Wann kann ein Doktortitel aberkannt werden?

Autor: , verfasst am 27.01.2015, 07:23| Jetzt kommentieren

Bei dem „Doktortitel“ handelt es sich um einen akademischen Grad, welcher durch Universitäten verliehen wird. Um diesen zu erlangen, bedarf es der Veröffentlichung einer Dissertation, einer Doktorarbeit, welche in schriftlicher Form erfolgen muss. In der Regel ist zusätzlich noch eine mündliche Prüfung notwendig, um den Doktortitel zu erlangen. Ist dieser einmal verliehen, so gilt er auf Lebenszeit; er kann jedoch in bestimmten Fällen von der Hochschule aberkannt werden, welche ihn verliehen hat – wie es beispielsweise Herrn zu Guttenberg passiert ist. Wann dies notwendig ist, wird gemäß der Hochschulgesetze sowie der Studien- und Promotionsverordnungen der Universitäten definiert. Personen, denen der Doktorgrad aberkannt worden ist, dürfen sich demzufolge nicht mehr „Doktor“ nennen.

Doktortitel (© Gina Sanders - Fotolia.com)
Doktortitel
(© Gina Sanders - Fotolia.com)

Zu den häufigsten Gründen, die zur Aberkennung eines Doktortitels führen, zählen:

  • Täuschung
  • Plagiate
  • Unwürdigkeit,

wobei die ersten beiden Kriterien häufig untrennbar miteinander verbunden sind.

So wird es als Täuschung angesehen, wenn sich im Nachhinein herausstellt, dass die Doktorarbeit Plagiate enthält. Als solche werden Textpassagen angesehen, welche nicht aus der Feder des Doktoranden stammen, sondern das geistliche Gut einer anderen Person sind. Es ist zwar nicht verboten, derartige Textstellen zu verwenden, jedoch müssen diese klar und deutlich mit Quellenangaben versehen werden. Wer hat den Text geschrieben? Wann wurde er veröffentlicht? Unter welchem Titel? Auf welcher Seite/Zeile ist die Textpassage zu finden? Fehlen derartige Quellenangaben, so besteht der Verdacht der Täuschung. Hinzu kommt, dass durch bloßes Abschreibens fremder Texte der Verdacht besteht, die für die Verleihung eines Doktortitels erforderliche selbständige Leistung nicht gegeben ist, was dazu führt, dass der Doktortitel aberkannt wird [VG Regensburg, 31.07.2014, RO 9 K 13.1442]; [VG Berlin, 25.06.2009, 3 A 319.05]. Zu beachten ist, dass nicht nur die wortwörtliche, sondern auch die sinngemäße Übernahme fremder Textpassagen ohne korrekte Quellenangaben als Täuschung angesehen wird [Bayerischer VGH, 04.04.2006, 7 BV 05.388].

Als besonders schwerwiegende Täuschung werden jene Fälle angesehen, in denen durch Täuschung ein akademischer Grad erworben wurde, der für den ausgeübten Beruf relevant ist, beispielsweise bei einem Arzt.

Für die Begrifflichkeit „Plagiat“ besteht keine eigene gesetzliche Definition. Jeder Text beziehungsweise jede Textpassage, die nicht seitens des Erstellers der Doktorarbeit geschrieben worden ist und nicht mit einer ausführlichen Quellenangabe versehen wird, gilt als Plagiat und somit als Täuschung.

Auch jede Fußnote ist entsprechend zu kennzeichnen.

Grundsätzlich gilt: jede Textpassage, die nicht als eigenes Gedankengut anzusehen ist, bedarf einer Kennzeichnung. Es ist nicht ausreichend, allgemein das fremde Werk zu nennen [VG Frankfurt am M., 23.05.2007, 12 E 2262/05]. Ebenso wenig reicht es auch, innerhalb einer Doktorarbeit nur gelegentlich die Zitate korrekt anzugeben, an anderen Stellen jedoch gar nicht. Auch hier besteht der Verdacht einer bewussten Täuschung, was zur Aberkennung des Doktortitels führt [VG Darmstadt, 14.04.2011, 3 K 899/10.DA].

