Was bedeutet das Trennungsjahr bei der Scheidung?

Autor: , verfasst am 12.05.2015, 06:01| Jetzt kommentieren

Wenn ein Ehepaar feststellt, dass es keine gemeinsame Zukunft mehr hat, bleibt oft als letzter Ausweg nur die Scheidung. Nun ist es aber nicht so, dass man einfach losziehen und sich scheiden lassen kann; hierfür bedarf es einiger Voraussetzungen wie beispielsweise einem Scheidungsantrag, die gemäß dem Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) festgelegt werden. Gemäß diesem ist es unter anderem Voraussetzung für eine Scheidung, dass ein sogenanntes Trennungsjahr eingehalten wird. Was bedeutet dieses Trennungsjahr bei der Scheidung?

Scheidung (© Richard Villalon - Fotolia.com)
Scheidung
(© Richard Villalon - Fotolia.com)

Voraussetzungen für eine Scheidung

Grundsätzlich ist es so, dass eine Ehe nur durch eine Scheidung aufgelöst werden kann. Das Ablegen des Eheringes, der Auszug aus der gemeinsamen Wohnung oder eine verbale Erklärung zum Nachbarn oder Arbeitskollegen, dann man geschieden ist, reichen demzufolge nicht aus, um eine Ehe als aufgelöst zu betrachten. Das deutsche Recht besagt, dass zwei Voraussetzungen erfüllt sein müssen, damit eine Scheidung durchgeführt werden kann. Zum einen muss ein Trennungsjahr eingehalten werden, zum anderen muss die Ehe als zerrüttet anzusehen sein.

Was ist das Trennungsjahr?

Als Trennungsjahr wird der Zeitraum von mindestens zwölf Monaten bezeichnet, in dem die Eheleute getrennt von Tisch und Bett gelebt haben. Dies ist der Fall, wenn einer der Ehepartner aus der Ehewohnung auszieht. Auch, wenn die Ehepartner noch zusammen in einer Wohnung wohnen, aber eine räumliche Trennung vorgenommen haben (beispielsweis getrennte Schlafzimmer, kein gemeinsames Kochen), gilt dies bereits als Trennung im Sinne des Gesetzes („Trennung unter einem Dach“). In der Regel ist es jedoch so, dass eine Trennung unter einem Dach nur so lange stattfindet, bis einer der Partner eine neue Wohnung gefunden hat.

Generell wird als Beginn des Trennungsjahres jener Zeitpunkt angesehen, an dem die Ehepartner beschlossen haben, sich zu trennen.

Die Trennungszeit dient dazu, dass sich die Eheleute noch einmal in Ruhe überlegen sollen, ob es vielleicht doch noch eine Chance für ihre Beziehung gibt. Ist dies nicht der Fall, so benötigen sie eine gewisse Zeit, um wirtschaftliche Details zu klären (Unterhalt, Aufteilung des gemeinsamen Hausrats, Auflösung der Sparguthaben etc.).

Wann gilt eine Ehe als gescheitert?

Gemäß § 1565 Abs. 1 BGB wird eine Ehe als gescheitert angesehen, wenn die Lebensgemeinschaft der Eheleute nicht mehr besteht und nicht erwartet werden kann, dass die Eheleute sie wieder herstellen. Dies bedeutet, dass die Ehepartner voneinander getrennt sein müssen und dass es keinerlei Hoffnung mehr gibt, dass sie wieder zueinander finden. Das es nicht unbedingt leicht ist, dies zu beweisen, vereinfacht das Gesetz diese Voraussetzung ein wenig: so ist die Zerrüttung der Ehe bewiesen, wenn die Eheleute mindestens ein Jahr voneinander getrennt leben und beide die Scheidung wollen oder wenn sie mindestens drei Jahre voneinander getrennt leben und einer der beiden die Scheidung möchte.

Kann das Trennungsjahr unterbrochen werden?

Gelegentlich kommt es vor, dass die Eheleute während des Trennungsjahres einen Versuch unternehmen, sich zu versöhnen. Dies bedeutet, dass sie - selbst wenn sie nicht zusammenwohnen – sich weder Tisch und Bett teilen. Unter Umständen kann ein solcher Versöhnungsversuch Auswirkungen auf das Trennungsjahr haben; nämlich dann, wenn er länger als drei Monate andauert: ist dies der Fall und die Eheleute trennen sich danach endgültig, beginnt das Trennungsjahr wieder von vorne. Hält der Versöhnungsversuch jedoch eine kürzere Zeit an, so hat er keinerlei Auswirkungen auf das Trennungsjahr.

