Hundehaltung in Mietwohnungen – ist dies verboten oder erlaubt?

Autor: , verfasst am 06.03.2015, 07:29| 1 Kommentar

Hunde sind ja bekanntermaßen die besten Freunde eines Menschen, und da ist es nur allzu verständlich, wenn man als Mensch sein Zuhause mit einem Vierbeiner teilen möchte. Ist man Eigenheimbesitzer, so kann ein solcher Wunsch problemlos in die Tat umgesetzt werden. Schwieriger wird es hingegen für jene Tierliebhaber, die zur Miete wohnen. Neben der Frage, ob eine Wohnung als artgerechte Umgebung für einen Hund darstellt, gibt es noch ein viel größeres Problem: ist Hundehaltung in Mietwohnungen überhaupt erlaubt? Oder ist dies gemäß dem Mietrecht grundsätzlich verboten?

Hund (© Gudellaphoto - Fotolia)
Hund
(© Gudellaphoto - Fotolia)

Hundehaltung per Regelung im Mietvertrag möglich

Am einfachsten ist diese Frage zu beantworten, wenn der Mietvertrag eine Tierhaltung generell gestattet. Der tierliebe Mieter braucht demzufolge niemanden um Erlaubnis zu fragen, wenn er einen Hund in seiner Wohnung halten möchte, und kann dies ungeniert tun.

Kann eine Hundehaltung per Mietvertrag verboten werden?

Die allermeisten Mietverträge sind jedoch nicht darauf ausgelegt, eine Tierhaltung generell zu erlauben. Im Gegenteil: viele beinhalten eine Klausel, gemäß derer eine Tierhaltung pauschal verboten wird.  Derartige Klauseln sind gemäß einem Urteil des Bundesgerichtshofs jedoch unwirksam, da sie den Mieter über Gebühr benachteiligen [BGH, 20.03.2013, VIII ZR 168/12]. Dies ist jedoch nur der Fall, wenn es sich bei dem betreffenden Mietvertrag um einen formularmäßigen handelt. Wurde die Klausel jedoch individuell verabredet, so kann sie durchaus Anwendung finden. Dies ist vor allem dann der Fall, wenn der Vermieter konkrete Beeinträchtigungen durch den Hund erwarten kann. Diese sind beispielsweise in Belästigungen durch Geräusche, Gerüche und Tierhaare gegeben. Ebenso in Fällen, in denen ein Nachbar eine Hundeallergie hat. Auch die Haltung bestimmter Hunderassen – zum Beispiel sogenannte „Kampfhunde“ – kann individuell verboten werden.

Darüber hinaus sehen manche Mietverträge vor, dass eine Hundehaltung der Zustimmung des Vermieters bedarf. Dies bedeutet, dass ein Mieter vor der Anschaffung eines Hundes seinen Vermieter fragen muss, ob er dies darf. Fragt er nicht und schafft sich trotzdem einen Hund an, so kann der Vermieter von ihm verlangen, das Tier wieder abzuschaffen [LG Köln, 04.02.2010, 6 S 269/09]. Besteht ein Verbot zur Hundehaltung und der Mieter hält sich dennoch einen Hund, so berechtigt dies den Vermieter zur Kündigung [LG Hildesheim, 28.02.2006, 7 S 4/06], da eine nicht unerhebliche Vertragsverletzung seitens des Mieters vorliegt.

Gibt es Fälle, in denen der Vermieter zur Zustimmung zur Hundehaltung verpflichtet ist?

Grundsätzlich ist der Vermieter dazu verpflichtet, der Haltung von Hunden in Wohnungen zuzustimmen. Dabei ist es unerheblich, ob es sich um einen Kleinhund oder einen großen handelt: ist die Wohnung ausreichend groß und kam es in der Vergangenheit nicht zu Beschwerden wegen des ersten Hundes, so kann ein Vermieter auch nicht die Anschaffung eines zweiten Labradors verbieten [AG Reinbek, 04.06.2014, 11 C 15/14].

Auch gibt es Hunde, deren Haltung Mietern generell gestattet ist. Dies ist immer dann der Fall, wenn der Mieter ihn objektiv und absolut benötigt, wie beispielsweise einen Blindenhund.

Kann eine Erlaubnis zur Hundehaltung in Mietwohnungen wiederrufen werden?

