Liposuktion: Kostenübernahme durch Krankenkasse bei Lipödem?

Autor: , verfasst am 21.01.2015, 07:52| 9 Kommentare

In unserer heutigen Gesellschaft sind die empfundenen Anforderungen an das Individuum bedauerlicherweise sehr hoch. Besonders wichtig sind heutzutage beispielsweise nicht nur ein gewisser Bildungsniveau, sondern auch ein entsprechendes Schönheitsideal. Als vermeintlicher ultimativer Schönheits-Maßstab gelten dabei vor allem die heutigen Stars, Sternchen und Promis aus den Medien, seien es Film, Fernsehen, Musik oder Mode. Dabei scheinen Modells ein besonders hartes Los gezogen zu haben, denn mittlerweile wird zum Teil sogar Size 0 – also ein in vielen Fällen ungesundes Schlanksein – gefordert. Dank dieser Indoktrination der Medien, die dieses „schlank und sexy“-Schönheitsideal vorleben, ist es kaum verwunderlich, wieso bereits Teenager, aber auch erwachsene Frauen und Männer ein solches Aussehen anstreben – oder bei Nichterfüllen darunter leiden.

Liposuktion: Kostenübernahme durch Krankenkasse bei Lipödem? (© devilpup – Fotolia.com)
Liposuktion: Kostenübernahme durch Krankenkasse bei Lipödem?
(© devilpup – Fotolia.com)

Doch nicht jedes Körperfett ist selbstverschuldet, sodass Diäten oder Sport nicht wirken. Denjenigen, die unter einem solchen Lipödem leiden, hilft lediglich ein Fettabsaugen (also eine sog. Liposuktion), damit die psychische Belastung, die durch den Fettüberschuss aufgrund des heutigen Schönheitsideals ausgelöst wird, zumindest eingedämmt werden kann. Übernehmen jedoch die Krankenkassen die Kosten für eine solche Krankenhausbehandlung?

Was genau ist ein Lipödem?

Das Lipödem – auch bekannt als Reiterhosensyndrom, Säulenbein oder Reithosenfettsucht – ist eine chronische Erkrankung, die in der Regel Frauen betrifft. Dabei handelt es sich, anders als bei der Adipositas, um eine krankhafte Häufung von Fettgewebe, die überwiegend die Arme, Beine und Hüften betrifft. Meistens tritt diese Krankheit aufgrund hormoneller Veränderungen nach der Pubertät oder einer Schwangerschaft auf. Mit dem ersten Erscheinen der Krankheit nimmt der Umfang der betroffenen Körperpartien stetig zu.

Neben den damit einhergehenden – bereits erwähnten – psychischen Belastungen, leiden die Betroffenen in der Regel unter starken Schmerzen, die durch die Schwellungen der erkrankten Körperstellen ausgelöst werden.

In späteren Stadien kommt in vielen Fällen ein Lymphödem hinzu. Aber auch die Kniegelenke sind auf Dauer dem starken Druck nicht gewachsen, weswegen nicht selten zahlreiche Knie-Operationen folgen.

Werden die Kosten für eine Liposuktion von den Krankenkassen übernommen?

Eine Liposuktion (also eine Fettabsaugung) sieht die Entfernung der betroffenen Fettzellen vor, um den Betroffenen zumindest eine neue Lebensqualität ermöglichen. Allerdings ist dieser Eingriff regelmäßig mit erheblichen Kosten verbunden.

Das Bundessozialrecht hierzu mir Urteil vom 16.12.2008 (Az.: B 1 KR 11/08 R), dass die gesetzlichen Krankenkassen nicht zur Übernahme der Behandlungskosten verpflichtet seien. Als Begründung führte das Bundessozialgericht damals an, dass der Gemeinsame Bundesausschuss keine positive Empfehlung für die bis dato noch neue Behandlungsmethode abgegeben habe. Mangels Lebensbedrohlichkeit könne die Krankenkasse auch nicht ausnahmsweise leistungspflichtig sein.

Dieser Entscheidung haben sich sowohl auch das Hessische Landessozialgericht mit Urteil vom 07.07.2011 (Az.: L 8 KR 101/10) und das Sozialgericht Mainz mit Urteil vom 23.04.2012 (Az.: S 14 KR 143/11) angeschlossen.

