Maklerprovisionen: Immobilienmakler - Ein Berufsstand im Wandel

Autor: , verfasst am 24.11.2014, 08:16| Jetzt kommentieren

Das Tätigkeitsfeld von Immobilienmaklern befindet sich mitten in einer Zeit großen Wandels. Provisionen sind aufgrund einer geplanten Gesetzesänderung ab 2015 von den Vermietern zu zahlen. Die Neuregelung des Widerrufsrechts eröffnet Mietern neue Wege, sich von Maklerverträgen zu lösen und die Anforderungen an die Tätigkeit eines Maklers sind in Zeiten von steigenden Wohnungsangeboten in sozialen Netzwerken und Online-Börsen schwerer zu erfüllen.

Makler (© Kzenon - Fotolia.com)
Makler
(© Kzenon - Fotolia.com)

Lange war die Tätigkeit als Immobilienmakler weitgehend unreguliert. Weder gab es gesetzliche Bestimmungen, wer als Makler tätig sein darf, noch wurde gesetzliche festgeschrieben, welche Leistungen ein Makler erbringen muss, damit eine Provision fällig wird. Lediglich die Höhe der Provisionen bei Mietverträgen wurde durch das OLG München auf zwei Monatskaltmieten zuzüglich Mehrwertsteuer festgelegt. Trotzdem locken hohe Provisionen schon bei Vertragsschluss. Dies führte vermehrt auch zu halbseidenen Geschäftspraktiken.

Zunächst wurden lediglich die Mieter, Vermieter, Käufer und Verkäufer von Immobilien auf die Missstände aufmerksam und wandten sich vermehrt von Maklern ab. Lediglich 30 bis 40 Prozent der Käufe und Vermietungen werden noch von einem Makler vermittelt. Nun hat auch die Bundesregierung die Initiative ergriffen und versucht mit Gesetzesinitiativen Mieter und Käufer zu schützen und Vermietern und Verkäufern ein funktionierendes Maklersystem an die Hand zu geben.

Neues Widerrufsrecht eingeführt

Durch die Umsetzung der neuen EU-Verbraucherrichtlinie gilt für Mieter seit dem 13. Juni 2014 ein neues Widerrufsrecht bei Mietverträgen, die außerhalb der Geschäftsräume eines Maklers geschlossen wurden. Insbesondere sind davon Maklerverträge betroffen, die über ausschließliche Verwendung von Fernkommunikationsmittel geschlossen werden, z. B. durch eine Kontaktaufnahme über Immobilienportale im Internet oder Email. Der Maklervertrag kommt in einem solchen Fall oftmals bereits nach Anfrage des Kunden und Bestätigung des Maklers zustande. Ist eine Provision vereinbart, so haben Kunden nun ein 14-tägiges Widerrufsrecht. Makler müssen die Kunden über dieses Widerrufsrecht belehren. Erfolgt die Belehrung nicht, so kann der Kunde sogar bis zu zwölf Monate nach Vertragsschluss den Maklervertrag widerrufen.

In der Folge können die Maklerverträge widerrufen werden, selbst wenn ein Miet- oder Kaufvertrag erfolgreich abgeschlossen wurde. Der Makler kann dann keine Provision mehr fordern. Hat der Makler jedoch bereits Leistungen erbracht, die zu dem erfolgreichen Abschluss des Miet- oder Kaufvertrags geführt haben, könnte ihm Wertersatz zustehen, der unter Umständen die Höhe der Provision erreichen kann. Allerdings wird ein Makler den Wertersatz nur fordern können, wenn der Kunde bei Abschluss des Maklervertrages auf die Gefahr eines Wertersatzes bei Widerruf hingewiesen wurde und der Kunde zugestimmt hat, dass der Makler bereits vor Ende der Widerrufsfrist Leistungen erbringt.

Vermieter oder Verkäufer zahlt Provision

Die Bundesregierung hat das sogenannte Besteller-Prinzip beschlossen. Sollte das Gesetz von Bundestag und –rat verabschiedet werden, so wird ab Frühjahr 2015 derjenige die Provision zu zahlen haben, der den Makler beauftragt hat. Damit möchte der Gesetzgeber vor allem Mieter und Käufer in Städten schützen in denen eine sehr hohe Nachfrage nach Immobilien auf ein sehr kleines Angebot trifft und wo der Makler zumeist vom Vermieter oder Verkäufer beauftragt wird. Dort erschweren die hohen Provisionen für Makler die Wohnungssuche für Familien und Durchschnittsverdiener. Ziel der Mieter und Käufer ist es, möglichst günstig an eine Immobilie zu kommen. Gleichzeitig bezahlen sie jedoch den Makler, der an einer möglichst hohen Mietzins- oder Kaufpreiszahlung interessiert ist, da sich seine Provision prozentual daran orientiert. Der Makler wird so tatsächlich gar nicht im Interesse des Mieters tätig und sollte daher vom Vermieter oder Verkäufer entlohnt werden, da dieser ja ebenso an einem hohen Verkaufspreis oder einer hohen Miete interessiert ist.

Keine Provision ohne Leistung

Vermieter und Mieter müssen selbst bei Beauftragung eines Maklers nicht die Provision zahlen, wenn der tatsächliche Kontakt zwischen den Parteien nicht durch den Makler, sondern z. B. durch den Vormieter entstanden ist. Dann hat der Makler keine Leistung getätigt, die kausal für den Abschluss des Miet- oder Kaufvertrages geworden ist. Mieter und Käufer sollten daher immer sorgfältig prüfen, ob der Makler tatsächlich tätig geworden ist.

Schlagwörter: Provision, Widerrufsrecht,


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