Großelternrechte: wie oft haben Großeltern ein Umgangsrecht?

Autor: , verfasst am 10.04.2015, 07:06| 4 Kommentare

Trennt sich ein Elternpaar, so ist es meistens so, dass dessen Kinder nach der Trennung beziehungsweise Scheidung bei einem der beiden Elternteile leben, während der andere Elternteil ein Umgangsrecht zugesprochen bekommt. Dabei muss das Kindeswohl beachtet werden. Doch nicht nur die Eltern, sondern auch die Großeltern haben ein Recht darauf, ihre Enkelkinder zu sehen. Doch wie oft haben Grosseltern ein Umgangsrecht?

Umgangsrecht (© fotodo - Fotolia)
Umgangsrecht
(© fotodo - Fotolia)

Großelternrecht gemäß § 1685 BGB

Im Jahre 1998 kam es zu der Kindschaftsreform, in deren Zusammenhang ein gesetzliches Umgangsrecht für Großeltern festgelegt worden ist, das sogenannte Großelternrecht. Gesetzlich geregelt ist dies im Bürgerlichen Gesetzbuch in § 1685 BGB. Gemäß diesem haben Großeltern ein Recht dazu, ihr Enkelkind zu sehen, so lange dies dem Wohle des Kindes dient. Davon sollte eigentlich ausgegangen werden, denn dieses Gesetz wurde eigens zu dem Zweck geschaffen, dass Scheidungskindern so viele familiäre Kontakte wie möglich haben sollen. Grundsätzlich wird also davon ausgegangen, dass der Kontakt von einem Enkel zu Oma und Opa einen positiven Einfluss auf die Entwicklung des Kindes nehmen wird. Dabei ist zu beachten, dass sich Großeltern nicht an die Erziehungsvorgaben des sorgeberechtigten Elternteils halten müssen [KG Berlin, 20.03.2009, 17 UF 2/09]. Viel mehr wird bei der Beurteilung, ob ein Besuchsrecht der Großeltern dem Wohle des Kindes dient oder nicht, auf die Art der Beziehung in der Vergangenheit eingegangen: war diese intensiv und harmonisch, so begründet sie ein Umgangsrecht [OLG Hamm, 24.09.2002, 1 UF 72/02]. Die Beziehung zwischen Eltern und Großeltern hingegen findet keine Berücksichtigung. Selbst, wenn das Verhältnis zwischen ihnen komplett zerrüttet ist, begründet diese Tatsache keine Verweigerung des Großelternrechts [OLG Celle, 22.04.1999, 18 UF 4/99]; der Enkel darf Oma und Opa trotzdem sehen.

Wie oft dürfen Großeltern ihre Enkelkinder sehen?

Ein Umgangsrecht für Großeltern mit ihrem Enkelkind besteht. Nicht gesetzlich geregelt ist jedoch, wie oft diese Treffen stattfinden sollen; dies wird individuell festgelegt. So urteilte beispielsweise das Kammergericht Berlin, dass der regelmäßige Kontakt zu dem Großeltern dem Kindeswohl dient, und legte die Besuchszeit auf fünf Stunden im Monat fest [KG Berlin, 20.03.2009, 17 UF 2/09].

Wie ist die Rechtslage, wenn die Großeltern im Ausland leben?

Nun ist es nicht immer so, dass die Großeltern in so unmittelbarer Nähe zu ihrem Enkelkind leben, dass sie es regelmäßig sehen können. Viele ältere Menschen wandern ins Ausland aus, um dort ihren Lebensabend zu verbringen – die Durchsetzung des Umgangsrechts kann in derartigen Fällen etwas schwieriger werden. Gemäß der Rechtsprechung steht jedoch auch Großeltern, deren ständiger Wohnsitz im Ausland ist, ein Umgangsrecht mit ihren Enkeln zu. So urteilte das Oberlandesgericht Köln in einem Fall, in dem der Vater eines Kindes seine Zustimmung zu einer Auslandsreise, die dem Besuch der Großeltern dienen sollte, verweigern wollte, zugunsten der  Mutter. Sich auf § 1685 BGB stützend, befand das Gericht, dass „es für die Erziehung des Kindes von Bedeutung sei, dass das Kind nicht allein auf die Kleinfamilie bestehend aus Vater, Mutter und Geschwistern beschränkt wird. Es fördere vielmehr die geistig-seelische Entwicklung des Kindes, wenn es einen Umgang mit möglichst vielen Personen der Familie pflegt. Dazu gehöre insbesondere der Umgang mit den Großeltern. Leben diese noch weit entfernt, so müsse umso mehr die Gelegenheit gesucht werden, zumindest in zeitlich nicht zu weiten Abständen die familiären Kontakte aufrecht zu erhalten“ [OLG Köln, 04.06.2004, 4 WF 4/04].

Fazit: Eine konkrete Festlegung der Dauer sowie der Häufigkeit der Durchsetzung des Großelternrechts besteht nicht. Dies muss individuell geklärt werden – notfalls vor dem Familiengericht.

Schlagwörter: Umgangsrecht Großeltern, Großelternrechte


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Bisherige Kommentare zum Ratgeber (4)

Sonne  (10.08.2016 17:41 Uhr):
Ich darf meinen Enkel nicht sehen der vor 4 Wochen geboren wurde Welche Rechte habe ihn zu sehen.welche Vorgehensweise ist sinnvoll ?
Struß  (20.04.2016 11:17 Uhr):
Kann ich auch das Enkelkind bekommen? wenn das mit Vater abgesprochen ist am Vaterwochenende.Der aber in Arbeit ist?
katze  (23.03.2016 21:36 Uhr):
Ich bin seid.3 Wo Oma und darf mein Enkel nicht sehen ich find das schlimm .die Mutter des Kindes verweigert jeden Kontakt .Ich habe Kontakt mit dem Jugendamt aufgenommen die helfen mir auch nicht obwohl sie immer sagen zum Wohle des Kindes.ICH werde zum Amtsgericht gehen und mir her.Beistand holen.
Apollonea  (15.04.2015 06:22 Uhr):
Das AG Neunkirchen hat im Juli 2013 hierzu sehr komisch entschieden. Ein Kind das seit der Geburt zwar bei der Mutter gemeldet, aber bei den Großeltern gelebt hat wurde vom Jugendamt aus der Obhut beider Parteien heraus geholt, wegen Kindeswohlgefährdung. Nach einem Gutachten über Mutter, Großeltern und Kindsvater, welcher Jahrelang von Geburt an keinen Kontakt zum Kind hielt wurden geprüft. Der Vater bekam in einem SG-Prozeß das Aufenthaltbestimmungsrecht sowie geteiltes Sorgerecht. Die Geschwister wurden zu ihren Vätern verbracht oder in Pflegefamilien untergebracht. Das Kind hat nun ein Umgangsrecht mit der Mutter alle 14 Tage und hinzu kommt dass alle 3 Wochen, die Großeltern das Kind am WE 2 Tage zu sich nehmen. Hierzu stellt sich die Frage, warum das Kind weiterhin Umgang pflegt, wenn eindeutig im Gutachten davon gesprochen wird, dass beide Parteien (Mutter/Großeltern) dem Kind gegenüber eine Gefährdung sind. Zudem stellt sich die Frage, ob es dem Kind gut tut, so zwischen den Parteien zerrissen zu werden. Zumal das Kind wie vor der Obhutnahme des JA seine Zeit wohl bei den Großeltern verbringt. Man sollte immer Bedenken, dass nicht jeder familiäre Kontakt das Kindeswohl fördert.





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