Kann man Erwachsene adoptieren?

Autor: , verfasst am 08.05.2015, 06:30| Jetzt kommentieren

Spricht man von Adoptionen, so denkt man dabei im Allgemeinen an eine Adoption von Kindern, die dazu dienen sollen, dem Kind ein Leben in einer Familie zu ermöglichen. Die Minderjährigenadoption unterliegt diversen gesetzlichen Bestimmungen. Doch wie ist es eigentlich, wenn ein Erwachsener adoptiert werden möchte? Geht das? Kann man Erwachsene adoptieren? Und welche gesetzlichen Regelungen sind bei solch einer Volljährigenadoption zu beachten?

Adoption (© kikkerdirk - fotolia.com)
Adoption
(© kikkerdirk - fotolia.com)

Erwachsenenadoption möglich

Grundsätzlich ist es möglich, einen Erwachsenen zu adoptieren. Für diese Sonderform der Adoption bestehen allerdings diverse Unterschiede im vergleich zu der Adoption eines minderjährigen Kindes.

In der Regel finden Erwachsenadoptionen dann statt, wenn zwischen dem Adoptionswilligen und dem zu Adoptierenden ein derart inniges Verhältnis besteht, dass sie dieses auch der Außenwelt mitteilen möchten. Darüber hinaus sind auch die finanziellen Aspekte von Bedeutung: im Rahmen einer Schenkung oder einer Erbschaft erhöht sich der steuerliche Freibetrag von 20.000,- € auf 400.000,- Euro.

Familienverhältnisse bleiben bestehen

Wird ein Erwachsener adoptiert, so bleiben die bestehenden Familienverhältnisse zu seiner leiblichen Familie bestehen. Er gewinnt durch die Adoption jedoch eine zweite Familie – beziehungsweise ein zweites Elternpaar – hinzu, so dass er nach erfolgreicher Adoption schließlich zwei Familien hat. Dies hat rechtlich zur Folge, dass er Ansprüche, zum Beispiel gemäß dem Erbrecht auf das Erbe, gegenüber beiden Familien hat. Doch nicht nur die Rechte ergeben sich aus einer solchen Art der Adoption, sondern auch Pflichten: der adoptierte Erwachsene ist sowohl seinen leiblichen Eltern gegenüber unterhaltspflichtig als auch seinen Adoptiveltern.

Der Familienname des Adoptierten ändert sich im Übrigen: nach erfolgter Adoption erhält er automatisch den Familiennamen der annehmenden Eltern.

Voraussetzungen für eine Erwachsennadoption

Um eine Erwachsenadoption durchzuführen, ist ein Antrag beim Vormundschaftsgericht notwendig, welcher notariell beurkundet ist. Sinnvoll ist es, diesem Antrag gleich die Einverständniserklärung des zu Adoptierenden beizufügen.

Darüber hinaus muss der Antrag Aufschluss darüber geben, dass zwischen den Adoptionswilligen und dem zu Adoptierenden ein Eltern-Kind-Verhältnis besteht, welches nachgewiesen sein muss. Dies geschieht dadurch, dass bewiesen wird, dass das Verhältnis mit dem einer gewöhnlichen Familie gleichgestellt ist. Im Gegensatz zu der Adoption eines minderjährigen Kindes ist kein Mindestalter beziehungsweise Höchstalter vorgegeben, welches die Adoptionsparteien besitzen sollten. Es wird aber vorausgesetzt, dass ein gewisser Altersabstand zwischen den „Adoptiveltern“ und dem „Adoptivkind“ besteht.

Ob tatsächlich ein Eltern-Kind-Verhältnis vorliegt, wird seitens des Gerichts noch einmal in einer mündlichen Anhörung geprüft.

Wenn sowohl der Antrag als auch die mündliche Anhörung positiv verlaufen sind, ergeht ein Beschluss seitens des Vormundschaftsgerichts, in welchem die Adoption erklärt wird.

Ist dies geschehen, schickt das Gericht eine Mitteilung an das Standesamt, in welchem die Geburt des Adoptierten beurkundet worden ist. Dieses schreibt einen Randvermerk zum Geburtseintrag des Adoptierten, welcher zur Folge hat, dass die anzunehmenden Adoptiveltern mit in der Geburtsurkunde stehen.

Besonderheiten bei der Erwachsenenadoption

Ist die volljährige Person, die adoptiert werden möchte, bereits verheiratet, so muss dessen Ehepartner ebenfalls der Adoption zustimmen.

Eine Erwachsenenadoption wird nur dann gestattet, wenn sie sittlich gerechtfertigt ist (§b 1767 Abs 1 BGB). Dies ist nicht der Fall, wenn kein Eltern-Kind-Verhältnis besteht und auch nicht zu erwarten ist, dass sich ein solches entwickelt.

Adoptionen, die nur aufgrund von Aufenthaltsbewilligungen durchgeführt werden sollen, werden generell abgelehnt.

Fazit: Es ist möglich, einen Erwachsenen zu adoptieren, wenn zwischen ihm und den adoptionswilligen Eltern ein Eltern-Kind-verhältnis besteht. Ist dies nicht der Fall, so wird eine Erwachsenenadoption seitens der Gerichte abgelehnt.

Schlagwörter: Erwachsenenadoption, Adoption,


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