Gibt es Ausnahmen, gemäß derer kein Trennungsjahr notwendig ist?

Eine Ehe kann gemäß § 1565 Abs. 2 BGB nur in jenen Fällen vor Ablauf des Trennungsjahres geschieden werden, wenn die Fortsetzung der Ehe für den Antragsteller aus Gründen, die in der Person des Ehegatten liegen, eine unzumutbare Härte darstellen würden. Diese Härte ist beispielsweise gegeben, wenn körperliche Gewalt herrschte oder Ehepartner ein Suchtproblem hat.

Fazit: Das Trennungsjahr ist einer der Grundvoraussetzungen für eine Scheidung. Ohne diese mindestens zwölfmonatige Zeitspanne ist es in Deutschland nicht möglich, eine Ehe scheiden zu lassen. Ausnahmen bestehen lediglich in jenen Fällen, die laut Gesetz als „Härtefälle“ eingestuft werden.

Schlagwörter: Scheidung, Schuldprinzip, Scheidungsgründe, Trennungsjahr


Nachrichten zum Thema
  • BildScheidung mit Demenz (14.10.2013, 14:40)
    Hamm (jur). Auch alte Menschen mit Demenz können noch die Scheidung einreichen. Dies ist wirksam, wenn der Wille zu Scheidung zuvor bei noch ausreichend klarem Bewusstsein geäußert wurde, wie das Oberlandesgericht (OLG) Hamm in einem am Montag,...
  • BildNeues Trennungsjahr nach Rücknahme der Scheidungsanträge (11.06.2012, 15:37)
    Bremen (jur). „Drum prüfe, wer sich ewig bindet, ob sich das Herz zum Herzen findet“, schreibt Schiller in der Glocke. Doch auch der umgekehrte Entschluss zu einer Trennung sollte nicht voreilig aufgegeben werden, wie aus einem jetzt schriftlich...
  • BildScheidung im Universum (09.05.2012, 16:10)
    Astrophysiker berechnen, wie Doppelsterne ihre Partner verlieren und zu Einzelsternen werdenNicht alle Sterne sind Einzelgänger - viele sind in Sternhaufen durch die Anziehungskraft aneinander gebunden. Ein Großteil der Sterne führt einen Partner...
  • Bild„Scheidung ohne Anwalt“ – Letzter Versuch? (06.07.2007, 11:54)
    Berlin (DAV). Argumente versagen, wenn die Kassen leer sind. So kommentiert der Deutsche Anwaltverein (DAV) die von Sachsen-Anhalt und Berlin jetzt erneut angekündigten Versuche, die „Scheidung light“ doch noch einzuführen. Der Bundesrat wird die...
  • Bild„Scheidung light“ muss kommen (05.07.2007, 20:33)
    Bundesrat verhandelt morgen über die FGG-/Familienverfahrensreform Der Bundesrat verhandelt morgen über den Antrag Berlins, künftig Scheidungsverfahren einfacher, flexibler und kostengünstiger auszugestalten. Der bisher unter dem Stichwort...
  • BildNach der Scheidung krankenversichert? (05.11.2004, 18:21)
    Es ist immer wieder festzustellen, dass in Scheidungsauseinandersetzungen die Beteiligten über die wichtigen rechtlichen Konsequenzen nicht im Bilde sind. Ein zu wenig beachteter, aber immens wichtiger Bereich ist der der Krankenversicherung....

Kommentar schreiben

85 - D./rei =

Bisherige Kommentare zum Ratgeber (0)

(Keine Kommentare vorhanden)





Weitere Familienrecht-Ratgeber


Anwalt für Familienrecht

Weitere Orte finden Sie unter

JuraForum-Suche

Durchsuchen Sie hier JuraForum.de nach bestimmten Begriffen:

© 2003-2017 JuraForum.de — Alle Rechte vorbehalten. Keine Vervielfältigung, Verbreitung oder Nutzung für kommerzielle Zwecke.