Das Hessische Landessozialgericht ist nun aber von seiner damaligen Entscheidung abgewichen und bejahte mit Urteil vom 05.02.2013 (Az.: L 1 KR 391/12) eine Pflicht zur Kostenübernahme. Zur Begründung führte es an, dass eine positive Empfehlung des Gemeinsamen Bundesausschusses lediglich für ambulante Behandlungen erforderlich sei, die Liposuktion allerdings stationär erfolgen müsse. In solchen Fällen bedürfe es eine Negativbewertung, um eine Kostenübernahme der Krankenkassen ausschließen zu können. Eine solche liege aber bisher nicht vor.

Darüber hinaus stellte das Hessische Landessozialgericht – ebenso wie das Sozialgericht Chemnitz mit Urteil vom 01.03.2012 (Az. Az.: S 10 KR 189/10) – darauf ab, dass die konventionellen Behandlungsmethoden, wie der manuellen Lymphdrainage und Kompressionsstrümpfe, nicht erfolgsversprechend seien. Man müsse es als Systemfehler bewerten, wenn einerseits eine Liposuktion den konventionellen Behandlungsmethoden vorgezogen wird, aber andererseits die Kosten dafür nicht übernommen werden sollen.

Fazit

Bisher sind sich die Gerichte uneins, ob die gesetzlichen Krankenkassen zu einer Kostenübernahme einer solchen stationären Behandlung verpflichtet sind. Wer in Hessen oder in Sachsen lebt, hat gute Karten, dass die Behandlungskosten der Fettabsaugung mit Verweis auf die jeweiligen Urteile doch übernommen werden. Einen solchen Verweis sollten auch die Betroffenen der übrigen Bundesländer bei dem entsprechenden Antrag an ihre Krankenkassen beifügen.

Quelle: Juraforum.de (sk)

Schlagwörter: gesetzliche Krankenkasse, Kostenübernahme, Lipödem, Liposuktion, Hessisches Landessozialgericht, Fettabsaugung


Nachrichten zum Thema
  • BildKrankenkasse muss häusliche Intensivpflege zahlen (08.04.2013, 14:14)
    Hamm/Berlin (DAV). Die Krankenkasse ist verpflichtet, die Kosten für eine häusliche Intensivpflege zu zahlen, wenn nur so eine Verschlimmerung der Erkrankung verhindert werden kann. Eine ‚Heilbehandlung’ liegt auch dann vor, wenn eine...
  • BildOrganisationsmängel helfen der Krankenkasse (26.04.2012, 09:57)
    Karlsruhe (jur). Die schlechte Zusammenarbeit zwischen einzelnen Abteilungen einer Krankenkasse kann für sie weiterhin vorteilhaft sein. Denn sie hemmt gegebenenfalls die Verjährung von Regressansprüchen, wie der Bundesgerichtshof (BGH) in...
  • BildKrankenkasse muss Brustvergrößerung nicht zahlen (13.04.2012, 11:25)
    Stuttgart/Berlin (DAV). Transsexuelle haben Anspruch auf die Übernahme der Kosten für eine geschlechtsangleichende Operation und Therapie. Für eine nachträgliche Brustvergrößerung muss die Krankenkasse jedoch nicht aufkommen. Über dieses Urteil...
  • BildKrankenkasse muss Methadon-Behandlung nicht zahlen (28.08.2009, 12:09)
    Nürnberg/Berlin (DAV). Es ist allgemein bekannt, dass Heroin außergewöhnlich schnell süchtig macht. Diese Abhängigkeit wird in der Regel bewusst in Kauf genommen. Ein Betroffener genießt daher keinen Versicherungsschutz und kann nicht verlangen,...
  • BildMedizinprodukte: Innovation - Kostenübernahme - Rechtsschutz (03.08.2006, 11:00)
    2. Augsburger Forum für Medizinprodukterecht am 26. September 2006 an der Universität Augsburg-------Für Donnerstag, den 26. September 2006, lädt die Forschungsstelle für Medizinprodukterecht (FMPR) der Universität Augsburg zum 2. Augsburger Forum...

