Müssen farbige Wände bei Auszug weiß gestrichen werden?

Autor: , verfasst am 23.02.2015, 07:43| Jetzt kommentieren

Farbige Wände werden von immer mehr Mietern dem einheitlichen Weiß vorgezogen: ob leuchtend rot, grün, braun oder knallgelb – der Fantasie und dem eigenen Geschmack sind keine Grenzen gesetzt. Solange ein Mieter in der betreffenden Wohnung wohnt, gibt es keine gesetzlichen Vorgaben, wie er seine Räumlichkeiten zu gestalten hat. Doch was ist, wenn er ausziehen möchte? Darf er die Wandbemalung so lassen? Oder hat er eine neutral weiße Wohnung zu übergeben? Bevor man zum Pinsel und Farbe greift, sollte man sich der Konsequenzen bewusst sein.

Renovieren  (© Majo - Fotolia.com)
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Darf man als Mieter Wände bunt streichen?

Während der Mietzeit dar ein Vermieter seinen Mietern keine Vorschriften bezüglich der Farbe der Wände machen. Dies bedeutet, er kann weder verlangen, dass sie weiß gestrichen werden müssen, noch darf er einem Mieter verbieten, die Tapeten in bunten Farben zu streichen. Sollte eine derartige Klausel im Mietvertrag vorhanden sein, so ist sie unwirksam: rechtlich hat ein Vermieter keine Grundlage, aufgrund derer er eine bestimmte Farbwahl diktieren könnte. Demzufolge darf ein Mieter seine Wohnung so knallbunt gestalten, wie er es möchte, und darf sich dabei auch besonderen Techniken – wie beispielsweise der Wischtechnik – bedienen. Er hat jedoch darauf zu achten, dass kein Eingriff in die Bausubstanz vorgenommen wird. Als solcher wird jegliche Beschädigung der Wände sowie der Decke anzusehen, die nachhaltig vorhanden sein wird. Dabei muss immer die Pflicht berücksichtigt werden, dass eine Wohnung nach Beendigung der Mietzeit im vertragsgemäßen Zustand zurückgegeben werden muss. Wenn also ein Mieter auf die Idee kommt, die Fliesen in der Küche zu lackieren, so gilt dies als ein Verstoß gegen diese Pflicht. Für solche Veränderungen bedarf es generell das Einverständnis des Vermieters, zumal sie auch nicht als Schönheitsreparaturen angesehen werden können.

Müssen farbige Wände beim Auszug weiß gestrichen werden?

Was aber ist, wenn ein Mieter, der zwar keine nachhaltigen Beschädigungen vorgenommen hat, seine Wohnung aber grellbunt gestrichen hat, auszieht? Darf er die Wohnung  bunt übergeben, oder müssen die Wände weiß gestrichen werden?

Grundsätzlich ist es so, dass auch bei der Schlussrenovierung der Vermieter keine Farben vorgeben darf, in denen die Räumlichkeiten gestrichen werden sollen. Es ist jedoch wichtig für ihn, dass er die Möglichkeit hat, die Wohnung so schnell wie möglich weiterzuvermieten, was bei neongelben oder grünen Wänden vermutlich etwas schwierig werden könnte. Aus diesem Grund stehen die Interessen des Vermieters im Vordergrund: er kann verlangen, dass die Wände in Farben gestrichen werden, welche die Geschmäcker von möglichst vielen Mietinteressenten treffen [BGH, 18.06.2008, VIII ZR 224/07]. Da Vermieter keine bestimmte Farbe diktieren dürfen, bedienen sie sich in der Regel Formulierungen wie „dezenten“ oder „neutralen“ Farben. Wichtig ist, dass bei der Schlussrenovierung eine Farbauswahl getroffen wird, die einem Großteil der Menschen genehm sein wird. Zu beachten ist, dass eine dementsprechende mietvertragliche Regelung getroffen werden muss. Fehlt eine dementsprechende Klausel, so kann ein Mieter beim Auszug die Wohnung auch in „ungewöhnlichen“ Farben streichen. Eine Einbehaltung der Mietkaution mit der Begründung, sie würde zur Finanzierung des Überstreichens der Wände benötigt, ist somit nicht gerechtfertigt [AG Schöneberg, 10.09.2013, 3 C 95/13].

Anders hingegen ist die Situation, wenn ein Mietobjekt neutral dekoriert übernommen und in Farben gestrichen zurückgegeben wurde, die so extrem auffällig sind, dass sie von der breiten Masse der Mietinteressenten als indiskutabel eingestuft werden würden: in derartigen Fällen wird davon ausgegangen, dass eine Neuvermietung in diesem Zustand nicht möglich ist, wodurch ein Schaden für den Vermieter entsteht. Also muss er dafür Sorgen, dass die Wände wieder eine gefällige Farbe bekommen, was mit Kosten verbunden ist. Für diese Kosten ist er Mieter schadensersatzpflichtig [BGH, 06.11.2013, VIII ZR 416/12].

Um Streitigkeiten und Ärgernisse zu umgehen, sollte man als Mieter also vorsorglich gleich die Wände beim Auszug weiß streichen – auch wenn es hierfür im Mietrecht keine konkreten gesetzlichen Vorschriften gibt.

Schlagwörter: Schönheitsreparaturen, Mieter, Vermieter, Mietvertrag


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