Zugewinnausgleich: was ist wichtig?

Autor: , verfasst am 24.02.2015, 07:29| 1 Kommentar

Ehe, Scheidung und Vermögen. Güterstand und Zugewinnausgleich. Im deutschen Recht gibt es viele Fachbegriffe. Insbesondere im Zusammenhang mit der Ehe und dem Scheidungsverfahren kommen viele mit dem Begriff Zugewinnausgleich in Berührung. Doch was bedeutet Zugewinnausgleich?

Zugewinnausgleich (©  rupbilder - Fotolia)
Zugewinnausgleich
(© rupbilder - Fotolia)

Was ist der Zugewinnausgleich?

Der Zugewinnausgleich erfolgt beim Güterstand der Zugewinngemeinschaft dann, wenn die Zugewinngemeinschaft endet. Die Zugewinngemeinschaft ist dabei eine Unterart der Gütertrennung. Das bedeutet: die Güter der Partner bleiben während der Ehe getrennt. Wenn ein Partner stirbt, oder die Ehe geschieden wird, wird ein Zugewinnausgleich durchgeführt.

Das Vermögen, das eine Ehegatte bzw. beide Ehegatten während der Ehe erworben haben wird im Rahmen des Zugewinnausgleichs ermittelt. Wenn dabei das Vermögen eines Ehegatten das Vermögen des anderen Ehegatten übersteigt, ist dieser ausgleichspflichtig. Diese Ausgleichspflicht besteht in der Hälfte des übersteigenden Vermögens.

Wann muss man den Zugewinnausgleich durchführen?

Der Zugewinnausgleich findet immer dann statt, wenn sich Eheleute, die im gesetzlichen Güterstand der Zugewinngemeinschaft leben, scheiden lassen. Dies ist bei einer Eheschließung laut Gesetz immer der Fall. Demnach findet der Zugewinnausgleich bei jeder Scheidung einer Ehe statt. Eine Ausnahme gibt es aber trotzdem. Die Eheleute können einen notariellen Vertrag schließen, in dem sie eigene Regelungen zum Güterstand treffen. Dabei können sie auch den gesetzlichen Güterstand und somit auch den Zugewinnausgleich ausschließen. Dann findet kein Zugewinnausgleich bei der Scheidung statt. Sehr wichtig ist in diesen Fällen die notarielle Beurkundung des Vertrages, da dies sonst unwirksam ist und im Falle einer Scheidung der Zugewinnausgleich trotzdem durchgeführt wird.

Wie funktioniert der Zugewinnausgleich genau?

Im Falle einer Scheidung muss jeder Ehegatte eine Auskunft über sein Vermögen vor der Eheschließung und ab Zustellung des Scheidungsantrags geben. Dies muss jeder Ehegatte auch belegen und beweisen. Das Vermögen das ein Ehegatte vor der Eheschließung hatte nennt man Anfangsvermögen und das Vermögen das der Ehegatte nach der Zustellung des Ehescheidungsantrags hat nennt man dabei Endvermögen.  Von dem Endvermögen zieht man dann das Anfangsvermögen des jeweiligen Ehegatten ab. Weiterhin werden Schenkungen und Vermögenserwerbe infolge von Erbschaften an einen Ehegatten allein abgezogen.

Kurz gesagt: das Anfangs- und das Endvermögen des jeweiligen Ehegatten werden saldiert. Das Saldo, das übrig bleibt stellt den Zugewinn des jeweiligen Ehegatten dar. Der Zugewinnausgleich, der dann zu zahlen ist, ist die Hälfte der Differenz.

Was passiert, wenn ein Ehegatte bereits bei der Trennung sein Vermögen verschwendet oder verschenkt?

So einfach kann der Ehegatte das nicht. Erstens ist es gesetzlich möglich, eine Auskunft über das Endvermögen bereits im Zeitpunkt der Trennung zu verlangen. Wenn das Vermögen im Zeitpunkt der Trennung höher war, als im Zeitpunkt der Zustellung des Scheidungsantrags, muss der Ehegatte eine Auskunft über den Verbleib des Vermögens geben.

Wenn sich herausstellt, dass der Ehegatte sein ganzes Geld verschenkt oder gespendet hat; was er sonst nie machen würde, wird dieser Geldbetrag trotzdem zum Endvermögen hinzugerechnet. Dies ist auch dann der Fall, wenn er sein Vermögen für solche Sachen ausgibt, für die er sonst nie etwas ausgeben würde. Dabei wird immer darauf geschaut, wie das Verhalten des Ehegatten bezüglich sein Vermögen in den letzten Jahren war. Auf dieser Basis wird dann eine Entscheidung getroffen.

Eine Scheidung ist nicht immer leicht. Es gibt oft viele zu beachten. Lassen Sie sich in diesen Fällen immer gut beraten.

Schlagwörter: Zugewinnausgleich, Vermögen, Anfangsvermögen, Endvermögen, Ehegatte, Scheidung


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21 - N e;un =

Bisherige Kommentare zum Ratgeber (1)

Uschka  (19.03.2016 23:34 Uhr):
wie lange nach der Scheidung kann ich Anspruch auf den Zugewinn machen?





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