Mietnomaden – was kann man als Vermieter tun?

Autor: , verfasst am 22.04.2014, 08:19| Jetzt kommentieren

Heruntergekommene, zugemüllte Wohnungen und nicht bezahlte Mietrechnungen – Mietnomaden (Begriff für Personen die erst die Miete prellen und dann weiterziehen) sind der Albtraum eines jeden Vermieters. Eine Eigentumswohnung zu kaufen und zu vermieten gilt normalerweise als solide Kapitalanlage. Jedoch können Mieter, die die Wohnung verkommen lassen und ihre Mietrechnungen nicht begleichen ihren Vermieter sogar in den finanziellen Ruin treiben. Der Gesetzgeber hat sich mittlerweile auf dieses Phänomen eingestellt und mit einer Anpassung der Gesetzeslage reagiert. Seit der Mietrechtsreform im Mai 2013 hat der Vermieter mehr Rechte und Möglichkeiten, gegen Mietnomaden vorzugehen

Mietnomade (© Gina Sanders - Fotolia.com)
Mietnomade
(© Gina Sanders - Fotolia.com)

Vermieter-Tipps: Was kann man gegen Mietnomaden in seiner Wohnung tun?

1. Die nichtgezahlte Kaution berechtigt zur Kündigung

Wurde von dem neuen Mieter die verlangte Mietkaution nicht gezahlt, liegt hierin nun eine Kündigungsmöglichkeit aus wichtigem Grund, § 596 Abs. 2a BGB. Dies gilt jedenfalls dann, wenn der Mieter mit Zahlung der Kaution in Verzug gerät.

2. Erleichterte Räumung gegen mögliche Untermieter möglich

Zwar konnte per gerichtlich erworbenem Titel die Räumung gegen den unliebsamen Mieter erwirkt werden. Hatte sich aber zudem ein Untermieter in die Wohnung gesellt, half dieser Räumungstitel dem Vermieter nicht weiter. Denn in dem Titel musste die Person, gegen die dieser wirken sollte, namentlich benannt werden. Dies ist nunmehr nicht der Fall: auch gegen Unbekannte und unbenannte Personen gilt der gerichtlich angeordneter Räumungstitel (vgl. § 940a Abs. 2 ZPO).

3. Sicherheitsleistung durch Mieter bei Räumungsprozess

Neuerdings kann der Vermieter, sofern die Räumungsklage mit einer Zahlungsklage verbunden wurde, beim zuständigen Gericht beantragen, dass der Beklagte für ausstehende Geldforderungen eine Sicherheitsleistung zu erbringen hat (z.B. durch Bürgschaft), § 283a Abs. 1 ZPO.

4. Das „Berliner Modell“

Außerdem besteht nach der Mietrechtsreform die Möglichkeit zur „Berliner Räumung“. Eine Räumung setzt in diesem Fall nicht mehr voraus, dass der Mieter mitsamt seines Hausrats aus der Mietsache entfernt wird. Der Vermieter kann schon vorher dem Mieter den Besitz entziehen, also das Türschloss austauschen oder auch Sachen, an deren Besitz offensichtlich kein Interesse besteht (also Müll) fortschaffen und vernichten. Dies regelt seit 2013 der § 885a ZPO.

Schlagwörter: Mietnomaden, Räumung, Berliner Modell, Mietschulden, Messi


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