Was können Vermieter gegen Mietnomaden tun?

Autor: , verfasst am 27.02.2015, 07:37| 1 Kommentar

Ein Mietverhältnis stellt man sich für gewöhnlich so vor, dass ein Vermieter einem Mieter Wohnraum zur Verfügung stellt, für welchen dieser einen Mietzins entrichtet. Nun ist es in der Praxis leider nicht immer so: immer wieder stehen Vermieter vor dem Problem, dass ihre Mieter zwar die Räumlichkeiten bewohnen, aber keine Miete zahlen und zudem die Wohnungen verwahrlosen lassen. Diese Personen werden als „Mietnomaden“ bezeichnet. Vermieter sind häufig hilflos und wissen gar nicht, wie sich gegen diese Nomaden wehren können. Was sagt das Mietrecht? Was können Vermieter gegen Mietnomaden tun?

Mietnomaden (© stockWERK - Fotolia)
Mietnomaden
(© stockWERK - Fotolia)

Wie agieren Mietnomaden?

Mietnomaden mieten sich eine Wohnung oder ein Haus und sind von Anfang an darauf eingestellt, keine Miete zu zahlen. Dies tun sie dann auch nicht, trotz Ermahnung seitens des Vermieters, den vereinbarten Mietzins zu entrichten. Kündigt er dann das Mietverhältnis und klagt auf Räumung, schieben sie fadenscheinige Gründe vor, die sie dazu berechtigen würden, die Miete nicht zu zahlen: angebliche Mängel werden aufgelistet. Zwar wird im Prozess unweigerlich festgestellt, dass diese Mängel nicht existieren, jedoch dauert es Monate, bis er überhaupt vonstatten geht. Während dieser Zeit entstehen dem Vermieter Kosten, die sich nicht selten auf mehrere Tausend Euro belaufen. Zwar ist er dann die Mietnomaden los, jedoch gelangt er oft genug in wirtschaftliche Schwierigkeiten – von dem psychischen Stress aufgrund des ganzen Ärgers dank des zahlungsunwilligen Mieters ganz zu schweigen…

Da sich derlei Praktiken des Mietbetrugs in den vergangenen Jahren häuften, tendierten immer weniger Wohnraumbesitzer dazu, diese Räumlichkeiten zu vermieten.

Das Mietrechtsänderungsgesetz verbessert Rechtsstellung der Vermieter

Zum 01.05.2013 trat das Mietrechtsänderungsgesetz in Kraft. Dieses stärkt die Rechte der Vermieter, insbesondere bei der Problematik mit den Mietnomaden.

So haben diese keine Chance mehr, mit ihrer Hinhaltetaktik über einen längeren Zeitraum in einer Wohnung oder einem Haus wohnen zu bleiben, ohne Miete zu zahlen: stellt der Vermieter einen dementsprechenden Antrag, so kann das Gericht mithilfe einer Nutzungsanordnung den betreffenden Mieter dazu verpflichten, die bisher angefallene Miete als Sicherheit zu hinterlegen. Dies kann beim Amtsgericht oder in Form einer Bankbürgschaft geschehen. Wenn der Mieter nun diese Sicherheit nicht leistet, so kann der Vermieter innerhalb weniger Tage einen schnellen Räumungstitel erwirken. Durch diese Regelung soll verhindert werden, dass der Vermieter aufgrund nicht erhaltener Mietzahlungen einen wirtschaftlichen Schaden erleidet.

Grundsätzlich sind Räumungssachen von den Gerichten vorrangig zu bearbeiten. Dies wird dadurch begründet, dass es einem Vermieter nicht möglich ist, die Besitzüberlassung eigenmächtig zurückzuhalten.

Darüber hinaus wird die Vollstreckung von Räumungsurteilen durch die sogenannte „Berliner Räumung“ erleichtert: wenn ein Vermieter ein Räumungsurteil erstritten hat, so darf der Gerichtsvollzieher die Wohnung sofort räumen, ohne sich darum kümmern zu müssen, dass die ausgeräumten Gegenstände kostenpflichtig irgendwo eingelagert werden. Die Haftung für jene Gegenstände, die der Schuldner in der Wohnung zurückgelassen hat, wird auf grobe Fahrlässigkeit und Vorsatz begrenzt.

Eine weitere Maßnahme, die ein Vermieter durchführen kann, wenn ein Mieter säumig ist, ist die fristlose Kündigung.

Wie kann sich ein Vermieter gegen Mietnomaden schützen?

Es ist ausgesprochen schwierig, einen potentiellen Mieter als einen Mietnomaden zu identifizieren. Die einzige Möglichkeit, die besteht, ist, sich auf sein Bauchgefühl zu verlassen. Dass dieses nicht immer ein Garant für eine richtige Einschätzung anzusehen ist, ist zwar bekannt, jedoch gibt es kein wirklich wirksames Mittel, um einen Mietnomaden zu erkennen.

Fazit: Aufgrund des Mietrechtsänderungsgesetzes ist es für einen Vermieter leichter, einen Mietnomaden loszuwerden. Einen weiteren positiven Effekt besitzt dieses Gesetz zudem noch: immer mehr potentiell zahlungsunwillige Mieter fühlen sich durch diese gesetzlichen Regelungen abgeschreckt und gehen keinem Mietnomadentum mehr nach.

Schlagwörter: Mietnomaden, Mietvertrag, Kündigung


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Bisherige Kommentare zum Ratgeber (1)

Detektiv Zentrale  (07.03.2017 19:43 Uhr):
Sehr Interessanter Artikel, werde diese unseren Mandanten empfehlen!




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