Mietminderung wegen Lärmbelästigung aus der Nachbarschaft

Autor: , verfasst am 08.12.2014, 08:20| Jetzt kommentieren

 

Mietrecht (© MK-Photo - Fotolia)
Mietrecht
(© MK-Photo - Fotolia)

Mieter müssen sich an strenge Richtlinien halten, wenn sie die Miete aufgrund einer Lärmbelästigung wirksam mindern wollen.

Rund ein Zehntel der Deutschen fühlt sich durch Lärm aus der Nachbarschaft belästigt. Wo zunächst noch ein klärendes Gespräch oder eine freundliche Ermahnung hilfreich sein können, verhärten sich nach der Zeit oftmals die Fronten, sodass sich die Belästigten fragen, wie sie ihre Rechte durchsetzen können. Eine Mietminderung ist eine Möglichkeit, den Vermieter zum Handeln zu veranlassen.

Umfang der Lärmbelästigung

Die Mietminderung wegen einer Lärmbelästigung setzt voraus, dass die Wohnung durch den Lärm in ihrer Gebrauchstauglichkeit erheblich beeinträchtigt ist. Dabei kann die Überschreitung eines nominalen Lautstärkepegels in dB(A) lediglich ein Anhaltspunkt sein. Richtwert ist üblicherweise die Zimmerlautstärke, welche bei 40 dB(A) tags und 30 dB(A) nachts liegt. Maßgeblich ist letztlich jedoch das Empfinden eines verständigen Durchschnittsmenschen. So kann verschiedener Lärm auch verschiedenste Wirkung haben. Auch bei gleichem Lärmpegel wird ein durchschnittlicher Mensch den Lärm von Bauarbeiten und heftigem Bohren womöglich anders einschätzen als den Lärm einer im vollen Gange befindlichen Feierlichkeit bei den Nachbarn.

Beweis durch Lärmprotokoll

Möchte ein Mieter den Mietzins mindern, so muss er beweisen, dass die Lärmbelästigung so erheblich ist, dass sie einen Mangel darstellt. Diesen Beweis kann er nur schwer ohne ein Lärmprotokoll führen und selbst wenn er eines führt, so muss dies bestimmten Vorgaben entsprechen um Beweiskraft zu entfalten. Dabei gilt: Je detaillierter ein Lärmprotokoll ist, desto glaubwürdiger ist es. Ein Richter muss häufig die Eintragungen aus dem Protokoll mit weiteren Beweisen vergleichen, z. B. mit den Aussagen von weiteren Nachbarn oder Zeugen, die eine Lärmbelästigung zu den eingetragenen Zeiten bestätigen können.

Grundsätzlich sollten die folgenden Angaben in einem Lärmprotokoll festgehalten werden:

Datum und Wochentag sowie Angabe der genauen Uhrzeit zu der der Lärm beginnt und endet. Daraufhin sollte eine möglichst genaue Beschreibung des Lärms erfolgen. Dazu gehört die Art des Lärms (Sprechen, Musik, Maschinenlärm, etc.) sowie Charakteristiken des Lärms z. B. die Impulshaltigkeit, eine Beschreibung des Tons, Wechsel zwischen Lärmquellen oder Auf- und Abschwellen. Auch sollten die Folgen des Lärms beschrieben werden. Muss konzentriertes Arbeiten unterbrochen werden, müssen die Fenster geschlossen werden oder wacht man durch den Lärm auf oder fällt das Einschlafen schwer, so sollte dies festgehalten werden. Letztlich sollten – insofern es welche gibt - Zeugen benannt werden.

Das Lärmprotokoll gewinnt an Glaubwürdigkeit je länger es geführt wird. Es ist jedoch nicht die einzige Möglichkeit, um eine Lärmbelästigung zu beweisen. So können auch Aussagen von weiteren – vielleicht ebenfalls gestörten – Nachbarn ausreichen um das Gericht zu überzeugen.

