Welche Rechte hat man gegen Ärzte bei Behandlungsfehlern?

Autor: , verfasst am 31.03.2015, 06:35| Jetzt kommentieren

Ärzte werden als "Götter in weiß" bezeichnet. Trotzdem sind diese auch nur Menschen und machen auch Fehler. Wenn sie einen Fehler machen, und das unangenehme Folgen für den Patienten hat, stellt sich die Frage, inwieweit ein Arzt dafür haftet. Grundsätzlich haftet der Arzt im Rahmen der Arzthaftung für seine Fehler, jedoch muss der Patient immer nachweisen können, ob der Arzt einen Behandlungsfehler gemacht hat. Dies wird in der Regel durch Hinzuziehung eines anderen Arztes gemacht.

Behandlungsfehler (© pixelsocke - Fotolia)
Behandlungsfehler
(© pixelsocke - Fotolia)

Wie verhält es sich bei einem Behandlungsfehler?

Ein Behandlungsfehler liegt dann vor, wenn der Arzt gegen die allgemein anerkannten Grundsätze der medizinischen Wissenschaft verstoßen hat. In diesen Fällen macht sich der Arzt gegenüber dem Patienten schadensersatzpflichtig. Das Problem daran ist jedoch, dass ein Schaden des Patienten für das Vorliegen eines Schadensersatzanspruches bestehen muss. Das bedeutet: der Patient muss einen materiellen oder immateriellen Schaden erlitten haben.

Ein materieller Schaden liegt dann vor, wenn dem Patienten beispielsweise Kosten entstanden sind. Dies sind Kosten für Nachbehandlungen, Reha-Maßnahmen, einem Verdienstausfall, zusätzliche Medikamente, Pflege usw.

Ein immaterieller Schaden liegt hingegen dann vor, wenn der Patient Schmerzen hatte oder sonstige Beeinträchtigungen seiner Lebensqualität hatte. Dies ist zum Beispiel dann der Fall, wenn der Patient nach der fehlerhaften Behandlung im Rollstuhl sitzt oder nicht mehr erwerbsfähig ist. In diesen Fällen hat der Patient einen Schmerzensgeldanspruch.

Schadensersatz wegen einer Aufklärungspflichtverletzung

Auch eine nicht vorhandene oder aber mangelhafte Aufklärung eines Patienten durch den Arzt vor einer Operation oder Behandlung kann den Arzt zum Schadensersatz verpflichten. So trifft den Arzt bei Behandlungen immer eine Aufklärungspflichtverletzung.

So muss der Arzt den Patienten vor allem vor einer Operation über alle Folgen aufklären. Dies umfasst auch alle negativen Folgen, Nebenwirkungen und Folgeerscheinungen; und das auch dann, wenn diese sehr selten auftreten. Diese Aufklärung muss von dem Arzt in einem Protokoll festgehalten werden und dem Patienten in Kopie zu übergeben.

Wenn es im Rahmen dieser Aufklärungspflichtverletzung Fehler gibt, macht sich der Arzt auch schadensersatzpflichtig.

Wie kommt der Patient dann zum Schadensersatz? Muss er etwas beweisen?

Bei offensichtlichen und schweren Behandlungsfehlern, oder aber bei einer nicht hinreichenden Dokumentation der Aufklärung des Patienten findet meistens eine Beweislastumkehr zu Gunsten des Patienten statt. Das bedeutet: der Arzt muss beweisen, dass er keine Fehler gemacht hat.

Vorgehen sollte der Patient folgendermaßen: wenn er der Meinung ist, dass ein Behandlungsfehler vorliegen könnte, muss er zunächst seine Krankenkasse informieren. Diese kann ihm unter Umständen ein Fachgutachten finanzieren, mit dem er den Behandlungsfehler des Arztes beweisen kann. Damit kann man auch beurteilen, ob ein gerichtliches Verfahren gegen den Arzt Sinn macht oder nicht.

Danach werden die Krankenakten des Patienten geprüft, auch der Patient hat ein Recht zur Einsicht in seine Krankenakten. Wenn aus den Krankenakten hervorgeht, dass der Arzt einen Behandlungsfehler gemacht hat, muss der Arzt nun beweisen, ob der Schaden des Patienten auch bei einer fehlerfreien Behandlung eingetreten wäre. Wenn der Arzt dies nicht beweisen kann, muss er für den Schaden des Patienten aufkommen.

Schlagwörter: Arzt, Patient, Behandlungsfehler, Schadensersatz, Behandlung


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