Was kann man bei Lärmbelästigung durch Papageien tun?

Autor: , verfasst am 15.05.2015, 07:09| 1 Kommentar

Was kann man bei Lärmbelästigung durch Papageien tun?

Papageienlärm (© francescodemarco - Fotolia.com)
Papageienlärm
(© francescodemarco - Fotolia.com)

Papageien sind zwar in Deutschland nicht heimisch, jedoch kommen immer mehr Menschen auf die Idee, sich solch einen exotischen Vogel auch in hiesigen Gefilden zu halten. Um ihnen das Dasein so angenehm wie möglich zu gestalten, werden sie mitsamt ihren Käfigen in den Sommermonaten des Öfteren auf den Balkon oder die Terrasse gestellt. Leben diese Personen in einem freistehenden Haus, so wird sich niemand an ihrem Hobby stören. Anders hingegen ist die Situation, wenn ein Papageienliebhaber in einem Gebäude mit mehreren Wohneinheiten wohnt: es kann durchaus passieren, das sich der eine oder andere Nachbar oder Mieter durch die Geräusche, die der Vogel erzeugt, belästigt fühlt. Was kann man bei Lärmbelästigung durch Papageien tun?

Sind Papageien wirklich so laut?

Ja, leider sind sie das. Geräusche, die von Papageien erzeugt werden, können eine Lautstärke von 70db und mehr erreichen. Dies geschieht in der Regel nicht dann, wenn ein Papagei „Lola ist lieb“ oder „Coco hat Hunger“ ruft, sondern wenn er das tut, was derartige Vögel gerne machen: krächzen, pfeifen oder ein lautes Geschrei von sich geben.

Was kann man bei Papageienlärm tun?

Fühlt sich ein Nachbar durch den Lärm, den ein Papagei macht, gestört, so sollte er zunächst mit dessen Halter sprechen und versuchen, eine gütliche Reglung zu finden. Diese kann beispielsweise dahingehend sein, dass der betreffende Vogel nur zu bestimmten Zeiten auf den Balkon oder die Terrasse gebracht wird. Ist dies jedoch nicht möglich, so hilft nur der Gang vors Gericht. Die Zuständigkeit für derartige Fälle liegt bei den Amtsgerichten.

Wie ist die Rechtslage bei Lärmbelästigung durch Papageien?

Die Gerichte urteilen in der Regel zugunsten des Nachbarn, der sich durch die Geräusche des Papageien gestört fühlt. Sein Ruhebedürfnis steht über dem Wunsch nach Tierhaltung, so dass er das Recht auf seiner Seite hat. Die Urteile bestätigen dies.

Urteile zum Thema Lärmbelästigung durch Papageien

Die Haltung eines Papageien im Freien ist nur eingeschränkt gestattet. So urteilte das Amtsgericht Hannover, dass der Halter eines Papageien seinen Vogel nur maximal zwei Stunden täglich in der Außenvoliere halten darf. Mehr wäre den Nachbarn nicht zuzumuten [AG Hannover, 08.05.2009, 16 S 44/08]. Das Landgericht Zwickau maß hingegen dem Ruhebedürfnis des klagenden Nachbarn noch mehr Bedeutung zu: Halter von Papageien dürfen gemäß einem Urteil aus dem Jahre 2001 ihre Vögel nur eine Stunde täglich ins Freie bringen [LG Zwickau, 01.06.2001, 6 S 388/00].

Auch ist ein Aufenthalt im Freien zu bestimmten Zeiten möglich: das Amtsgericht Langen beschloss, dass die Mittagsruhe unbedingt eingehalten werden muss. In der Zeit von 12.00 Uhr bis 15.00 Uhr dürfen somit keine Papageien im Freien sein [AG Langen, 56 C 287/00]. In Nürnberg müssen die Papageienhalter noch mehr Rücksicht auf ihre Umgebung nehmen: ihre Vögel dürfen nur in der Zeit von 09.00 Uhr bis 12.00 Uhr sowie 16.00 Uhr und 17.00 Uhr ins Freie [LG Nürnberg-Fürth, 11 S 8784/96].

