Was passiert mit der Krankenversicherung bei unbezahltem Urlaub?

Autor: , verfasst am 28.09.2017, 12:59| Jetzt kommentieren

Arbeitnehmer sollten bei unbezahltem Urlaub darauf achten, ob weiterhin Versicherungsschutz über die gesetzliche Krankenversicherung besteht. Näheres erfahren Sie in diesem Ratgeber.

Krank im unbezahlten Urlaub (© MkrBerlin - Fotolia.com)
Krank im unbezahlten Urlaub
(© MkrBerlin - Fotolia.com)

Inwieweit Arbeitnehmer einen Anspruch auf eine Auszeit in Form von unbezahltem Urlaub haben, ist unterschiedlich. Normalerweise muss der Arbeitgeber hiermit, im Gegensatz zum bezahlten Erholungsurlaub, einverstanden sein.

Unter Umständen kann der Arbeitnehmer jedoch verlangen, dass er von seinem Arbeitgeber unbezahlt von der Arbeit freigestellt wird. Dies kommt etwa dann in Betracht, wenn Ihre Kinder krank sind, Sie einen nahen Angehörigen pflegen müssen, oder Sie zum Wehr- oder Zivildienst einberufen werden. Vor allem aber kann sich ein solcher Anspruch aus einer Regelung im Tarifvertrag, dem Arbeitsvertrag oder einer Betriebsvereinbarung ergeben.

 

Unbezahlter Urlaub: Wann Krankenversicherungsschutz besteht

Wichtig ist, dass bei unbezahltem Urlaub der Krankenversicherungsschutz in der gesetzlichen Krankenversicherung nur für maximal einen Monat besteht. Danach muss Ihr Arbeitgeber Sie bei der Krankenkasse abmelden. Dies ergibt sich aus § 7 Abs. 3 Satz 1 SGB IV. Das bedeutet im Klartext: Wenn Sie nur unbezahlten Urlaub von höchstens einem Monat nehmen, brauchen Sie sich keine Sorgen um Ihren Krankenversicherungsschutz zu machen.

Anders ist dies jedoch, wenn Sie sich eine längere Auszeit nehmen. Wenn Sie hier nichts unternehmen, verlieren Sie nach einem Monat den Schutz in Ihrer gesetzlichen Krankenversicherung. Sie müssen dann Arzt und Krankenhaus selbst bezahlen, was sehr teuer werden kann. Um dies zu vermeiden, sollten Sie frühzeitig Rücksprache mit Ihrer Krankenkasse halten. Hier kommen vor allem zwei Möglichkeiten in Betracht.

 

Beitragsfreie Familienversicherung für Verheiratete/Lebenspartner

Soweit Sie verheiratet/verpartnert sind und Ihr Ehegatte/eingetragener Lebenspartner gesetzlich krankenversichert ist, können Sie unter Umständen beitragsfrei in dessen Familienversicherung aufgenommen werden. Hierzu sollte sich Ihr Ehegatte mit seiner Krankenkasse in Verbindung setzen. Dies setzt derzeit voraus, dass Sie während ihrer Auszeit normalerweise nicht ein Einkommen von mehr als 425 Euro im Monat haben. Bei einem Minijob ist momentan ein Verdienst von bis zu 450 Euro monatlich erlaubt.

 

Freiwillige gesetzliche Krankenversicherung

Wenn dies nicht infrage kommt, können Sie sich freiwillig bei Ihrer Krankenkasse versichern. Der Beitrag richtet sich nach Ihren Einkünften. Sie müssen derzeit mindestens einen Monats-Beitrag von 148,75 Euro für die Krankenversicherung und wenigstens 25,29 Euro im Monat für die gesetzliche Pflegeversicherung aufbringen.

 

Fazit:

Arbeitnehmer die sich länger unbezahlten Urlaub nehmen möchten, sollten über ein gutes finanzielles Polster verfügen. Hierbei müssen Sie unter Umständen berücksichtigen, dass Sie neben laufenden Kosten für Miete, Strom etc. auch für ihren Krankenversicherungsschutz aufkommen müssen. Von daher sind langfristige Planungen unumgänglich. In Ihrem eigenen Interesse sollten Sie mit Ihrem Arbeitgeber eine genaue Vereinbarung über Ihren unbezahlten Urlaub treffen. Darin sollte vor allem die Zeitspanne des Urlaubs angegeben werden sowie der Grund. So kann der Arbeitgeber nicht etwa behaupten, dass Sie dem Arbeitsplatz unentschuldigt ferngeblieben sind und Sie deshalb kündigen. Auch der Betriebsrat ist ein guter Ansprechpartner etwa in Bezug auf die Frage, ob Ihnen unbezahlter Urlaub zusteht. Darüber hinaus sollten Sie bereits in der Planungsphase schriftlich bei Ihrer Krankenkasse erkundigen.

 

Autor: Harald Büring (Juraforum-Redaktion)


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