Was ist eine Vaterschaftsanfechtungsklage?

Autor: , verfasst am 02.04.2015, 07:56| Jetzt kommentieren

Gemäß § 1592 BGB wird jener Mann als Vater eines Kindes angesehen, welcher zum Zeitpunkt dessen Geburt mit der Mutter verheiratet ist oder derjenige, der die Vaterschaft anerkannt hat. Die Vaterschaft dieses Mannes wird dann gegen jedermann vermutet. Ist jedoch ein anderer Mann der Meinung, dass er der Vater des betreffenden Kindes sei, so muss er die Vaterschaft des anderen anfechten. Dasselbe gilt in jenen Fällen, in denen die Mutter des Kindes, der rechtliche Vater sowie das Kind selbst die Vermutung haben, dass derjenige, der als Vater angesehen wird, gar nicht der Vater ist.

Vaterschaftstest (© klickerminth - Fotolia.com)
Vaterschaftstest
(© klickerminth - Fotolia.com)

Was ist eine Vaterschaftsanfechtungsklage?

Die Vaterschaftsanfechtung ist eine Geltungsklage vor dem Familiengericht, deren Ziel es ist, zu beweisen, dass der rechtliche Vater nicht der biologische Vater des Kindes ist. Dies ist beispielsweise bei einer Scheidung relevant, wenn sich der rechtliche Vater ersparen möchte, Unterhalt zu zahlen.

Vaterschaftsanfechtung vor dem Familiengericht

Derjenige, der eine Vaterschaft anfechten möchte, muss einen Vaterschaftsanfechtungsantrag beim Familiengericht stellen. Bis zum Jahre 2008 war die Rechtslage dahingehend, dass eine Vaterschaftsanfechtung nur seitens der Mutter, des Kindes selbst sowie des Mannes möglich war, der als Vater des Kindes gilt. Seitdem ist auch derjenige antragsberechtigt, der sich für den leiblichen Vater des Kindes hält. Hierfür bedarf es allerdings der Voraussetzung, dass der als Vater geltende Mann und das Kind nicht in einer familiären Beziehung leben. Ist dies der Fall, so wird ein diesbezüglicher Antrag vor Gericht nicht zugelassen, da niemand in eine intakte Familie eingreifen darf.

Gründe für eine Vaterschaftsanfechtung

Damit ein Vaterschaftsanfechtungsverfahren stattfinden kann, müssen gemäß dem Familienrecht Gründe vorliegen, die die Vermutung rechtfertigen, dass der rechtliche Vater gar nicht der Vater ist. Solange Gründe sind beispielsweise gegeben, wenn der rechtliche Vater erfährt, dass er zeugungsunfähig ist oder dass seine Ehefrau zum Zeitpunkt der Empfängnis eine Affäre gehabt hat.

Bloße Vermutungen hingegen sind nicht ausreichend, um eine Vaterschaftsanfechtungsklage zu erheben.

Fristen für die Vaterschaftsanfechtung

Wenn der Berechtigte von den Umständen erfährt, die gegen die Vaterschaft sprechen, so hat er zwei Jahre Zeit, die Vaterschaft anzufechten. Dabei ist zu beachten, dass diese Frist erst nach der Geburt des Kindes zu laufen beginnt. Ist sie verstrichen, so hat er keinerlei Möglichkeiten mehr, die Vaterschaft anzufechten.

Ablauf einer Vaterschaftsanfechtung

In der Regel ist es so, dass das Gericht ein Blutgruppengutachten (oder DNA-Gutachten) in Auftrag geben wird, welches die Vaterschaft klären soll. Sämtliche Beteiligten sind dazu verpflichten, mitzuwirken. Dies bedeutet, dass eine Blutentnahme notfalls auch gegen den Willen eines Beteiligten angeordnet werden kann.

Ein Gutachter stellt dann aufgrund der gewonnenen Daten fest, wer der Vater des Kindes ist.

Folgen einer Vaterschaftsanfechtungsklage

Stellt der Gutachter fest, dass der rechtliche Vater nicht der biologische Vater ist, wird das bisher bestehende Vater-Kind-Verhältnis aufgehoben. Da es sich hierbei um eine Geltungsklage handelt, wird durch das Urteil eine unmittelbare Änderung der Rechtslage erzeugt. Dies bedeutet im Falle der Vaterschaftsanfechtung, dass das Vater-Kind-Verhältnis in dem Moment aufgehoben wird, in dem die Rechtskraft des Urteils eintritt.

Fazit: eine Vaterschaftsanfechtungsklage dient dazu, zu beweisen, dass der rechtliche Vater eines Kindes nicht der biologische ist. Eine Anfechtung der Vaterschaft ist nur seitens der Mutter, des rechtlichen Vaters, des Kindes sowie desjenigen Mannes möglich, der sich für den leiblichen Vater hält. Die Vaterschaftsanfechtung hat grundsätzlich beim zuständigen Familiengericht zu erfolgen, welches ein Gutachten in Auftrag gibt, zu dessen Mitwirkung sämtliche Beteiligten verpflichtet sind. Anhand dieses Gutachtens trifft das Gericht die Entscheidung, wer nun der tatsächliche Vater des Kindes ist.

Schlagwörter: Vaterschaftsanfechtungsklage, Vaterschaftstest

Kommentar schreiben

30 - E. ins =

Bisherige Kommentare zum Ratgeber (0)

(Keine Kommentare vorhanden)





Weitere Familienrecht-Ratgeber


Anwalt für Familienrecht

Weitere Orte finden Sie unter

JuraForum-Suche

Durchsuchen Sie hier JuraForum.de nach bestimmten Begriffen:

© 2003-2017 JuraForum.de — Alle Rechte vorbehalten. Keine Vervielfältigung, Verbreitung oder Nutzung für kommerzielle Zwecke.