Garantie und Gewährleistung – Unterschiede im Verbrauchsgüterkauf

Autor: , verfasst am 29.10.2014, 08:07| Jetzt kommentieren

In einem Laden passiert es häufig, dass Ihnen ein Verkäufer bei der Frage „Ist darauf eine Garantie?“, antwortet: „Natürlich, die gesetzliche Garantie von zwei Jahren.“ Wenn Sie dann aber bei einem Mangel der Sache zum Verkäufer zurückgehen und von ihm eine neue Sache oder Reparatur des Mangels verlangen, wird er sich wahrscheinlich darauf berufen, dass Sie beweisen müssen, dass der Mangel bereits beim Kauf bestanden hat. So ist es grundsätzlich auch geregelt. Allerdings gibt es hier feine Unterschiede.

Garantie (© Kautz15 - Fotolia.com)
Garantie
(© Kautz15 - Fotolia.com)

Zur Gewährleistung beim Verbrauchsgüterkauf

Grundsätzlich gilt bei einem Kaufvertrag, dass der Verkäufer bei einem Mangel der Sache dazu verpflichtet ist, die Sache entweder auszutauschen oder zu reparieren. Dieser Anspruch unterliegt aber der Verjährung. Die Verjährung beträgt zwei Jahre und beginnt mit dem Zeitpunkt der Übergabe der Sache. Nach diesen zwei Jahren muss der Verkäufer die Sache nicht neu liefern oder sie reparieren. 

Allerdings ist auch hier zu beachten, dass der Mangel bereits bei der Übergabe bestanden haben muss. Haben Sie beispielsweise ein Auto gekauft, dass beim Kauf einwandfrei funktioniert hat und fahren dann eine Beule bei einem Unfall in das Auto rein, stellt dies zwar einen Mangel dar, allerdings ist dieser Mangel erst später aufgetreten und berührt damit nicht die Pflicht des Käufers zur mängelfreien Leistung.

Außerdem ist zu beachten, dass die Beweislast für den Nachweis, dass die Sache bei der Übergabe mangelhaft war, der Käufer zu tragen hat. Das heißt, Sie als Kunde müssen dem Verkäufer nachweisen, dass der Mangel bereits beim Kauf bestand. Dies kann häufig sehr schwierig werden, da hierzu teure Gutachter herangezogen werden müssen.

Eine Ausnahme von dieser Beweislast gilt im Verbrauchsgüterkauf. Ein solcher Fall liegt vor, wenn Sie als Privatperson (Verbraucher im Sinne des §13 BGB) bei einem Unternehmer (im Sinne des §14 BGB) eine Sache kaufen.

Nach §476 BGB gilt für diesen Fall, dass während der ersten 6 Monate nach dem Kauf vermutet wird, dass der Mangel bereits bestand und der Verkäufer nachweisen muss, dass der Mangel erst nach dem Kauf eingetreten ist. Allerdings gilt nach Rechtsprechung des BGH, dass sich diese Vermutung nur auf diesen Sachmangel, der sich innerhalb von 6 Monaten gezeigt hat, bezieht. Ein Beispiel: Wenn Sie sich einen neuen Fernseher kaufen und diesen das erste Mal anschließen und alles problemlos funktioniert, am nächsten Tag allerdings der Bildschirm nicht mehr funktioniert, bedeutet das, dass die Beweislastumkehr hier nicht einschlägig ist. Der Bildschirm hat nämlich nach Übergabe der Sache zuerst funktioniert. Dass dieser Umstand eventuell auf eine bestimmte mangelhafte Diode zurückzuführen ist, der einen Mangel darstellen würde, müssen leider Sie nachweisen!

Die gesetzlich geregelten Gewährleistungsrechte stellen also keinesfalls eine Garantie im umgangssprachlichen Sinn dar!

Die Garantie

Eine Garantie zeichnet sich dadurch aus, dass hier zwischen Verbraucher und Unternehmer eine vertragliche Haftung für Mängel während eines bestimmten Zeitraums festgelegt wird. Der Unternehmer erklärt also bei bestimmten Mängeln der Sache in einem von ihm festgelegten Umfang zu haften und solche Mängel beispielsweise auszubessern oder eine neue Sache zu liefern. Eine solche vertragliche Haftung berührt dabei allerdings nicht die oben genannten gesetzlichen Gewährleistungsansprüche. Zudem ist es nicht notwendig, dass der Käufer sich ausdrücklich mit dieser Garantieübernahme einverstanden erklärt; sie kann sich sogar aus der Werbung ergeben.

Diese Garantie kann sowohl vom Händler, wie auch vom Hersteller übernommen werden.

Ein gesetzlicher Gewährleistungsanspruch ist nicht mit einer Garantie gleichzusetzen!

Achten Sie also bei einem Kauf darauf, ob es sich hier explizit um eine Garantie handelt oder, ob ein Verkäufer nur auf die gesetzliche Gewährleistung hinweist und die Fachtermini falsch benutzt.

Schlagwörter: Garantie, Gewährleistung, Verbraucher, Unternehmer, Verbrauchsgüterkauf


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