Bohrlöcher in Fliesen: darf man als Mieter Fliesen anbohren?

Autor: , verfasst am 14.01.2015, 08:01| 1 Kommentar

Wohnungsmieter sind häufig damit beschäftigt, die von ihnen angemieteten Räumlichkeiten zu verschönern und nach eigenen Wünschen zu gestalten. Oft genug gehört zu dieser Gestaltung auch das Anbringen von Haken, Regalen, Schränken etc., welches nur mithilfe von Dübeln und Haken geschehen kann. Die dadurch entstandenen Bohrlöcher werden zunächst nicht wahrgenommen, doch spätestens beim Auszug, wenn der Mieter sein Mobiliar entfernt hat, gelangt der Vermieter davon in Kenntnis. Ein Loch in einer gewöhnlichen Wand ist schnell zugestopft; Bohrlöcher in Fliesen jedoch sind nicht so einfach zu verschließen: die Fliese bleibt beschädigt. Oft genug kommt es deswegen zum Streit zwischen Mieter und Vermieter bezüglich der Frage: Darf man als Mieter Fliesen anbohren?

Mieterrechte (© bluedesign-Fotolia)
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Die Positionen sind klar definiert: der Vermieter wünscht, dass sein Eigentum unbeschädigt bleibt, während der Mieter die Auffassung vertritt, dass er zur Steigerung seiner Wohnqualität Möbel und Accessoires nach eigenen Vorstellungen anbringt – auch wenn es hierfür notwendig ist, Fliesen anzubohren. Gemäß dem Mietrecht ist ein Mieter dazu verpflichtet, die angemieteten Räumlichkeiten inklusive Inventar pfleglich zu behandeln. Abnutzungserscheinungen bei sachgemäßem Umgang mit diesen sind vom Vermieter hinzunehmen. Sollten jedoch Schäden entstanden sein, die eindeutig vom Mieter verursacht worden sind, so kann der Vermieter deren Beseitigung verlangen. Dies ist beispielsweise der Fall, wenn ein Mieter vorhandene Fliesen überstreicht: muss der Vermieter sie nach dessen Auszug erneuern, weil ein Entfernen der Farbe nicht möglich ist, so kann er die hierfür entstandenen Kosten auf den Mieter übertragen [LG Köln, 26.03.1996, 12 S 312/95]. Werden Fliesen hingegen nur durch Kratzer oder kleine Absplitterungen beschädigt, so wird dies als normale Abnutzung angesehen und der Mieter braucht dafür nicht zu haften.

Grundsätzlich ist es so, dass es auch keinerlei rechtliche Grundlage gibt, die einem Mieter vorschreibt, wie viele Löcher er bohren darf. Im Gegenteil: das Einschlagen von Haken und Nägeln wird als vertragsmäßiger Gebrauch angesehen, auch wenn es das Bohren von Löchern in Wänden und Fliesen mit sich bringt. In Fällen, in denen ein Mieter per Mietvertrag nicht zu Schönheitsreparaturen verpflichtet ist, braucht er derartige Löcher nicht zu beseitigen [OLG Köln, 26.11.1991, 22 U 97/91].

Die Anzahl der Dübellöcher wird gesetzlich nicht vorgeschrieben – deren Platzierung allerdings schon. Es ist grundsätzlich zulässig, Löcher in Fliesenfugen zu bohren, solange die Fliesen selbst nicht beschädigt werden. Erst, wenn eine Fliese angebohrt worden ist, obwohl nachweislich auch ein Bohrloch in der Fuge platziert hätte werden können, werden die so entstandenen Löcher als unangemessen angesehen.

Ein Mieter sollte deswegen immer zunächst versuchen, die Bohrlöcher in Fugen zu setzen und nur in jenen Fällen die Fliesen anzubohren, wenn dieser Versuch gescheitert ist. Auch sollte er sich im Vorfeld erkundigen, ob das Anbringen seiner gewünschten Einrichtungsgegenstände auch in anderer Form erfolgen kann, beispielsweise durch Ankleben. Ist dies möglich und der Mieter hat davon keinen Gebrauch gemacht, so kann ihn der Vermieter zu Schadensersatz verpflichten [AG Köpenick, 05.12.2012, 4 C 64/12]; [AG Münster, 29.01.2008, 28 C 3053/07].

Vergleichbar ist die rechtliche Lage, wenn der Mieter zu Schönheitsreparaturen verpflichtet ist: Dübellöcher in Fliesen müssen beim Auszug von ihm beseitigt werden, und zwar gegebenenfalls in Form des Austausches der angebohrten Fliesen. Sollte dies nicht möglich sein, so muss er den gesamten Belag ersetzen, wobei allerdings gegebenenfalls eine Beteiligung seitens des Vermieters angesetzt wird.

Zu beachten ist auch, dass es beim Fliesen Anbohren auch auf die Qualität der Fliesen ankommt: sind diese als besonders hochwertig anzusehen und ist von vorneherein klar, dass die Bohrlöcher nur durch Austausch der Fliesen beseitigt werden können, so wird das Fliesen Anbohren nicht mehr als vertragsgemäß angesehen. Mieter, die dennoch Dübellöcher setzen möchten, müssen hierfür vorher die Erlaubnis ihres Vermieters einholen.

Schlagwörter: Bohrlöcher Wohnung, Mieterrechte, Schönheitsreparaturen


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Bisherige Kommentare zum Ratgeber (1)

Evelyn  (06.11.2015 21:02 Uhr):
Hallo zusammen, ich habe in meiner Mietwohnung nach Absprache mit meinem Vermieter eine neue Küche auf meine Kosten einbauen lassen. Ich benötigte allerdings Bohrvorrichtungen für 2 Steckdosen, da diese in der alten Küche nicht vorhanden waren. Somit blieb mir nix anderes übrig, als an dem alten Fliesenspiegel dementsprechend Bohrungen vorzunehmen, damit die Steckdosen angebracht werden konnten. Nun werde ich aus dieser Wohnung ausziehen und die Küche abbauen. Die Steckdosen werde ich selbstverständlich auch an den alten Fliesenspiegel wieder anbringen. Nun ist aber meine Frage, ob mein Vermieter mich wegen der Bohrvorrichtungen belangen kann. Möglicherweise können Sie mir da weiterhelfen. Über eine schnelle Antwort wäre ich sehr dankbar.




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