Sind Schulden vor der Ehe gefährlich?

Autor: , verfasst am 20.04.2015, 07:21| 1 Kommentar

Entscheiden sich zwei Menschen dazu, zu heiraten, sind sie oft blind vor Liebe und machen sich über alltägliche Dinge wie Geld gar keine Gedanken. Doch nach der Hochzeit kommt schnell das böse Erwachen, beispielsweise dann, wenn man feststellt, dass der Ehegatte eine Menge Schulden mit in die Ehe gebracht hat. Allgemein herrscht die Meinung, dass man als Ehepartner dazu verpflichtet ist, für die Schulden seines Partners einzustehen. Ist das wirklich so? sind Schulden vor der Ehe gefährlich für denjenigen, der sie nicht gemacht hat?

Schulden (© 3dkombinat - Fotolia.com)
Schulden
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Haften Ehepartner grundsätzlich für die Schulden ihres Ehegatten?

Eine gesetzliche Regelung, gemäß derer Ehepartner für Schulden haften, die ihr Ehegatte aufgenommen hat, gibt es nicht. Das bedeutet, dass jeder nur für diese Schulden einstehen muss, die er auch selbst gemacht hat.

Muss ein Ehepartner für Schulden haften, die vor der Ehe gemacht wurden?

Wenn ein Ehegatte bereits vor der Eheschließung Schulden hat, so ist er auch nach der Hochzeit ganz alleine für diese verantwortlich. Dies bedeutet, dass sein Ehepartner weder teilweise noch vollumfänglich für diese zu haften hat. Dabei ist es unerheblich, ob es sich bei diesen Verbindlichkeiten um Unterhaltsverpflichtungen, Ratenzahlungen oder anderweitige Schulden handelt.

Wer haftet für Schilden, die während der Ehe entstanden sind?

Schulden, die während der Ehezeit aufgenommen worden sind, werden differenziert betrachtet: nimmt ein Ehepartner alleine einen Kredit, ein Darlehen oder ähnliches auf, so steht er auch alleine für diese Schulden in der Haftung. Es besteht keine grundsätzliche gesetzliche Regelung, gemäß welcher eine automatische Haftung aufgrund der Tatsache eintritt, dass ein Schuldner verheiratet ist. Auch ist es unerheblich, ob seitens der Ehegatten ein Ehevertrag abgeschlossen wurde, welcher eine Gütertrennung vereinbart, oder ob sie im gesetzlichen Güterstand der Zugewinngemeinschaft leben: gemäß § 1363 Abs. 2 BGB wird auch bei einer Zugewinngemeinschaft das Vermögen von Mann und Frau nicht zu einem gemeinschaftlichen Vermögen der Ehegatten. Wird also ein Zugewinnausgleich gemacht, so wird das negative Vermögen (die Schulden) nicht als ein Bestandteil vom Zugewinn angesehen.

Unterschreiben jedoch beide Eheleute gemeinsam den Kreditvertrag, so haften sie auch gemeinsam für diese Schulden. Im Falle einer Scheidung bleibt die gemeinsame Haftung bestehen.

Gibt es Ausnahmen, bei denen doch beide Eheleute für Schulden haften?

Es bestehen drei Ausnahmen, gemäß derer beide Ehegatten für Schulden aufkommen müssen, auch wenn sie nichts Diesbezügliches unterschrieben haben:

  • Geschäfte, die der Deckung des Lebensbedarfs dienen (§ 1357 BGB)
  • Mietrecht
  • Gemeinsames Girokonto

Bei Geschäften, die der Deckung des Lebensbedarfs dienen, handelt es sich um solche, welche zur Haushaltsführung dazugezählt werden können: Lebensmittel, Haushaltsgegenstände, Buchen einer gemeinsamen Reise, …

Wenn einer der beiden Ehegatten den Mietvertrag alleine unterschreibt, der andere aber im Vertrag erwähnt wird, so wird dieser automatisch zum Mitmietern wenn er irgendwann eine rechtsgeschäftliche Erklärung gegenüber dem Vermieter abgegeben hat. Diese kann beispielsweise in Form der Zustimmung zu einer Mieterhöhung gegeben sein. Ist dies der Fall, so haftet er gemeinsam mit dem anderen für etwaige Mietschulden.

Besteht ein gemeinsames Girokonto, so müssen beide Ehegatten für die dort entstandenen Schilden aufkommen, und zwar unerheblich davon, wer sie letztendlich gemacht hat. Ausnahmen von dieser Regelung bestehen nur in jenen Fällen, in denen einer der beiden die Überziehung des Girokontos durch heimliche Handlungen herbeigeführt hat, also durch Aktionen, von denen der andere nichts gewusst hat.

Fazit: Es ist nicht gefährlich, jemanden zu heiraten, der Schulden hat. Durch die Hochzeit ist man nicht verpflichtet, für Schulden einzustehen, die der Ehegatte vor der Eheschließung aufgenommen hat. Demzufolge hat man auch keine finanziellen Nachteile, wenn man einen Schuldner heiratet. Ausnahmen bestehen lediglich in jenen Fällen, in denen Geschäfte zur Deckung des Lebensbedarfs vorgenommen worden sind: für derartige Verbindlichkeiten haften beide Eheleute gemeinsam.

Schlagwörter: Zugewinn, Gütergemeinschaft, Schulden Ehe,


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Bisherige Kommentare zum Ratgeber (1)

Hoelle  (18.05.2016 13:01 Uhr):
Ich habe im laufe meiner ehe die Schulden von meiner noch Frau abbezahlt seit November letzten Jahres (3wochen nach dem ich die letzte rate bezahlt hatte) sind wir getrennt leider Gottes haben wir keinen Ehevertrag abgeschlossen weil ich blind vor liebe war Jetzt meine Frage gibt es die Möglichkeit die Summe die ich für sie abbezahlt habe (über 10000 euro) wieder einzuklagen und wenn ja wie sind die Erfolgschancen wenigstens einen Teil wieder zu bekommen Vielen Dank schon mal im voraus ich hoffe auf positive antworten





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