Was Inkassounternehmen dürfen – UND WAS NICHT!

Autor: , verfasst am 13.10.2014, 07:40| 1 Kommentar

Viele Menschen sind schnell verunsichert, wenn ein Inkassounternehmen sich meldet um mögliche Schulden einzutreiben. Nicht selten kommen den Betroffenen die Praktiken der Inkassobüros dabei komisch vor und man fragt sich: Was sind Inkassounternehmen überhaupt und was dürfen die eigentlich?

Inkasso  (© Teamarbeit - Fotolia.com)
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Was sind Inkassounternehmen?
Ein Inkassounternehmen oder auch Inkassobüro, ist ein Unternehmen, das seinem Vertragspartner, in der Regel ein anderes Unternehmen, dabei unterstützt das ihm geschuldete Geld einzutreiben. Der Gläubiger einer Forderung gibt dem Inkassounternehmen dabei das Recht, die Forderung an seiner Stelle einzuziehen. Dies geschieht entweder dadurch, dass der Gläubiger seine Forderung an das Inkassounternehmen abtritt oder dem Inkassobüro eine Vollmacht darüber erteilt die Forderung einzuziehen.

Wer als Inkassodienstleister tätig werden will, muss zunächst einmal einen Antrag auf Registrierung beim örtlich zuständigen Amts- oder Landgericht stellen. Dabei muss die theoretische und praktische Sachkunde in den relevanten Rechtsgebieten – unter anderem im Bürgerlichen Recht, Handelsrecht und Zivilprozessrecht – nachgewiesen werden. Zwar gelten für die Tätigkeit als Inkassodienstleister besondere Zulassungsregelungen, aber unterm Strich sind es ganz normale private Unternehmen ohne Sonderrechte.

Was dürfen Inkassobüros?
Auch Inkassobüros haben sich an die gesetzlichen Bestimmungen zu halten, wenn es um die Eintreibung von Forderungen geht und müssen den selben Weg wie alle anderen gehen, um an ihr Geld zu kommen. Seriöse Inkassounternehmen, die beauftragt wurden um eine fällige Forderung beizutreiben, werden den Schuldner im ersten Schritt meist schriftlich zur Zahlung auffordern. Dabei ist das Inkassobüro auch berechtigt, den Schuldner auf die möglichen rechtlichen Folgen seines Zahlungsverzugs, wie etwa die gerichtliche Durchsetzung der Forderung und anschließende Zwangsvollstreckung hinzuweisen.

Erkennt der Schuldner die Forderung grundsätzlich als berechtigt an, ist aber momentan nicht zahlungsfähig, kann das Inkassobüro unter Umständen eine Stundungs- oder Ratenzahlungsvereinbarung mit ihm aushandeln. Die Abwicklung dieser Vereinbarung ist dann in der Regel gleichfalls Sache der Inkassofirma. Andernfalls können Inkassounternehmen bei entsprechendem Auftrag des Gläubigers ein gerichtliches Mahnverfahren einleiten. Ergeht an dessen Ende ein rechtskräftiger Vollstreckungsbescheid, kann daraus mit Hilfe des Gerichtsvollziehers beim Schuldner gepfändet werden.

Keine illegalen Praktiken
Inkassounternehmen besitzen keine Sonderrechte. Sie sind deshalb weder berechtigt, Sachen einfach zu pfänden, noch Wohnungen oder Grundstücke einfach zu betreten. Dazu berechtigt ist nur der Gerichtsvollzieher! Andernfalls machen sich die Mitarbeiter des Inkassobüros strafbar. Selbstverständlich ist auch jede Form von Nötigung oder Zwang, wie etwa durch die Drohung mit einer Strafanzeige, wenn nicht unverzüglich bezahlt wird, nicht erlaubt und ebenfalls strafbar. Auch nächtliche Anrufe oder das Befragen von Nachbarn sind tabu. Gern nutzen Inkassounternehmen auch die Angst vor einem negativen Schufa-Eintrag, um den Schuldner zur Zahlung zu bewegen und drohen ihm damit. Doch nicht jede vermeintliche Forderung darf einfach der Schufa gemeldet werden. Nur Forderungen, die entweder durch ein Gericht rechtskräftig festgestellt wurden, Forderungen denen trotz zweifacher Mahnung nicht widersprochen wurde oder Forderungen die zur außerordentlichen Kündigung des Vertragsverhältnisses durch den Gläubiger berechtigen, dürfen überhaupt gemeldet werden.

Fazit:
Wer sich mit rechtswidrigen Praktiken eines Inkassounternehmens konfrontiert sieht, sollte dies dem zuständigen Amts- oder Landgericht melden. Unter Umständen kann es auch sinnvoll sein, Strafanzeige gegen das Inkassobüro zu erstatten. Prüfen Sie vor jeder Zahlung die von dem Inkassobüro geltend gemachte Forderung. Bitten Sie um eine detaillierte Forderungsaufstellung. Lassen Sie sich ggf. die Abtretungserklärung oder die Geldempfangsvollmacht unterschrieben vom Gläubiger vorlegen, bevor Sie an das Inkassobüro zahlen. Zukünftig soll übrigens ein neues Gesetz Inkassounternehmen verpflichten, im Inkassoschreiben detailliert anzugeben, wer ihr Auftraggeber ist, woraus sich die Forderung ergibt und wie die Inkassokosten berechnet werden.

Schlagwörter: Inkassounternehmen, Inkassobüro, Forderung


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Bisherige Kommentare zum Ratgeber (1)

HJV  (24.04.2015 04:54 Uhr):
Darf ein Inkassobüro einen Gehaltsnachweis oder Arbeitsvertrag einfordern , auch wenn der Schuldner seiner Ratenvereinbarung nachkommt ?





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