Einkauf im Laden: kann ich Kleidung einfach umtauschen?

Autor: , verfasst am 25.03.2014, 15:21| Jetzt kommentieren

Lange Schlange vor der Umkleidekabine, keine Lust auf Anstehen. Die Entscheidung zum „Blind-Kauf“ ist getroffen und zu Hause stellt man wie so oft fest, dass die Hose doch zu klein ist. Während im Online-Handel nun ein 14-tägiges Rückgaberecht in Form eines Widerrufsrechts gesetzliche verpflichtend für den Fernabsatz festgeschrieben ist, ist die Rechtslage offline anders zu beurteilen. Hat man ein Recht auf Rückgabe der gekauften Kleidung im Einzelhandel?

Nur beim Internet-Klamottenkauf hat man ein gesetzliches Widerrufsrecht. (© Sandra Knopp - Fotolia.com (Symbolfoto))
Nur beim Internet-Klamottenkauf hat man ein gesetzliches Widerrufsrecht.
(© Sandra Knopp - Fotolia.com (Symbolfoto))

Es existiert definitiv kein gesetzliches Rückgaberecht für gekaufte Kleidungsstücke, soviel kann man vorweg nehmen. Anders verhält es sich, wenn die gekaufte Ware mangelhaft ist, hier gelten die Vorschriften des § 437 BGB.

Im Regelfall ist die Ware allerdings nicht mangelhaft, sondern soll zurückgegeben werden weil sie nicht mehr gefällt oder nicht passt. In diesem Fall ist man auf die Kulanz des Verkäufers angewiesen.

Daraus ist auch zu folgern, dass man selbst bei Rücknahme der mangelfreien Kleidung einen Anspruch auf Bargeld anstatt einer Gutschrift hat. Im Prinzip ist es schon erfreulich, wenn der Verkäufer überhaupt die Ware wieder annimmt. Die detaillierten Bedingungen des Umtausches sind häufig in den AGB des jeweiligen Unternehmens festgehalten und können auch grundsätzlich freigestaltet werden.

Mangel der Kleidung ändert alles

Befinden sie sich in der „glücklichen“ Lage einen Artikel umtauschen zu wollen und haben gleichzeitig einen Mangel festgestellt, so gelten komplett andere Grundsätze.

Gem. §§ 433, 434 ff. BGB ist der Verkäufer durch den geschlossenen Kaufvertrag verpflichtet, dem Käufer ein sach- und rechtsmangelfreie Sache zu übergeben. Die Rechtsfolgen in diesem Fall ergeben sich aus § 437 BGB. Der Verkäufer obliegt es dann nachzubessern oder die Sache zu ersetzen. Die Gewährleistungsrechte gelten wie bei jedem anderen Kaufvertrag zwei Jahre.

In den ersten sechs Monaten muss der Verkäufer beweisen, dass der Mangel nicht durch die Produktion oder den Betrieb des Verkäufers verursacht wurde. Nach diesen sechs Monaten tritt die Beweislastumkehr ein und der Erwerber muss diesen Umstand, welcher Voraussetzung für die Rechtsfolgen gem. § 437 BGB ist, beweisen.

Zum Umtauschen besser Kleidung online kaufen

Da, wie oben geschildert, Online-Shops verpflichtet sind eine 14-tägige Widerrufsfrist einzuräumen, kann beim Umtausch im Rahmen eines Online-Kaufs darauf bestanden werden, dass der Verkäufer die Ware auch gegen Erstattung von Geld zurücknimmt. Im Falle des Widerspruchs existierte rechtlich nie ein Kaufvertrag zwischen Verkäufer und Käufer.

Im Einzelhandel kann allerdings auch zumeist auf Kulanz gebaut werden, den meisten Händler und Verkäufer ist eine wohlgesonnte Kundschaft lieber als ein schneller Euro. Bewahren sie den Kassenbon auf. Auch wenn dies nicht zwingend Grundvoraussetzung ist, kann es lästige Diskussionen ersparen und lässt die Hoffnung auf Kulanz deutlich steigen.

Quelle: JuraForum.de

Schlagwörter: Kleidung umtauschen, Kaufrecht, Mangel Kaufsache, Gesetzliches Rückgaberecht


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