Anerkennung ausländischer Doktortitel in Deutschland – Rechtslage

Autor: , verfasst am 27.09.2017, 13:03| Jetzt kommentieren

Wer an einer ausländischen Hochschule einen Doktortitel erworben hat, darf nicht ohne Weiteres einen deutschen Doktortitel führen. Näheres erfahren Sie in diesem Ratgeber.

Führung eines ausländischen Doktortitels in Deutschland (© Gina Sander - Fotolia.com)
Führung eines ausländischen Doktortitels in Deutschland
(© Gina Sander - Fotolia.com)

Manche deutschen Absolventen begeben sich zur Promotion ins Ausland. Sie glauben, im Anschluss daran einen deutschen Doktortitel führen zu dürfen. Doch das ist längst nicht immer der Fall.

Ein Irrtum kann ärgerliche Folgen nach sich ziehen. Denn viele Bundesländer gehen gegen das unberechtigte Führen eines deutschen Doktortitels vor - etwa durch eine Unterlassungsklage. Darüber hinaus ist das unbefugte Führen von akademischen Graden strafbar nach § 132a StGB.

 

Ausländischer Doktortitel muss gleichwertig sein

Zum Führen eines im Ausland erworbenen Doktortitels als deutschen Doktortitel „Dr.“ muss nicht erst bei der Behörde des jeweiligen Bundeslandes eine Genehmigung eingeholt zu werden. Vielmehr obliegt dies der Eigenverantwortung des jeweiligen Trägers. Das bedeutet: Er muss prüfen, ob der im Ausland erworbene akademische Grad als gleichwertig anzusehen ist.

 

Maßgeblich: Kriterien der Bologna-Klassifikation

Dies ist nur dann der Fall, wenn er die dritte Stufe der sogenannten Bologna-Klassifikation erfüllt. Das bedeutet: Der Erwerb des jeweiligen ausländischen Doktortitels muss einen eigenständigen wissenschaftlichen Beitrag voraussetzen. Bei welchen Abschlüssen hiervon auszugehen ist, richtet sich nach den Hochschulgesetzen der einzelnen Bundesländer. Diese sind ähnlich, weil sie sich an den Beschlüssen der Kultusministerkonferenz orientieren.

Eine Gleichstellung kommt insbesondere in Betracht, soweit die Bundesrepublik Deutschland mit dem jeweiligen Staat ein Äquivalenzabkommen abgeschlossen hat. Dieses wurde etwa mit der Schweiz, der Slowakei, Italien, Österreich, Polen, Tschechien und Ungarn abgeschlossen. Das gilt aber nur für diejenigen ausländischen Doktortitel des jeweiligen Landes, die nach dem Äquivalenzabkommen wirklich gleichgestellt sind.

 

Keine Anerkennung von Berufsdoktoraten

Keine Chance auf Anerkennung ausländischer Doktortitel in Deutschland besteht vor allem bei einem Berufsdoktorat. Bei einem Berufsdoktorat handelt es sich um einen Hochschulabschluss, der lediglich zu der Ausübung eines bestimmten Berufes berechtigt. Ein Beispiel hierfür ist die in Deutschland verliehene Approbation eines Arztes. Dieser darf sich nur als „Dr.“ bezeichnen, wenn er promoviert hat. Dies ist im Ausland teilweise anders. So darf man sich mit einem Hochschulabschluss einer italienischen Hochschule als „dottore“ ausgeben. In Deutschland ist hingegen das Führen eines deutschen Doktortitels ohne Promotion auf jeden Fall unzulässig.

Wie die Einstufung des jeweiligen ausländischen Doktortitels konkret aussieht, kann insbesondere über das Informationssystem ANABIN in Erfahrung gebracht werden. Dabei sollte bei der Eingabe auf die genaue Schreibweise geachtet werden. Denn in manchen Ländern wie Tschechien gibt es ähnlich klingende Bezeichnungen. Darüber hinaus sollte sicherheitshalber eine schriftliche Anfrage bei der zuständigen Behörde des jeweiligen Bundeslandes erfolgen.

Weitere nützliche Informationen zur Führung von ausländischen Hochschulgraden gibt es vor auf dieser Webseite der Kultusminister Konferenz. Dort können Sie unter „Merkblätter der Bundesländer und weitere Informationen im Internet“ die Anschrift der jeweiligen Stelle entnehmen. Wenn Sie unsicher sind, fragen Sie am besten bei der jeweiligen Landesregierung Ihres Bundeslandes nach.

 

Autor: Harald Büring (Juraforum-Redaktion)


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