Prügelstrafe erlaubt? Dürfen Eltern ihre Kinder schlagen?

Autor: , verfasst am 22.08.2016, 09:03| Jetzt kommentieren

Manche Eltern glauben, dass zumindest ein „kleiner Klaps“ erlaubt ist, wenn sich ihre Kinder danebenbenehmen. Doch stimmt das wirklich? Das erfahren Sie in diesem Ratgeber. 

Prügelstrafe: Dürfen Eltern ihre Kinder schlagen? (© udra11 / fotolia.com)
Prügelstrafe: Dürfen Eltern ihre Kinder schlagen?
(© udra11 / fotolia.com)

Eltern haben es manchmal nicht leicht mit ihrem Nachwuchs. Dies gilt besonders dann, wenn sie von Mitmenschen darauf hingewiesen werden, dass die Anwendung der Prügelstrafe angeblich „noch keinem Kind geschadet“ hat.

Doch wenn Eltern glauben, dass ihnen deshalb ein Recht auf „angemessene Züchtigung“ bei ihren Kindern zugesteht, dann irren sie gewaltig.

Kinder haben Recht auf gewaltfreie Erziehung

Seit dem Jahr 2000 dürfen Eltern ihre Kinder nicht mehr schlagen. Dies hat der Gesetzgeber in der Vorschrift von § 1631 Abs. 2 BGB klargestellt. Hierin heißt es wörtlich: „Kinder haben ein Recht auf gewaltfreie Erziehung. Körperliche Bestrafungen, seelische Verletzungen und andere entwürdigende Maßnahmen sind unzulässig.

Diese Vorschrift bezieht sich übrigens nicht nur auf die Prügelstrafe in Form der körperlichen Züchtigung. Auch eine Ohrfeige und ein kleiner Klaps auf den Po zu erzieherischen Zwecken sind verboten. Daneben untersagt diese Vorschrift auch andere Formen der Gewalt. Hierunter fällt etwa eine entwürdigende Behandlung des Kindes. Diese kommt etwa dran in Betracht, wenn Eltern ihr Kind bewusst zu Hause oder in der Schule erniedrigen.

Schlagende Eltern machen sich strafbar

Wenn Eltern ihre Kinder schlagen, können sie sich strafbar gemacht haben. Hier kommt zunächst einmal eine Bestrafung wegen vorsätzlicher Körperverletzung nach § 223 StGB in Betracht. Dies gilt bereits bei einer Ohrfeige oder einem Klaps und erst recht, wenn Kinder mit der flachen Hand verprügelt werden. Eltern können sich heutzutage nicht mehr auf ihr „Züchtigungsrecht“ als Gewohnheitsrecht berufen. Dieses wurde nur früher als Rechtfertigungsgrund anerkannt. Aufgrund der Vorschrift des § 1631 BGB ist dieses Gewohnheitsrecht jedoch auch im Strafrecht außer Kraft gesetzt worden. Eltern müssen hier mit Geldstrafe oder einer Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren rechnen.

Wenn Eltern dabei besonders massiv vorgehen - und ihre Kinder womöglich noch mit dem Gürtel verprügeln oder Verbrennungen an der Herdplatte zufügen, kommt eine Misshandlung von Schutzbefohlenen nach § 225 StGB in Betracht. Insbesondere die zuletzt genannten Beispiele sind als „rohe Misshandlung“ im Sinne dieser Vorschrift anzusehen.

In einem solchen Fall müssen sich schlagende Eltern zu Recht auf einen Aufenthalt im Gefängnis einstellen. Denn das Gesetz sieht hier als Sanktion ausschließlich die Verhängung von Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu 10 Jahren vor. Sofern dem Kind hierdurch die Gefahr einer schweren Gesundheitsschädigung oder sogar des Todes droht, müssen sie mit einer Freiheitsstrafe von mindestens einem Jahr bis zu 15 Jahren rechnen. Sie kommen lediglich dann etwas günstiger weg, wenn das Gericht von einem minder schweren Fall ausgeht. Aber das ist in der Regel nicht der Fall, um Eltern vor derartigen Erziehungsmethoden genügend abzuschrecken.

Gleichzeitig kommt hier das Vorliegen einer gefährlichen Körperverletzung nach § 224 StGB in Betracht. Diese liegt etwa dann vor, wenn eine körperliche Misshandlung mittels einer Waffe oder einem gefährlichen Werkzeug begangen wird. Hier müssen Eltern normalerweise mit einer Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu zehn Jahren rechnen.

Strafbarkeit wegen entwürdigender Behandlung ihrer Kinder

Eine Strafbarkeit der Eltern kommt unter Umständen auch dann infrage, wenn sie zu anderen entwürdigenden Erziehungsmethoden greifen, wie stundenlangem Einsperren oder gar Essen vorenthalten.

Bedenklich sind aber auch verbale Entgleisungen. Solche liegen etwa dann vor, wenn Eltern ihr Kind gelegentlich als „dumme Sau“ bezeichnen, weil es sich ungeschickt angestellt hat. Hierin liegt eine Beleidigung gem. § 185 StGB. Vor allem Eltern, die ihr Kind öfter so beschimpfen, sollten sich darüber Gedanken machen, das sie ihrem Kind damit schnell schwere psychische Verletzungen zufügen, so dass es kein eigenes Selbstvertrauen entwickeln kann.

Auch das nichtschlagende Elternteil kann sich strafbar machen

Wenn ein Elternteil die Prügelstrafe anwendet, kann sich übrigens auch das andere Elternteil strafbar machen. Das gilt vor allem, wenn es selbst bei schweren Misshandlungen nicht eingreift und diese möglicherweise sogar für richtig erachtet. Hier kommt je nach Situation eventuell eine Bestrafung als Mittäter, wegen Beihilfe oder Anstiftung - etwa bezüglich einer Misshandlung von Schutzbefohlenen - in Betracht. Eine Beihilfe kommt etwa dann infrage, wenn etwa die Mutter das Kind festhält und der Vater die Prügelstrafe „vollstreckt“. Im Übrigen kommt eventuell auch eine Bestrafung des passiven Elternteils wegen unterlassener Hilfeleistung nach § 323 c StGB infrage.

Eventuell Entziehung des elterlichen Sorgerechtes möglich

Wenn Eltern ihre Kinder schlagen, kann eventuell auch das Familiengericht eingreifen. Das setzt voraus, dass dadurch das Wohl des Kindes gefährdet wird. Dies kann etwa dazu führen, dass den Eltern im schlimmsten Fall ihr Sorgerecht entzogen wird. Rechtsgrundlage hierfür ist die Vorschrift von § 1666 BGB.

Fazit:

Eltern sollten daher ihre Kinder nicht schlagen. Dies bedeutet keinesfalls, dass Eltern bei ihnen alles durchgehen und einen laissez-faire Erziehungsstil praktizieren sollen. So etwa wäre im Hinblick auf die Entwicklung ihrer Kinder sogar bedenklich. Wichtig ist vielmehr, dass Kindern in vernünftigem Maße Grenzen gesetzt und Wertvorstellungen vermittelt werden. Hierbei können und sollten Eltern auch konsequent sein und dürfen ihr Kind notfalls mit energischen Worten zurechtweisen.

Autor: Harald Büring (Juraforum.de)


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