➤ Kirchenaustritt - Wie trete ich aus der Kirche aus?

Autor: , verfasst am 04.02.2015, 07:57| 2 Kommentare

Ein Kirchenaustritt kann verschiedene Gründe haben. Entweder man ist nicht mehr damit einverstanden, wie sich die Kirche heutzutage präsentiert oder man möchte sich ganz einfach die Kirchensteuer sparen. Die Gründe für den Kirchenaustritt sind für den Austritt an sich aber auch nicht relevant. Insgesamt ist ein Kirchenaustritt auch gar nicht so kompliziert, wie man vielleicht zunächst meint:

Kirchenaustritt: wie trete ich aus der Kirche aus? (© Bernd Kroger - Fotolia.com)
Kirchenaustritt: wie trete ich aus der Kirche aus?
(© Bernd Kroger - Fotolia.com)

 

Was benötigt man für einen ordnungsgemäßen Kirchenaustritt?

Wer aus seiner katholischen oder evangelischen Glaubensgemeinschaft austreten möchte, der muss lediglich mit seinem Personalausweis, Reisepass oder ausländischen Pass zu dem zuständigen Amt (je nach Bundesland entweder das Standesamt oder das Amtsgericht) und dort seine Austrittserklärung abgeben. Eine Voranmeldung ist dafür genauso wenig nötig wie die Angabe von Gründen. Wichtig ist allerdings das persönliche Erscheinen. Darüber hinaus gilt es zu beachten, dass die meisten zuständigen Ämter eine Bearbeitungsgebühr, abhängig vom Bundesland, verlangen:

Bundesland                                                  Amt                               Gebühr

Baden-Württemberg                           Standesamt                   10 bis 60 Euro

Bayern                                             Standesamt                   31,00 Euro

Berlin                                               Amtsgericht                   30,00 Euro

Brandenburg                                     Amtsgericht                   kostenlos

Bremen                                            Standesamt                   kostenlos

Hamburg                                          Standesamt                   31,00 Euro

Hessen                                            Amtsgericht                   25,00 Euro

Mecklenburg-Vorpommern                   Standesamt                   10,00 Euro

Niedersachsen                                  Standesamt                   25,00 Euro

Nordrhein-Westfalen                          Amtsgericht                   30,00 Euro

Rheinland-Pfalz                                 Standesamt                   20,45 Euro

Saarland                                          Standesamt                   32,00 Euro

Sachsen                                          Standesamt                   26,00 Euro

Sachsen-Anhalt                                Standesamt                   30,00 Euro

Schleswig-Holstein                            Standesamt                    20,00 Euro

Thüringen                                       Standesamt                    30,00 Euro

Was gilt es sonst zu beachten?

  • Austrittsalter

Jugendliche ab 14 Jahren können selbstständig, d.h. ohne Zustimmung der gesetzlichen Vertreter (i.d.R. die Eltern), aus der Kirche austreten. Wer lediglich 12 Jahre ist, jedoch noch keine 14 Jahre, der muss zusammen mit seinen Eltern persönlich vor dem zuständigen Amt erscheinen und gemeinsam die Erklärung des Kirchenaustritts abgeben. Ist das Kind noch keine 12 Jahre alt, so entscheiden alleine die Erziehungsberechtigten.

Deutsche, die in Deutschland in eine Religionsgemeinschaft hinein getauft wurden, heute Ihren Wohnsitz im Ausland haben, können vom Ausland aus nicht einfach aus der Kirche austreten. In diesen Fällen besteht ebenso die Erforderlichkeit des persönlichen Erscheinens. Allerdings müssen diejenigen im Ausland lebenden Deutschen zumindest keine Kirchensteuern zahlen.

  • Persönliches Familienstammbuch

Das Familienstammbuch beinhaltet beispielsweise Dokumente wie die Heiratsurkunde, auf der auch die Konfessionszugehörigkeit(en) angegeben sein können. Wer die Eintragung des Kirchenaustritts im Familienstammbuch daher vermerkt haben möchte, sollte sein Familienstammbuch zur zuständigen Behörde mitnehmen. Ansonsten ist die Mitnahme des persönlichen Stammbuches für den Austritt aus seiner Religionsgemeinschaft in der Regel nicht nötig.

Darüber hinaus sind auch anderweitige Unterlagen – wie Taufschein, Konfirmationsurkunde etc. – nicht notwendig.

  • Bescheinigung des Austritts

Wer den Kirchenaustritt erklärt, sollte sich dies unbedingt bescheinigen lassen. Der Austritt wird nämlich nicht dauerhaft, sondern nur für 10 Jahre, in den Registern gespeichert. Wer bei staatlicher Aufforderung eines Beweises, seinen Kirchenaustritt nicht nachweisen kann, muss unter Umständen eine Nachzahlung von Kirchensteuern erwarten.

