Ehe gescheitert: Was kann Mann/Frau tun?

Autor: , verfasst am 21.05.2015, 06:09| Jetzt kommentieren

Heiraten zwei Menschen, so tun sie dies in der Regel aus Liebe und mit der Absicht, ihr ganzes Leben gemeinsam zu verbringen. Doch in der Realität ist es oft so, dass sie sich im Laufe der Jahre aus den unterschiedlichsten Gründen voneinander entfernen. Irgendwann kommen sie an den Punkt, an dem sie sich eingestehen müssen, dass ihre Ehe gescheitert ist und dass es somit keine gemeinsame Zukunft mehr für sie gibt. Wenn dies der Fall ist: was kann Mann/Frau tun?

Ehe gescheitert (© Richard Villalon - Fotolia.com)
Ehe gescheitert
(© Richard Villalon - Fotolia.com)

Gespräch mit Ehepartner führen

Wenn ein Ehegatte der Meinung ist, dass die Beziehung gescheitert und seine Ehe nicht mehr fortzuführen ist, so sollte er dies umgehend mit seinem Ehepartner besprechen. Nicht nur, dass dies nur fair dem anderen gegenüber ist: in dem Moment, in dem klargestellt wird, dass man sich trennen möchte, beginnt das Trennungsjahr. Dabei ist es unerheblich, ob einer der beiden sofort die eheliche Wohnung verlässt oder ob die beiden zunächst in der Ehewohnung bleiben, jedoch von Tisch und Bett getrennt sind. sinnvoll ist es, gemeinsam das Datum des Beginns der Trennungszeit festzuhalten, damit es später beim Scheidungsantrag angegeben werden kann.

Ehewohnung verlassen

Der nächste Schritt, den ein Ehegatte machen sollte, wenn er seine Ehe als gescheitert ansieht, ist der Auszug aus der gemeinsamen Wohnung. Dies ist aus zweierlei Gründen wichtig: zum einen beginnt mit dem Zeitpunkt der Trennung von Tisch und Bett das Trennungsjahr, welches eine der Grundvoraussetzungen für eine Scheidung ist. ohne eine mindestens zwölfmonatige Trennung ist es gemäß dem deutschen Recht nicht möglich, eine Ehe scheiden zu lassen.

Zum anderen ist es durchaus möglich, dass aufgrund der räumlichen Trennung die Eheleute wieder zueinander finden. Oft genug ist es in der Praxis der Fall, dass solch eine Trennungszeit dazu führt, dass sich zwei Partner wieder aneinander annähern.

Einkommensverhältnisse des Partners klären

Auch, wenn es etwas hinterlistig wirkt: wenn ein Ehegatte vorhat, seinen Ehepartner zu verlassen, sollte er vorsorglich Kopien von dessen Gehaltsabrechnungen, Versicherungsverträgen sowie Verträgen zur Altersvorsorge machen. Es ist zwar so, dass der Rechtsanwalt des Ehegatten, der den Scheidungsantrag stellt, Auskünfte über die Vermögensverhältnisse des anderen verlangen wird, jedoch ist es nicht ungewöhnlich, dass dieser dabei nicht die Wahrheit sagen wird. Damit der Ehepartner zu seinem Recht kommt, sollte er sich deswegen absichern, so lange er dazu noch die Gelegenheit hat.

Haushalt auflösen

Auch der gemeinsame Haushalt muss aufgeteilt werden: ob Möbel, andere Einrichtungsgegenstande oder Haushaltsgegenstände, alles sollte beim Scheitern einer Ehe so gerecht wie möglich geteilt werden. Dasselbe gilt für Bankkonten, Sparguthaben und andere Vermögenswerte.

Zu beachten ist auch, dass Regelungen über gemeinsame Verpflichtungen wie beispielsweise ein Darlehen getroffen werden müssen.

Unterhaltsanspruch klären

Welcher Ehepartner Unterhaltsansprüche stellen kann, sollte ebenfalls so schnell wie möglich geklärt werden. Meistens ist es so, dass derjenige unterhaltsberechtigt ist, der wirtschaftlich schwächer dasteht, also weniger Einkommen hat. Demzufolge ist er zwar berechtigt, Unterhalt zu bekommen, dies bedeutet jedoch nicht, dass dieses Geld von alleine kommt. Viel mehr muss er seine diesbezüglichen Ansprüche geltend machen, entweder bei dem Unterhaltsverpflichteten, oder – falls dies nicht möglich ist, da keine gütliche Einigung erzielt werden kann – per Rechtsanwalt beziehungsweise Familiengericht.

Zu beachten ist, dass der Trennungsunterhalt – also derjenige Unterhalt, auf den man Anspruch hat, wenn man zwar noch verheiratet ist aber voneinander getrennt lebt – nicht derselbe ist wie der nacheheliche Unterhalt (also derjenige, auf den der Berechtigte Anspruch hat, wenn die Eheleute geschieden sind).

Versorgung der Kinder klären

Wer in welcher Form für vorhandene Kinder zuständig ist, ist leicht nachvollziehbar: derjenige, bei dem die Kinder leben, leistet Naturalunterhalt, indem er sie versorgt, also für sie kocht, wäscht etc. Der andere Elternteil leistet Barunterhalt, zahlt also Geld. In welcher Höhe dieser Unterhalt individuell ausfällt, ist einkommensabhängig und wird gemäß der Düsseldorfer Tabelle bestimmt.

In der Regel bleibt das gemeinsame Sorgerecht beider Elternteile bestehen. Dies bedeutet auch, dass derjenige, der nicht mehr mit seinen Kindern in einem Haushalt wohnt, das Recht hat, sie regelmäßig zu sehen.

Krankenkasse und Rentenversicherung

War einer der Ehepartner während der Ehezeit über den anderen krankenversichert, so muss er sich innerhalb von drei Monaten nach Beginn der Trennung bei einer Krankenkasse anmelden, da nach Ablauf dieser zeit kein Versicherungsschutz mehr besteht.

Auch sollten beide Ehegatten noch während des Trennungsjahres einen Kontenklärungsantrag bei den Rententrägern stellen, durch den sie erfahren, ob irgendwelche Nachweise fehlen. Ist dies der Fall, so können diese nachgereicht werden. Dies ist insofern sinnvoll, als dass sie für den späteren Versorgungsausgleich benötigt werden.

Scheidung beantragen

Stellt ein Ehegatte während des Trennungsjahres fest, dass es keine Hoffnung mehr für seine Ehe gibt, sollte er sich einen Anwalt nehmen und einen Scheidungsantrag stellen. Zu beachten ist, dass hierfür eine Anwaltspflicht besteht. Dies bedeutet, dass der Antragsteller sich zwingen von einem Rechtsanwalt vertreten lassen muss.

Fazit: Ist eine Ehe gescheitert, so bedeutet dies nicht nur mentalen Stress für die Ehegatten. Auch sind viele administrative Tätigkeiten zu erfüllen, bis eine Scheidung ausgesprochen werden kann.

Schlagwörter: Ehe gescheitert, Ehewohnung, Unterhaltsanspruch, Scheidung


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