Noch schlimmer traf es eine Papageienbesitzerin in Düsseldorf: sie wurde dazu verurteilt, dafür zu sorgen, dass ihr in der Wohnung gehaltener Papagei keinen übermäßigen Lärm macht. Zudem wurde ihr eine Ordnungswidrigkeit vorgeworfen, welche mit einem Bußgeld belegt worden ist. Begründet wurde dies damit, dass der Papagei nur deswegen übertrieben laut ist, weil er ständig alleine gelassen wird. Die Halterin war offensichtlich nicht in der Lage, ihr Tier artgerecht zu halten. Aus diesem Grund wurde sie seitens des Gerichts dazu angehalten, dass ihr Papagei zukünftig nicht so viel alleine bleiben muss und demzufolge auch keine Lärmbelästigung mehr von ihm ausgeht [OLG Düsseldorf, 10.01.1990, 5 Ss (OWI) 476/89 – (OWI)198/99].

Darüber hinaus gibt es die Möglichkeit, seitens des Gerichts die Anzahl der Papageien innerhalb einer Wohnung zu beschränken. Dabei muss zunächst die Frage geklärt werden, wie viele Papageien als ortsüblich angesehen werden. Eine Ansammlung von mehr als 40 exotischer Vögel wird nirgendwo als ortsüblich betrachtet; andere Gerichte hingegen sahen schon acht Papageien als nicht ortsüblich an. Wenn eine derart hohe Anzahl an Papageien in einer Wohnung lebt, hat deren Besitzer dafür Sorge zu tragen, dass von diesen Vögeln keine Lärmbelästigung ausgeht. Ist dies doch der Fall, so kann ihm befohlen werden, die Vogelhaltung einzuschränken. Auch kann sie ihm untersagt werden.

Fazit: Die Lärmbelästigung durch Papageien muss gemäß dem Mietrecht kein Nachbar hinnehmen, da diese Vögel extrem laute Geräusche verursachen. Ist der Vogelhalter nicht willens oder nicht in der Lage, diesen Lärm abzustellen, so kann ein betroffener Nachbar dies per Gericht einfordern.

Schlagwörter: Lärmbelästigung, Papageienlärm, Nachbarstreit

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Bisherige Kommentare zum Ratgeber (1)

Poka  (11.12.2016 18:23 Uhr):
Hallo, ich habe ein ähnliches Problem. Wir sind Mieter einer Wohnung. Unser Nachbar, dessen Haus gegenüber unseres Schlafzimmers liegt, hat seit neustem den Papagei seiner Mutter übernommen. Alles Artgerecht - und verschlossen ist der Papagei im Wintergarten ohne geöffnete Fenster etc. Dieses Tier macht uns wahnsinnig, mich allerdings deutlich stärker als meine Frau. Selvsr bei geschlossenen Fenster höre ich das Tier. Es ist ein leises quitschen, wie das einer ungeölten Tür. Permanent. Meist die ganze Nacht durchegehend. Wir sind mittlerweile schon auf der Suche nach etwas neuem, es gestaltet sich aber sehr schwer was bezahlbares zu finden wo man mit Kind, Hund und Katze unterkommt. Der Nachbar hat zwar Verständnis wird aber nichts ändern da er alles in seiner Macht stehende getan hat. Bzw. der Wintergarten wird im Sommer neu gemacht - Allerdings denke ich nicht das es besser wird. Im Gegenteil. Im Sommer ist es teils unerträglich heiß (70er Jahre Haus, nichts isoliert, wir wohnen direkt unterm Dach) da müssen wir die Fenster auf haben, dann wirds sicher noch lauter trotz besserer Unterbringung des Tiers! Tja, was soll ich denn jetzt machen? Er ist Eigentümer des Hauses, angeblich stört es sonst keinen der Nachbarn und wenn ich eine Messung der Lautstärke im Haus bzw in unserem Schlafzimmer so vornehmen würde, käme wohl nichts großartig lautes dabei rum. Dies Geräusch ist recht leise. Aber wenn man Nachts in Ruhe im Bett liegt und dies hört dann ist das wie ein tropfender Wasserhahn. Wir wohnen direkt an einer stark befahreren Straße. Dies sind aber Geräusche die wir ausblenden können. Aber der Papagei - Das Tier macht mich schier verrückt und ich habe keine Möglichkeit dem zu entgehen. Selbst im Wohnzimmer auf der Couch nehme ich das Tier mittlerweile wahr. Sein Tip war, das ich ja mit Ohrstöpseln schlafen soll. Das ist aber keine Lösung, mal davon ab das wir ein Kind von einem Jahr zu Hause haben und da muss ich das Kind hören wenn was ist! Ich verzweifle da ich seit Wochen und Monaten noch deutlich weniger schlaf bekomme als vorher. Auch wenn ich mich überhaupt nicht rechtlich für ein paar übrige Monate streiten will bin ich fast soweit. Aber werde ich überhaupt Erfolg haben können?




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