiden. Dies hatte er nach Einschätzung des Gerichtes jedoch nicht getan. Er hätte sich beispielsweise einen Teppich anschaffen können, um den Laminatboden zu schützen. Oder er hätte seinem Hund Hundesocken anziehen können.

Schadensersatz wegen Beschädigung des Handlaufes durch Katze

In einem anderen Fall ging es um eine Katze, die den Handlauf eines Treppenhauses in einem Miethaus über die gesamte Länge vom 1. bis zum 6. Lauf hoch mit Eindringtiefen von bis zu 2,5 mm erheblich beeinträchtigt hatte. Hierzu entschied das Amtsgericht Schöneberg mit Urteil vom 04.03.2010 (Az. 9 C 308/09), dass der Vermieter seinen Mieter auf 2.918,71 Euro Schadensersatz in Anspruch nehmen darf. Das Gericht führte aus, dass sich durch dieses artgerechte Verhalten die Tiergefahr realisiert hat. Infolge dessen sei kein Verschulden des Mieters erforderlich.

Verunreinigung durch Katzenkot

In einem weiteren Sachverhalt hatte ein Mieter zwei Katzen in einer Mietwohnung gehalten. Nach dem Auszug entdeckte der Vermieter, dass der Boden Beschädigungen durch Katzenurin aufwies. Dabei handelte es sich um zahlreiche Flecken, die intensiv nach Katzenurin rochen. Hierzu entschied das Amtsgericht Bremen mit Urteil vom 22.12.2014 (Az. 19 C 479/13), dass der Mieter an seinen Vermieter wegen der Verunreinigung des Bodens durch Katzenurin 1.340,78 Euro Schadensersatz zahlen muss. Hierfür ist kein Verschulden erforderlich, weil sich durch das Urinieren der Katzen in der Mietwohnung die Tiergefahr verwirklicht hat.

Fazit:

Diese Fälle zeigen, dass die Frage ob hier noch eine vertragsgemäße Nutzung vorliegt, von den Umständen des jeweiligen Einzelfalles abhängig ist. Mieter müssen vor allem dann aufpassen, wenn ein besonders hochwertiger Boden verlegt worden ist und sie den Eintritt von Schäden vermeiden können.

Hierbei muss es sich schon um Beschädigungen handeln, wie etwa auffällige Kratzer und Bisspuren. Leichte Spuren sind eher als gewöhnliche Abnutzungsspuren anzusehen, die durch eine vertragsgemäße Nutzung entstehen. Demgegenüber müssen Mieter bei Beeinträchtigungen an der Mietsache durch Ausscheidungen gewöhnlich von einer Haftung ausscheiden. Mieter müssen ebenfalls vorsichtig sein, wenn der Vermieter ihnen die Haltung beispielsweise ihres Hundes oder ihrer Katze erlaubt hat. Inwieweit sich Mieter auf das artgerechte Verhalten von Tieren berufen können, ist unter den Gerichten mangels höchstrichterlicher Entscheidungen noch nicht abgeklärt. Im Zweifel sollten Sie jedoch hier vorsichtig sein. Denn aus Sicht des Vermieters spielt dies keine Rolle.

Am besten verlegen Sie vor allem zum Schutz eines hochwertigen oder empfindlichen Bodens Teppiche. Dies gilt vor allem für die Räume, in denen sich die Haustiere aufhalten. Am besten prüfen Mieter, ob der Mietvertrag zur Tierhaftung spezielle Regelungen enthält. Diese müssten allerdings daraufhin überprüft werden, ob sie wirksam sind. Die Unwirksamkeit könnte sich bei einem Formularmietvertrag beispielsweise daraus ergeben, dass durch die Klauseln der Mieter unangemessen benachteiligt wird.

Autor: Harald Büring (Juraforum.de)

Schlagwörter: Mietwohnung, Wohnungsschäden, Haftung, Haustiere, Hund, Katze


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