Eherecht: Was bedeutet das „Aufgebot bestellen“ bei der Hochzeit?

Autor: , verfasst am 22.06.2015, 06:31| Jetzt kommentieren

Wenn sich zwei Menschen dazu entschieden haben, zu heiraten, so müssen zuvor einige Formalitäten erledigt werden. In diesem Zusammenhang fällt immer wieder der Begriff „Aufgebot bestellen“. Für Personen, die im Eherecht nicht so bewandert sind, sind dies böhmische Dörfer. Was bedeutet eigentlich „Aufgebot bestellen“ bei der Hochzeit.

Aufgebot bestellen (© kyle - Fotolia.com)
Aufgebot bestellen
(© kyle - Fotolia.com)

Was ist ein Aufgebot im Eherecht?

Als „Aufgebot“ wir die Bekanntgabe einer geplanten Eheschließung bezeichnet. Dies bedeutet, dass ein Pärchen, welches die Ehe eingehen möchte, die zuvor kundtun muss. Diese Bekanntmachung hatte öffentlich zu erfolgen; wenn es also jemanden gab, der begründete Einwände gegen diese Ehe hatte, konnte er sich in dieser Zeit melden und seine Einwände bekanntgeben.

Bis 1998 bestand ein Ehegesetz. Gemäß diesem wurden Ehehindernisse beziehungsweise Eheverbote definiert, welche als Grund für einen Einwand gegen die betreffende Eheschließung angegeben werden konnten. Zu diesen zählte beispielsweise eine bereits bestehende Ehe.

Aufgebot im Eherecht: Bis 1998 Pflicht

Bis zum Jahre 1998 war es für jedes heiratswillige Paar Pflicht, ein Aufgebot zu bestellen. Der Ursprung in dieser Verpflichtung ist im Kirchenrecht zu finden, was erklärt, warum auch noch heute das Aufgebot in der Kirche eine besondere Stellung einnimmt. Mitmenschen hatten durch die öffentliche Bekanntmachung dieser geplanten Hochzeit drei Gottesdienste lang Zeit, Einwände gegen diese zu erheben. Während heutzutage derartige Ehehindernisgründe elektronisch zu ermitteln sind, war man damals auf die Mithilfe der Mitbürger angewiesen.

Die beiden Heiratswilligen mussten, um ein Aufgebot zu bestellen, gemeinsam beim zuständigen Standsamt vorstellig werden. Dort waren folgende Unterlagen vorzulegen:

  • Personalausweise
  • Aufenthaltsbescheinigung
  • Beglaubigte Abschrift des Familienbuches
  • Beglaubigte Abschrift der Familienbücher vorangegangener Ehen sowie Scheidungsurteile
  • Individuelle Papiere, wie beispielsweise Adoptionsurkunden

Zu beachten ist, dass die Urkunden nicht älter als sechs Monate sein durften. Auch musste die Trauung innerhalb von sechs Monaten nach Bestellung des Aufgebots vollzogen worden sein.

Seit 1998 „Anmeldung zur Eheschließung“

Seit der Reformierung des Ehegesetzes im Jahre 1998 wurde das Aufgebot durch die Anmeldung zur Eheschließung ersetzt. Seitdem ist der jeweils Standesbeamte dazu verpflichtet, herauszufinden, ob Hindernisse für die Eheschließung bestehen. Zuständig ist das Standesamt, in welchem das Brautpaar seinen Wohnsitz hat.

Beide Heiratswillige müssen ein gültiges Ausweisdokument vorweisen können. Darüber hinaus bedarf es eines Ledigkeitsbescheinigung (beim Einwohnermeldeamt erhältlich) sowie einer Abschrift des Familienbuches.

Wichtig ist auch, dass beide Partner beim Standesamt persönlich erscheinen. Sollte einer verhindert sein, muss er dem anderen eine Vollmacht mitgeben, gemäß welcher er in dessen Namen die Anmeldung zur Eheschließung durchführen darf.

Zu beachten ist, dass bestimmte Personengruppen zusätzliche Dokumente benötigen. Zu diesen zählen Geschiedene, Verwitwete, Adoptierte sowie Personen, die im Ausland geboren worden sind. Welche Dokumente individuell erforderlich sind, wird der Standesbeamte dem Pärchen mitteilen.

Die Anmeldung zur Eheschließung ist nur dann möglich, wenn alle Unterlegen vollständig vorhanden sind.

Ob die geplante Hochzeit veröffentlicht werden soll, entscheidet jedes Pärchen selbst.

In der Kirche hingegen wird auch heute noch das Aufgebot bekanntgegeben, um so den Mitmenschen Gelegenheit dazu zu geben, Einwände gegen die Hochzeit zu erheben.

Fazit: Beim Aufgebot Bestellen handelte es sich um die gesetzliche Verpflichtung, dass heiratswillige ihre Hochzeitsabsichten dem Standesamt bekanntgeben mussten. Sinn und Zweck dessen war es, dass durch die öffentliche Bekanntgabe andere Leute Einwände gegen diese geplante Eheschließung erheben konnten. Seit dem Jahre 1998 besteht diese Pflicht nicht mehr; möchte ein Pärchen heiraten, muss es eine öffentliche Anmeldung zur Eheschließung beim zuständigen Standsamt durchführen.

Schlagwörter: Aufgebot bestellen


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