Kommentar schreiben

20 + Zwei =

Bisherige Kommentare zum Ratgeber (9)

Heike  (11.07.2017 20:37 Uhr):
Ich habe zum Lipödem auch noch ein Lymphödem beider Beine, (Bauch) und Arme. Meine Lebensqualität ist enorm eingeschränkt. Wenn es sehr heiß ist, dann tritt sogar Gewebsflüssigkeit aus einen meiner Zehe aus. Bisher habe ich noch keinen Antrag auf Liposuktion, bei der KK, gestellt. Hätte ich überhaupt eine Chance? Ich fand bis dato auch keinen Arzt der bereit wäre mich beim Antrag zu begleiten, respektive ein Gutachten zu erstellen. Hätten Sie einen Tipp für mich?
Elsa  (05.05.2016 20:06 Uhr):
Ich habe einen Antg auf Kostenürnahme bei der KK gestellt und jezt - vor Ablauf der Frist - einen kurzfristigen Termin zur Lisuktion erhalten. Man sagte mir bei der Patientenberatung, dass ich vor der OP einen Antrag auf Kostenerstattung stellen kann, das werde icauch tun, habe aber folgende Frage; Läuft die Frist (5 Wochen, wenn med. Dienst eingeschaltet ist) weiter oder gibt es bei einer Kostenerstattung keine Frist, in der die KK entscheiden muß? PS; die OP ist bereits äce Woche
Veronica  (28.02.2016 17:39 Uhr):
Ich habe Lipödem, ohne übergewichtig zu sein. Seit einiger Zeit habe ich verstärkt Schmerzen in den Knien. Der Orthopäde diagnostizierte Wassereinlagerungen in den Kniegelenken; diese Probleme würden sich in den folgenden Jahren noch verstärken. Ich lebe in Baden-Württemberg und würde gerne wissen, ob in meinem Fall und bei dieser Prognose eine (teilweise) Kostenübernahme der Krankenkasse möglich ist.
Hovifan  (06.09.2015 10:58 Uhr):
Ich sehe keinen Hinweis darüber, obe es Langzeitstudien gibt? Wie ist der Zustand von Patientinnen, bei denen ein Liposuktion durchgeführt wurde nach 5 oder nach 10 Jahren? Dr. Cornely hat dazu eine Studie durchgeführt. Hier der Link dazu: https://www.youtube.com/watch?v=I8qMZ5msVUg
thinkabout  (18.07.2015 15:09 Uhr):
Gestern habe ich einen Kommentar abgeschickt zum Thema Liposuktion, bzw. ich habe lediglich die Frage nach Langzeitstudien über die Erfolgsaussichten einer Liposuktion gestellt. Ich habe die Frage gestellt, ob es Daten gibt über den Befund von operierten Frauen z.B. 5 oder 10 Jahre nach einer Liposuktion. Warum wird dieser nicht veröffentlicht. Berichten Sie einseitig?
think about  (17.07.2015 16:00 Uhr):
Ich sehe keinen Hinweis darüber, obe es Langzeitstudien gibt? Wie ist der Zustand von Patientinnen, bei denen ein Liposuktion durchgeführt wurde nach 5 oder nach 10 Jahren?
think about  (17.07.2015 15:47 Uhr):
Ich sehe keinen Hinweis darüber, obe es Langzeitstudien gibt? Wie ist der Zustand von Patientinnen, bei denen ein Liposuktion durchgeführt wurde nach 5 oder nach 10 Jahren?
Fallabella  (29.03.2015 13:40 Uhr):
Bitte , was kann ich tun, wenn die Barmer GEK ( in NRW), soeben mit Hinweis - nicht lebensbedrohlich u muss ambulant gemacht werden, meinen Antrag abgelehnt hat. Ich habe bereits eine OP ,erfolgreich, hinter mir ; Kostenübernahme im Nachhinein beantragt u eine weitere OP vor mir; Kostenübernahme abgelehnt. Wie kann ich erfolgversprechend Widerspruch einlegen. Insbesondere da ich im Vorfeld 30 Kilo Gewichtsreduktion durchgeführt habe u jetzt normalgewichtig bin u Lipödem nachweislich bei mir erblich ist.
Bibi  (19.03.2015 12:40 Uhr):
Könntet ihr mir einen Tipp geben, nach welchen Paragraphen und Richtlinien dieses Urteil erteilt wurde? Ich bin von dem Lipödem betroffen und komme aus Bayern. Gäbe sonst noch Ergänzungen für die Kostenübernahme?





Anwalt für Gesundheitsrecht

Weitere Orte finden Sie unter

JuraForum-Suche

Durchsuchen Sie hier JuraForum.de nach bestimmten Begriffen:

© 2003-2017 JuraForum.de — Alle Rechte vorbehalten. Keine Vervielfältigung, Verbreitung oder Nutzung für kommerzielle Zwecke.