Eine solche Bescheinigung des Kirchenaustritts kann allerdings, je nach Bundesland, mit einer weiteren Gebühr verbunden sein, die jedoch, in Anbetracht der möglichen Konsequenzen, wesentlich geringer sein wird.

  • Wirksamkeit des Austritts

Die Kirchensteuerpflicht endet in der Regel in dem Monat, in dem der Kirchenaustritt erfolgt ist. In einigen Bundesländern findet der wirksame Austritt allerdings erst einen bis zwei Monate später statt.

Seit 2011 sind ausschließlich die Finanzämter für die Änderung des Kirchensteuermerkmals auf der Lohnsteuerkarte zuständig. Seit 2012 werden solche Änderungen automatisch vorgenommen. Man muss sich selbst also nicht mehr darum kümmern. Es ist dennoch ratsam, die Lohnsteuerkarte daraufhin zu überprüfen, ob der Kirchenaustritt tatsächlich dort vermerkt wurde.

  • Folgen des Austritts
    • Rechtliche Konsequenzen

Der wirksame Kirchenaustritt hat rechtlich zur Folge, dass der deutsche Staat keinen Anspruch mehr auf Kirchensteuern hat. Ebenso entfällt die Pflicht zur Teilnahme am Religionsunterricht.

Derjenige, dessen Arbeitsgeber einer Glaubensgemeinschaft angehört, wird allerdings regelmäßig mit der Beendigung des Dienstverhältnisses rechnen dürfen, da dieses häufig an eine kirchliche Mitgliedschaft gebunden ist. Der Verwaltungsgerichtshof Baden-Württemberg (mit Urteil vom 26.05.2003, Az.: 9 S 1077/02) und das Landesarbeitsgericht Rheinland-Pfalz (mit Urteil vom 02.07.2008, Az.: 7 Sa 250/08) haben in solchen Fällen eine Kündigung wegen Kirchenaustritts als zulässig angesehen. Der Verwaltungsgerichtshof Ba-Wü hat dies sogar für diesen Fall angenommen, in der eine leitende Krankenschwester in einem evangelischen Krankenhaus aus der katholischen Kirche ausgetreten war und konfessionslos blieb.

Das Bundesarbeitsgericht (BAG) unterstützte mit seinem Urteil vom 25.04.2013 (Az.: 2 AZR 579/12) diese Ansicht und entschied, dass in solchen Fällen der Arbeitnehmer eben nicht dadurch nach dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz (AGG) diskriminiert werde.

  • Katholische Kirche

Die katholische Kirche kennt das Verfahren eines „Austritts aus einer Glaubensgemeinschaft Kirche“ nicht, da eine Taufe nicht rückgängig gemacht werden kann. Dennoch bewirkt eine Erklärung des Kirchenaustritts nach ständiger Praxis die Exkommunikation. Dies bedeutet nicht etwa aber den kompletten Ausschluss aus der Kirche, sondern lediglich der Verlust bestimmter Mitgliedschaftsrechte als Beugestrafe.

  • Evangelische Kirche

Die evangelische Kirche kennt hingegen den Kirchenaustritt. Dieser wird in der Regel nach den staatlichen Kirchenaustrittsgesetzen durch die zuständige Behörde erklärt.

  • Wiedereintritt

Wer aus der Kirchenmitgliedschaft ausgetreten, hat grundsätzlich auch die Möglichkeit wieder in die Glaubensgemeinschaft zurückzukehren. Allerdings nur dann, wenn die jeweilige Religionsgemeinschaft auch bereit ist, den Ausgetretenen wieder aufzunehmen.

Quelle: Juraforum.de (sk)

Schlagwörter: Kirchenaustritt, Kirchenaustrittserklärung, Austritt aus der Kirche / Kirchenmitgliedschaft, Standesamt, Amtsgericht, katholische / evangelische Kirche, Glaubensgemeinschaft, Religionsgemeinschaft


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Bisherige Kommentare zum Ratgeber (2)

burchardt hans  (16.09.2017 12:15 Uhr):
hallo als Eltern haben wir unsere kinder taufen lassen !!! uns wurde gesagt das die kinder es mit der Konformation die taufe bestätigen oder auch nicht da sie mit 14 kirchen mündig sind. ALSO OHNE KONFIRMATION KEINE ZUSTIMMUNG ALSO WAS DIE KINDER NICHT ZUSTIMMEN HABEN SIE JA AUCH NICHT ZU KÜNDIGEN!!! ODER HAT ES HIER NUR ETWAS MIT GEBÜHREN ZU TUN ???
Manuel  (29.09.2015 19:29 Uhr):
Hallo, ich wurde in Deutschland getauft, wohne jetzt aber im europäischen Ausland und plane auch nicht wieder nach Deutschland zurückzukehren. Hier steht, dass man mit Wohnsitz im Ausland nicht so einfach aus der Kirche ausreten kann. Was beudetet das? Wie genau kann ich austreten, wenn ich meinen Wohnsitz nicht in Deutschland habe? Vielen Dank! Manuel





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