Hat ein Mieter die Erlaubnis zur Hundehaltung in der Wohnung erhalten, so kann diese dennoch wirksam vom Vermieter zu einem späteren Zeitpunkt wiederrufen werden. Dies ist beispielsweise in jenen Fällen möglich, in denen sich im  Nachhinein herausstellt, dass der betreffende Hund ständig bellt oder anderweitigen Lärm macht, durch den sich Mitmieter belästigt fühlen. Auch wenn sich plötzlich mehr als zwei Hunde in einer Mietwohnung befinden, kann die Erlaubnis widerrufen werden.

Wenn sich in einem Mietshaus schon andere Hunde befinden, ist eine Gleichbehandlung ein Grund, auch anderen Mietern die Hundehaltung zu gestatten. Ein Mieter, der aufgrund dessen einen oder mehrere Hunde in seiner Wohnung hält, sollte sich allerdings nicht darauf verlassen: der Vermieter muss sich nicht zwingend an diese Regelung der Gleichbehandlung halten; schon gar nicht, wenn gleich mehrere Hunde in einer Wohnung leben sollen.

Auch, wenn gemäß dem Mietrecht eine Hundehaltung nicht generell verboten werden kann: ein Mieter ist gut daran beraten, vor der Anschaffung eines vierbeinigen Mitbewohners seinen Vermieter um Erlaubnis zu fragen. Schließlich soll der häusliche Frieden ja erhalten bleiben…

Schlagwörter: Hundehaltung, Mietvertrag, Zustimmung zur Hundehaltung


Nachrichten zum Thema
  • BildVergünstigte Erbschaftssteuer auch für im Bau befindliche Mietwohnungen (07.05.2014, 16:45)
    Düsseldorf (jur). Die vergünstigte Erbschaftsteuer für Grundstücke mit vermieteten Wohngebäuden ist weit zu fassen. Sie gilt auch schon dann, wenn die Wohnungen noch im Bau sind, wie das Verwaltungsgericht (VG) Düsseldorf in einem am Dienstag, 6....
  • BildWann müssen Schönheitsreparaturen in Mietwohnungen durchgeführt werden? (17.06.2013, 15:34)
    Rechtsanwältin Dr. Elke Scheibeler gibt einen Überblick, in welchen Fällen Klauseln in Mietverträgen über die Übertragung von Schönheitsreparaturen auf den Mieter unwirksam sind. Viele Klauseln in Mietverträgen, die von Mietern die Durchführung...
  • BildKostenumlage bei Renovierungen von Mietwohnungen rechtens (30.03.2011, 16:16)
    Der Bundesgerichtshof hat am 30.03.2011 eine Entscheidung zur Umlagefähigkeit von Renovierungskosten getroffen, die infolge von Modernisierungsmaßnahmen in einer Mietwohnung entstehen. Die Beklagten sind Mieter einer Wohnung in einem...
  • BildModernisierung von Mietwohnungen nur nach Vorankündigung (10.02.2011, 14:42)
    München/Berlin (DAV). Will ein Vermieter eine Wohnung modernisieren, indem er neue Fenster einbaut, muss der Mieter dies dulden. Voraussetzung ist, dass der Vermieter ihm rechtzeitig eine Modernisierungsankündigung vorgelegt hat. Diese muss die...
  • BildKein „Rauchverbot“ in Mietwohnungen (24.04.2008, 15:01)
    Karlsruhe/Berlin (DAV). Grundsätzlich darf in Mietwohnungen weiterhin geraucht werden. Der Vermieter kann bei Auszug rauchender Mieter keine umfangreichen Schönheitsreparaturen außerhalb des vereinbarten Intervalls verlangen. Dies geht aus einem...
  • BildBGH: Exzessives Rauchen in Mietwohnungen kann vertragswidrig sein (05.03.2008, 17:10)
    Der unter anderem für das Wohnraummietrecht zuständige VIII. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hatte darüber zu entscheiden, ob eine vom vertragsgemäßen Gebrauch einer gemieteten Wohnung nicht mehr umfasste Nutzung anzunehmen ist, wenn...

Kommentar schreiben

35 + Vi er =

Bisherige Kommentare zum Ratgeber (1)

Marion  (23.08.2016 23:25 Uhr):
Darf der Vermieter auf Grund häufiger Beschwerden von einer Nachbarin, den Hundebesitzer zur Abgabe des Tieres auffordern?





Weitere Mietrecht-Ratgeber


Anwalt für Mietrecht

Weitere Orte finden Sie unter

JuraForum-Suche

Durchsuchen Sie hier JuraForum.de nach bestimmten Begriffen:

© 2003-2018 JuraForum.de — Alle Rechte vorbehalten. Keine Vervielfältigung, Verbreitung oder Nutzung für kommerzielle Zwecke.