Wird ein Doktortitel aufgrund fehlender Quellenangaben in der Dissertation aberkannt, so ist es nicht von Bedeutung, ob diese auch ohne diese Textpassagen Bestand hätte. So urteilte der Verwaltungsgerichtshof Baden-Württemberg in einem Fall, in dem der Doktorand die Überzeugung vertrat, der Doktortitel würde ihm auch für jene Textstellen zustehen, die er selbständig erstellt hatte. Für das Gericht ist dies bedeutungslos – aufgrund der begangenen Täuschung ist die Aberkennung des Doktortitels gerechtfertigt [VGH BW, 13.10.2008, 9 S 494/08].

Neben den Kriterien der Täuschung und des Plagiats kann ein Doktortitel auch aufgrund von Unwürdigkeit aberkannt werden. Diese ist gegeben, wenn sich der Träger des Doktortitels als moralisch oder strafrechtlich unwürdig verhält. Ursprünglich wurde diese Option von den Nationalsozialisten ins Leben gerufen; sie diente dem Zweck der Demütigung von unerwünschten Personen beziehungsweise der Erschwerung ihres Daseins. Heutzutage muss ein massives Fehlverhalten vorliegen, damit ein Doktortitel aufgrund von Unwürdigkeit aberkannt werden kann. Reine Unfähigkeit – beispielsweise wissenschaftliches Fehlverhalten – zählen ebenso wenig dazu wie Täuschung bei der Erstellung der Dissertation. Ist das wissenschaftliche Fehlverhalten allerdings als sehr schwerwiegend zu bezeichnen, so ist eine Aberkennung des Doktortitels gerechtfertigt [VHG BW, 14.09.2011, 9 S 2667/10].

Schlagwörter: doktortitel, Plagiate, Aberkennung des Doktortitels


Nachrichten zum Thema
  • BildUnwürdig auch für einen redlich erworbenen Doktortitel (01.08.2013, 10:33)
    Leipzig (jur). Auch ein redlich erworbener Doktortitel kann später entzogen werden, wenn ein Wissenschaftler sich „unwürdig“ verhält. Das hat das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig am Mittwoch, 31. Juli 2013, entschieden (Az.: 6 C 9.12). Es...
  • BildDoktortitel in Gefahr (06.05.2011, 10:54)
    Darmstadt/Berlin (DAV). Wer bei seiner Doktorarbeit ganze Textteile kopiert, ohne dies kenntlich zu machen, riskiert die Aberkennung seines Doktorgrades. Festgestellt werden muss eine vorsätzliche Täuschungshandlung, entschied das...
  • BildMit Korea-Erfahrung zum Doktortitel (16.09.2010, 13:00)
    Internationales DFG-Graduiertenkolleg „Selbstorganisierende Materialien für optoelektronische Anwendungen“ verabschiedet erste DoktorandenVon Mainz nach Korea und wieder zurück: Die Promotionsurkunde hat einen langen Weg hinter sich. Dafür trägt...
  • BildGut gerüstet zum Doktortitel (20.04.2010, 12:00)
    Saar-Uni fördert Doktoranden mit speziellen Kursen und WorkshopsStrukturen von Proteinen untersuchen oder Online-Methoden im Fremdsprachenunterricht - Doktoranden arbeiten über mehrere Jahre an ihrem Thema und haben mit dem schließlich erworbenen...
  • BildDer effektive Weg zum Doktortitel (17.10.2009, 13:00)
    2. Greifswalder Promotionsbörse für MedizinerNach der erfolgreichen Premiere vor einem Jahr mit über 250 Besuchern veranstaltet die Fachschaft der Medizin in Zusammenarbeit mit dem Dekanat der Medizinischen Fakultät der Universität Greifswald am...
  • BildDoktortitel für Tourismus-Mitarbeiter der Hochschule Harz (11.06.2008, 18:00)
    Große Freude im Arbeitsbereich Tourismus des Kompetenzzentrums für Informations- und Kommunikationstechnologien, Tourismus und Dienstleistungen der Hochschule Harz:Martin Linne, seit zwei Jahren Mitarbeiter im Kompetenzzentrum, wurde von der...

Kommentar schreiben

62 + Z w;ei =

Bisherige Kommentare zum Ratgeber (0)

(Keine Kommentare vorhanden)





Anwalt für Hochschulrecht

Weitere Orte finden Sie unter

JuraForum-Suche

Durchsuchen Sie hier JuraForum.de nach bestimmten Begriffen:

© 2003-2017 JuraForum.de — Alle Rechte vorbehalten. Keine Vervielfältigung, Verbreitung oder Nutzung für kommerzielle Zwecke.