Vorgehen nachdem das Lärmprotokoll gefertigt wurde

Zunächst muss der Vermieter auf den Lärm hingewiesen und aufgefordert werden, diesen Mangel an der Wohnung zu beseitigen. Wie er dies tut bleibt ihm überlassen. Gleichzeitig sollte eine Frist gesetzt werden, zu deren Ablauf man eine geminderte Mietzahlung ankündigt. Verstreicht diese Frist ergebnislos kann entweder der geminderte Mietzins gezahlt werden oder die volle Miete unter Vorbehalt gezahlt werden. Zu beachten ist, dass es so gut wie nie eine Mietminderung um 100% gibt.

Schlagwörter: Mietminderung Lärmbelästigung Nachbarn Vermieter Minderung Lärmprotokoll


Nachrichten zum Thema
  • BildBaustopp wegen Lärmbelästigung der Nachbarn (31.07.2015, 16:25)
    Mannheim (jur). Sind Baustellen zu laut, können Behörden den Betrieb zum Schutz der Nachbarn vorläufig untersagen. Dies gilt zumindest dann, wenn der Bauherr behördliche Anordnungen zur Lärmminderung „wiederholt und hartnäckig“ missachtet,...
  • BildEilantrag gegen Bau einer Paintballanlage in der Nachbarschaft erfolglos (16.01.2015, 11:23)
    Der Versuch eines Nachbarn, mit einem Eilantrag vor dem Verwaltungsgericht den Bau einer sogenannten Outdoor-Paintballanlage in Ennepetal zu verhindern, ist ohne Erfolg geblieben. Mit Beschluss vom 12. Januar 2015 hat das Verwaltungsgericht...
  • BildFristlose Kündigung bei massiver Lärmbelästigung durch Mieter (28.07.2014, 10:09)
    Wer als Mieter andere häufig durch laute Musik erheblich belästigt, muss mit der fristlosen Kündigung rechnen. Das gilt womöglich auch, wenn der Lärm jeweils nur für wenige Minuten anhält.Vorliegend ging es um einen Mieter, der in einem...
  • BildWindkraftanlagen, was tun bei Lärmbelästigung? (07.08.2013, 10:54)
    Anlagenbetreiber zu Messungen der Lärmwerte verpflicthet Der Bau von neuen Windkraftanlagen löst bei Eigentümern benachbarter Grundstücke trotz der Energiewende oft Unverständnis aus. Insbesondere dann wenn die Anlagen in der Nähe von...
  • BildMietkürzungen bei Bauarbeiten in der Nachbarschaft rechtens? (24.10.2011, 11:19)
    Braunschweig/Göttingen. Bau- und Renovierungsmaßnahmen sind in deutschen Städten an der Tagesordnung. Wenn in der Nachbarschaft gebaut wird, bedeutet dies für die Anwohner oftmals erhebliche Lärm- und Staubemission. Oftmals kommt es auch zu...
  • BildTürsteher in der Nachbarschaft kein Grund für Mietminderung (03.06.2009, 15:49)
    Rostock/Berlin (DAV). Türsteher an einer Diskothek in der Nachbarschaft sind kein Grund zur Mietminderung. Diese Erfahrung musste ein Betreiber eines Internetcafés mit Spielothek machen. Auf eine entsprechende Entscheidung des Oberlandesgerichts...

Kommentar schreiben

13 - Z w.ei =
Ja, ich habe die Datenschutzerklärung gelesen.

Bisherige Kommentare zum Ratgeber (0)

(Keine Kommentare vorhanden)





Weitere Mietrecht-Ratgeber


Anwalt für Mietrecht

Weitere Orte finden Sie unter

JuraForum-Suche

Durchsuchen Sie hier JuraForum.de nach bestimmten Begriffen:

© 2003-2018 JuraForum.de — Alle Rechte vorbehalten. Keine Vervielfältigung, Verbreitung oder Nutzung für kommerzielle Zwecke.